____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Mutter Courage und ihre Kinder
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Mutter Courage und ihre Kinder ist ein Drama von Bertolt Brecht. Es wurde 1938/39 von Brecht unter Mitarbeit von Margarete Steffin im schwedischen Exil verfasst.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] 1941 wurde es im Schauspielhaus ZĂźrich unter der Regie von Leopold Lindtberg mit Therese Giehse in der Hauptrolle uraufgefĂźhrt.cite-ref-3[3] Es spielt im DreiĂigjährigen Krieg zwischen 1624 und 1636. Erzählt wird die Geschichte der Marketenderin Mutter Courage, die versucht, ihr Geschäft mit dem Krieg zu machen, und dabei ihre drei Kinder verliert. Das Geschehen kann als Warnung an die kleinen Leute verstanden werden, die hoffen, durch geschicktes Handeln mit dem Zweiten Weltkrieg umgehen zu kĂśnnen. Gleichzeitig richtet es eine Warnung an die skandinavischen Länder, in denen Unternehmen darauf hofften, am Zweiten Weltkrieg verdienen zu kĂśnnen. Brechts Absichten gehen aber darĂźber hinaus: Er will Abscheu vor dem Krieg vermitteln und vor der kapitalistischen Gesellschaft, die ihn seiner Ansicht nach hervorbringt.
Die Mutter Courage ist weiterhin beispielhaft fĂźr Brechts Konzept des epischen Theaters. Die Zuschauer sollen kritisch und distanziert die Ereignisse auf der BĂźhne analysieren, nicht gefĂźhlvoll das Schicksal eines positiven Helden miterleben. Brecht machte die AuffĂźhrung des Berliner Ensemble zeitweise zur verpflichtenden Vorlage (âCouragemodellâcite-ref-4[4], mit einer Sammlung von Fotos, Regieanweisungen und Kommentaren) fĂźr zahlreiche AuffĂźhrungen auf der ganzen Welt.
Das Drama wurde mehrfach vertont und von der DEFA im Stil der Berliner Inszenierung verfilmt. Im Kalten Krieg boykottierten Theater in einigen westlichen Ländern das Stßck.
Dennoch wurde die Mutter Courage ein groĂer BĂźhnenerfolg, beinahe jedes Stadttheater hat sich an der Courage versucht, ebenso viele Regiestars, etwa Peter Zadek 2003 mit Angela Winkler,cite-ref-5[5] wie Brecht am Deutschen Theater, oder Claus Peymann 2005 mit Carmen-Maja Antonicite-ref-6[6] am Berliner Ensemble. FĂźr viele Schauspielerinnen ist die Courage eine Paraderolle. Das Drama wird häufig als SchullektĂźre verwendet.
Contents
⢠Inhalt
⢠Erstes Bild
⢠Zweites Bild
⢠Drittes Bild
⢠Viertes Bild
⢠Fßnftes Bild
⢠Sechstes Bild
⢠Siebtes Bild
⢠Achtes Bild
⢠Neuntes Bild
⢠Zehntes Bild
⢠Elftes Bild
⢠ZwÜlftes Bild
⢠Vertonungen
⢠Verfilmungen
⢠Analyse
⢠Textintention
⢠Eilif
⢠Schweizerkas
⢠Kattrin
⢠Episches Theater
⢠Doppelszenen
⢠Literatur
⢠Siglenliste
⢠Textausgaben
⢠Verfilmung
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Inhalt
Brecht hat das Stßck immer wieder weiterentwickelt und verändert. Die Inhaltsangabe folgt der Druckversion von 1950 mit 12 Szenen, textgleich mit der Berliner und Frankfurter Gesamtausgabe.cite-ref-7[7]
Erstes Bild
Mutter Courage zieht im FrĂźhjahr 1624 als Marketenderin mit ihren drei Kindern dem 2. finnischen Regiment nach, das in der schwedischen Landschaft Dalarna Soldaten fĂźr den Feldzug in Polen einzieht. Ein Feldwebel und ein Werber sollen fĂźr ihren Feldhauptmann Oxenstjerna Soldaten anwerben. Der Feldwebel behauptet, dass Frieden Schlamperei bedeute und nur Krieg Ordnung schaffe.
Als der Feldwebel den Wagen der Courage mit ihren zwei halb erwachsenen SĂśhnen anhält, freut sich der Werber Ăźber zwei âstramme Männerâ. Die Courage stellt sich mit einem Lied als gerissene Geschäftsfrau vor. Ihr eigentlicher Name ist Anna Fierling. Sie hat ihren Beinamen âCourageâ erhalten, als sie unter dem Feuer der GeschĂźtze fĂźnfzig Brotlaibe in das belagerte Riga gefahren hat, um sie zu verkaufen, bevor sie verschimmelten.cite-ref-8[8]
Als sie sich ausweisen soll, legt die Courage einige âDokumenteâ vor: ein Messbuch zum Gurkeneinwickeln, eine Landkarte von Mähren und eine Bescheinigung Ăźber ein seuchenfreies Pferd. Sie erzählt, dass ihre Kinder auf den HeerstraĂen Europas von verschiedenen Männern gezeugt wurden. Als sie erkennt, dass es der Werber auf ihre SĂśhne abgesehen hat, verteidigt sie diese mit dem Messer. Zur Warnung lässt sie den Feldwebel und ihre Kinder Lose ziehen, die allen den Tod im Krieg prophezeien.
Letztlich lässt sie sich durch ihren Geschäftssinn ablenken, als der Feldwebel sich interessiert zeigt, eine Schnalle zu kaufen. Sie ßberhÜrt die Warnlaute ihrer stummen Tochter Kattrin, und als sie zurßckkehrt, ist der Werber mit ihrem ältesten Sohn Eilif weggegangen.
Zweites Bild
Mutter Courage zieht in den Jahren 1625 und 1626 im Tross der Schwedischen Heere durch Polen. Während sie mit dem Koch des Feldhauptmannes um einen Kapaun verhandelt, hĂśrt sie, wie ihr Sohn Eilif vom Feldhauptmann fĂźr eine Heldentat ausgezeichnet wird. Eilif war mit seinen Leuten auf der Suche nach Vieh, das sie den Bauern stehlen sollten. Dabei erwischte sie eine Ăberzahl bewaffneter Bauern. Doch durch List und Betrug gelang es Eilif, die Bauern niederzuschlagen und das Vieh zu stehlen. Als Courage das hĂśrt, ohrfeigt sie Eilif, weil er sich nicht ergeben hat. Sie fĂźrchtet um ihren Sohn aufgrund seiner KĂźhnheit. In der Doppelszene kann der Zuschauer parallel das Geschehen in der KĂźche und beim Feldhauptmann beobachten.
Drittes Bild
Drei Jahre sind vergangen. Die Courage handelt mit dem Zeugmeister eines finnischen Regiments um Gewehrkugeln. Ihr jĂźngster Sohn Schweizerkas ist Zahlmeister geworden und verwaltet die Regimentskasse. Die Courage warnt ihren Sohn davor, unredlich zu handeln.
Courage lernt die Lagerhure Yvette Pottier kennen, die ihr ihre Lebensgeschichte erzählt (Lied vom Fraternisieren). Ihren Niedergang erklärt Yvette damit, dass sie von ihrer ersten groĂen Liebe, einem Koch namens âPfeifen-Pieterâ, verlassen worden sei. Sie wird wegen einer Geschlechtskrankheit von den Soldaten gemieden. Kattrin spielt trotz aller Warnung vor der Soldatenliebe mit Hut und Schuhen Yvettes.
AnschlieĂend unterhalten sich Koch und Feldprediger Ăźber die politischen Verhältnisse. Der Feldprediger behauptet, in diesem Krieg zu fallen sei eine Gnade, weil es ein Glaubenskrieg sei. Der Koch entgegnet, dieser Krieg unterscheide sich in keiner Hinsicht von anderen Kriegen. Er bedeute Tod, Armut und Unheil fĂźr die betroffene BevĂślkerung und Gewinn fĂźr die Herren, die den Krieg zu ihrem Nutzen fĂźhrten.
Das Gespräch wird durch Kanonendonner, Schßsse und Trommeln unterbrochen. Die Katholiken ßberfallen das schwedische Lager. Im Durcheinander versucht Courage, ihre Kinder zu retten. Sie beschmiert Kattrin das Gesicht mit Asche, um sie unattraktiv zu machen, rät Schweizerkas, die Kasse wegzuwerfen, und gewährt dem Feldprediger Unterschlupf. In letzter Minute nimmt sie die Regimentsfahne vom Wagen. Doch Schweizerkas will die Regimentskasse retten und versteckt sie in einem Maulwurfloch nahe dem Fluss. Jedoch bemerken polnische Spione, dass sein Bauch durch die versteckte Kasse seltsam vorsteht, und veranlassen seine Verhaftung. Unter Folter gesteht er, dass er die Kasse versteckt hat; den Ort will er aber nicht verraten. Der Feldprediger singt das Horenlied.
Yvette hat einen alten Oberst kennengelernt, der bereit ist, Mutter Courages Wagen zu erwerben, damit sie ihren Sohn freikaufen kann. Insgeheim hofft die Courage auf das Geld der Regimentskasse und will deshalb den Wagen nur verpfänden. Doch sie verhandelt zu lange um die AuslÜsesumme fßr ihren Sohn, Schweizerkas wird von den polnischen Katholiken erschossen. Als man die Leiche bringt, verleugnet die Mutter Courage ihren Sohn, um sich zu retten.
Viertes Bild
Mutter Courage will sich bei einem Rittmeister beschweren, weil Soldaten bei der Suche nach der Regimentskasse Waren in ihrem Wagen zerstĂśrt haben. Auch ein junger Landsknecht mĂśchte sich beschweren, weil er das Pferd vom Obrist gerettet und dafĂźr kein Trinkgeld bekommen hat. Daraufhin singt Courage das Lied von der groĂen Kapitulation, das tiefe Resignation und die Kapitulation vor den Mächtigen zum Ausdruck bringt. Die beiden verzichten auf die Beschwerde. Das durch einen Doppelpunkt verfremdete Zitat im Refrain des Liedes: âDer Mensch denkt: Gott lenktâcite-ref-referencea-9-0[9] demonstriert die Abkehr von Religion und Kriegsideologie.
FĂźnftes Bild
Zwei Jahre sind vergangen. Die Courage hat mit ihrem Wagen Polen, Bayern und Italien durchquert. 1631 siegt Tilly bei Magdeburg. Mutter Courage steht in einem zerschossenen Dorf und schenkt Schnaps aus. Da kommt der Feldprediger und verlangt Leinen zum Verbinden von verwundeten Bauern. Doch Courage weigert sich und muss von Kattrin und vom Feldprediger zur Hilfeleistung gezwungen werden. Kattrin rettet unter Lebensgefahr einen Säugling aus dem einsturzgefährdeten Bauernhof.
Sechstes Bild
Vor der Stadt Ingolstadt wohnt die Courage 1632 dem Begräbnis des gefallenen kaiserlichen Feldhauptmannes Tilly bei. Sie bewirtet einige Soldaten und befßrchtet, dass der Krieg bald zu Ende ist. Doch der Feldprediger beruhigt sie und sagt, dass der Krieg weiter anhalte. Die Courage schickt Kattrin in die Stadt, um neue Waren einzukaufen. Während ihre Tochter unterwegs ist, weist sie den Feldprediger zurßck, der mehr als nur eine Wohngemeinschaft mÜchte.
Kattrin kehrt aus der Stadt mit einer entstellenden Wunde an der Stirn zurĂźck. Sie wurde Ăźberfallen und misshandelt, hat sich aber die Waren nicht wegnehmen lassen. Als Trost schenkt die Courage ihr die Schuhe der Lagerhure Yvette, die die Tochter aber nicht annimmt, weil sie weiĂ, dass sich kein Mann mehr fĂźr sie interessieren wird.
Aus dem Wagen belauscht Kattrin das Gespräch ihrer Mutter mit dem Feldprediger. Kattrin brauche, so Mutter Courage, nun nicht mehr auf den Frieden zu warten, denn ihre ganzen Zukunftsaussichten und Pläne seien mit dem Ăberfall und der verbleibenden Narbe zerstĂśrt worden. Eine stumme und noch dazu verunstaltete Person wolle kein Mann heiraten. Das Versprechen ihrer Mutter, dass Kattrin Mann und Kinder haben solle, sobald der Frieden kommen werde, scheint damit hinfällig geworden zu sein. Ganz am Schluss der Szene lässt sich Mutter Courage zu dem Satz hinreiĂen: âDer Krieg soll verflucht sein.â
Siebtes Bild
Die Antithese zum Schluss des sechsten Bildes folgt sofort zu Beginn des siebten: âIch laĂ mir von euch den Krieg nicht madig machenâ, sagt Mutter Courage. Sie zieht âauf dem HĂśhepunkt ihrer geschäftlichen Laufbahnâ (Brecht) mit Kattrin und dem Feldprediger Ăźber eine LandstraĂe. In der kurzen Szene rechtfertigt sie mit einem Lied ihre nichtsesshafte Lebensweise als Marketenderin im Krieg.
Achtes Bild
Der SchwedenkĂśnig Gustav Adolf fällt in der Schlacht bei LĂźtzen. Ăberall läuten die Glocken und mit Windeseile verbreitet sich das GerĂźcht, es sei nun Frieden. Der Koch erscheint wieder im Lager und der Feldprediger zieht wieder sein Gewand an. Mutter Courage klagt gegenĂźber dem Koch, sie sei jetzt ruiniert, weil sie auf Rat des Feldpredigers noch kurz vor Ende des Krieges Waren eingekauft habe, die nun nichts mehr wert seien.
Zwischen Koch und Feldprediger kommt es zum Streit: Der Feldprediger will sich vom Koch nicht aus dem Geschäft drängen lassen, weil er sonst nicht Ăźberleben kann. Die Courage verflucht den Frieden und wird daraufhin vom Feldprediger als âHyäne des Schlachtfeldesâcite-ref-10[10] bezeichnet. Yvette, die seit fĂźnf Jahren Witwe eines adeligen Obristen sowie älter und dicker geworden ist, kommt zu Besuch. Sie identifiziert den Koch als âPfeifen-Pieterâ und charakterisiert ihn als gefährlichen VerfĂźhrer. Dieser glaubt (zu Unrecht, wie sich später herausstellt), dass sein Ansehen bei Mutter Courage dadurch stark gesunken sei. Die Courage fährt mit Yvette in die Stadt, um noch schnell ihre Waren zu verkaufen, bevor die Preise fallen. Während Courage fort ist, fĂźhren die Soldaten Eilif vor, der die Gelegenheit bekommen soll, mit seiner Mutter zu sprechen. Er hat weiter geraubt und gemordet; allerdings hat er nicht mitbekommen, dass das jetzt, im âFriedenâ, als Raub und Mord gilt. Folglich soll er hingerichtet werden. Wegen der Abwesenheit der Mutter kommt es nicht zu dem geplanten letzten Gespräch Eilifs mit ihr. Kurz nach seinem Abgang kehrt Mutter Courage zurĂźck. Sie hat ihre Waren nicht verkauft, weil sie mitbekommen hat, dass es wieder zu Kampfhandlungen gekommen ist, der Krieg also weitergehen wird. Der Koch verschweigt ihr, dass Eilif hingerichtet werden soll. Die Courage zieht mit ihrem Wagen weiter und nimmt statt des Feldpredigers den Koch als Gehilfen mit.
Neuntes Bild
Der Krieg dauert schon sechzehn Jahre, und die Hälfte der Einwohner Deutschlands ist umgekommen. Das Land ist verwĂźstet, die Menschen hungern. Im Herbst 1634 versuchen die Courage und der Koch, im Fichtelgebirge etwas Essbares zu erbetteln. Der Koch erzählt der Courage von seiner Mutter, die in Utrecht an der Cholera gestorben ist. Er habe eine kleine Wirtschaft geerbt und wolle mit Courage dorthin ziehen, da er sich nach einem ruhigen und friedlichen Leben sehne. Mutter Courage scheint zunächst von diesem Plan angetan zu sein, bis der Koch ihr sagt, dass er Kattrin nicht mitnehmen will. Nachdem er klargestellt hat, die Wirtschaft kĂśnne drei Personen nicht ernähren, und mit ihrem âverunstalteten Gesichtâ werde Kattrin die Gäste vertreiben, ändert Mutter Courage ihre Meinung. Sie kann Kattrin, die dieses Gespräch mitgehĂśrt hat und heimlich weglaufen will, gerade noch aufhalten. Mutter und Tochter ziehen allein weiter, und der Koch bemerkt verdutzt, dass man ihn allein zurĂźckgelassen hat.
Zehntes Bild
Im ganzen Jahr 1635 ziehen Mutter Courage und ihre Tochter Ăźber die LandstraĂen Mitteldeutschlands und folgen den zerlumpten Heeren. Sie kommen an einem Bauernhaus vorbei. Sie hĂśren eine Stimme, die von der Sicherheit der Menschen mit einem heilen Dach Ăźber dem Kopf singt (Uns hat ein Ros ergetzet). Mutter Courage und Kattrin, die diese Sicherheit nicht haben, halten ein und hĂśren der Stimme zu, ziehen dann aber kommentarlos weiter.
Elftes Bild
Im Januar 1636 bedrohen die kaiserlichen Truppen die Stadt Halle. Die Courage ist in die Stadt gegangen, um einzukaufen. Ein Fähnrich dringt mit zwei Landsknechten in den Bauernhof ein, wo Courage ihren Planwagen mit ihrer Tochter stehen hat. Die Soldaten zwingen den Bauern, ihnen den Weg in die Stadt zu zeigen, da die Bewohner, die noch nichts von der Gefahr wissen, ßberrascht werden sollen. Als Kattrin von der Gefahr hÜrt, nimmt sie sich eine Trommel, steigt auf das Dach und zieht die Leiter zu sich hoch. Sie schlägt die Trommel und lässt sich von keiner Drohung abhalten. Die Soldaten zwingen den Bauern, die Trommeln durch Axtschläge zu ßbertÜnen. Als dies nicht gelingt, wird Kattrin von den Soldaten erschossen. Doch der mutige Einsatz, der ihr Leben kostete, hat Erfolg. Die Stadtbewohner sind aufgewacht und schlagen Alarm.
ZwĂślftes Bild
Am nächsten Morgen ziehen die Schweden vom Bauernhof ab. Mutter Courage kehrt aus der Stadt zurßck und findet ihre tote Tochter. Erst glaubt sie, dass sie schläft, und kann nur mit Mßhe die Wahrheit begreifen. Sie gibt den Bauern Geld fßr das Begräbnis und zieht allein mit dem Wagen dem Heer nach. Sie glaubt, zumindest Eilif sei am Leben, und singt die dritte Strophe des Eingangslieds.cite-ref-11[11]
Entstehung des StĂźcks
Literarische EinflĂźsse
Laut Notizen von Margarete Steffin ist Brecht im schwedischen Exil durch die Geschichte der nordischen Marketenderin Lotta Svärd aus Johan Ludvig Runebergs Fähnrich Stahl zur Niederschrift der Mutter Courage angeregt worden, die insgesamt nur fĂźnf Wochen gedauert habe.cite-ref-12[12] Verschiedene Verweise Brechts auf Vorarbeiten zeigen, dass Brecht im Herbst 1939 nur âdie Niederschrift der ersten vollständigen Fassungâ erstellte.cite-ref-13[13] Brecht selbst gibt später an, er habe das StĂźck â1938 geschriebenâ.cite-ref-14[14] Im Kontext der Kopenhagener AuffĂźhrung von 1953 erinnert er sich, dass das StĂźck in Svendborg, d. h. vor dem 23. April 1939, als er Dänemark verlieĂ, entstanden sei.cite-ref-15[15] Brecht schrieb selbst in einem Brief an Erwin Piscator, dass Margarete Steffin âMitarbeiterinâ an dem Drama gewesen sei. Näheres zu ihrer Mitarbeit hat sich nicht erhalten. Hartmut Reiber geht davon aus, dass sie an der âAusformungâ des Texts beteiligt war.cite-ref-16[16]
In Runebergs Balladen findet sich der Typus der mĂźtterlichen Marketenderin wieder, die sich im finnisch-russischen Krieg von 1808/09 um die Soldaten der Truppe kĂźmmert. Inhaltlich hat Brechts Drama keine Ăhnlichkeit mit Runebergs Schrift, die den Kampf Finnlands um nationale Autonomie idealistisch verherrlicht.cite-ref-17[17]
Den Namen âCourageâ Ăźbernahm Brecht aus dem Roman Trutz Simplex: Oder AusfĂźhrliche und wunderseltzame Lebensbeschreibung Der ErtzbetrĂźgerin und LandstĂśrtzerin Courasche (1670) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, der am Beispiel einer Zigeunerin beschreibt, wie die Wirren des DreiĂigjährigen Krieges zur sittlichen und menschlichen Verwahrlosung fĂźhren.
Grimmelshausens Romane schildern schonungslos die Schrecken des Krieges. Sein Hauptwerk Der abenteuerliche Simplicissimus, ein Schelmenroman, ist der erste Band einer Trilogie, zu der auĂerdem der Courasche-Roman und Der seltsame Springinsfeld gehĂśren. Brecht, der Grimmelshausen wegen seiner unheroischen Darstellung des Krieges schätzte, Ăźbernahm jedoch weder die Handlung des Courasche-Romans noch den Charakter der Titelfigur. Bei Grimmelshausen ist die Courasche eine Soldatenhure mit starker erotischer Ausstrahlung, sie ist unfruchtbar (hat aber sieben verschiedene Ehemänner; vgl. die drei verschiedenen Väter von Eilif, Schweizerkas und Kattrin) und ist von hoher Geburt. Der Begriff âCourascheâ bezeichnet nicht den Mut, sondern die Vagina:
âAls aber die Predigt am allerbesten war und er mich fragte, warum ich meinen Gegenteil so gar abscheulich zugerichtet hätte, antwortet ich: ÂťDarumb, daĂ er mir nach der Courage gegriffen hat, wohin sonst noch keines Mannsmenschen Hände kommen seinÂŤâcite-ref-18[18]
Dennoch gibt es indirekt Parallelen zwischen den beiden literarischen Figuren. Wie Brechts Courage begibt sich auch die âCourascheâ Grimmelshausens gezielt in den Krieg. In Männerkleidung sucht sie Gelegenheiten, ihre Rauflust und Geldgier auszuleben. Von Religion halten beide nichts. Andererseits versucht die Courasche, ihr Geld als Soldatenhure zu verdienen, hauptsächlich durch eine Kette kurzlebiger Ehen, ein Aspekt ihrer PersĂśnlichkeit, der sich bei Brecht in der Figur der Yvette Pottier wiederfindet.cite-ref-19[19]
Brecht will vor dem Hintergrund des DreiĂigjährigen Krieges vor dem Krieg im Allgemeinen warnen und dessen Ursachen aufdecken. Von Grimmelshausen stammt der historische Hintergrund des Dramas, die Gestaltung des Kriegsgeschehens als BĂźrgerkrieg. Jan Knopf sieht in der Figur des Eilif Aspekte der Figur des Simplicissimus und verweist weiterhin auf formale EinflĂźsse Grimmelshausens: Wie dieser im Simplicissimus stelle Brecht in seinem Drama kurze inhaltliche Zusammenfassungen der Ereignisse dem Geschehen voran, um die âLeser-Spannung vom ÂťWasÂŤ (Ob-Ăźberhaupt-Spannung) auf das ÂťWieÂŤ (Wie-Spannung), also vom bloĂ Stofflichen auf dessen Beurteilungâ zu legen.cite-ref-knopf183-20-0[20] Was im Barock der moralischen Bewertung der Ereignisse diente, wird bei Brecht zum Mittel, einen distanzierten Blick der Zuschauer zu bewirken. Das Publikum soll die Ereignisse verstehen und beurteilen, nicht einfĂźhlend und gespannt miterleben. Jan Knopf sieht in den kurzen Inhaltsangaben auch den Einfluss des Kinos, das im Stummfilm wie âim âepischen Filmâ der 30er Jahreâ exzessiv mit eingeblendeten Texten gearbeitet habe.cite-ref-knopf183-20-1[20]
Einen weiteren Einfluss Grimmelshausens sieht die Forschung im Konzept der âUmkehr des GewĂśhnlichen: im Barock ist es der Topos von der verkehrten Welt gegenĂźber der gĂśttlichen Weltordnung [âŚ], bei Brecht ist es die âUmwertungâ der ânormalenâ bĂźrgerlichen Werte durch den Krieg: als neue Normalität.âcite-ref-knopf183-20-2[20] Ebenfalls findet sich bereits im Simplicissimus das geschäftliche Interesse am Krieg:
âSiehe nun lieber Mercuri, warum sollte ich ihnen dann den Frieden verleihen? Ja, es sind zwar etliche die ihn wĂźnschen, aber nur wie gesagt, um ihres Bauchs und Wollust willen; hingegen aber sind auch andere, die den Krieg behalten wollen, nicht zwar weil es mein Will ist, sondern weil er ihnen einträgt; Und gleichwie die Maurer und Zimmerleut den Frieden wĂźnschen, damit sie in Auferbauung der eingeäscherten Häuser Geld verdienen, also verlangen andere, die sich im [405] Frieden mit ihrer Handarbeit nicht zu ernähren getrauen, die Kontinuation des Kriegs, in selbigem zu stehlen.âcite-ref-21[21]
BezĂźge zur politischen Situation der Zeit
Brecht schrieb sein StĂźck im Exil âfĂźr Skandinavienâ.cite-ref-22[22] Schon Ăźber die historische Koppelung an den DreiĂigjährigen Krieg ist die Beteiligung Skandinaviens am Krieg angedeutet. âInsbesondere die ersten beiden Bilder lassen noch das intendierte schwedische Publikum erkennen, da dort der schwedisch-polnische Krieg (der dem Eingriff des SchwedenkĂśnigs in den DreiĂigjährigen Krieg vorausgeht) die historische Folie bildet.âcite-ref-breuer111-23-0[23] Brechts wesentliche Absicht war dabei die Warnung an seine Gastgeber, sich auf Geschäfte mit Hitler einzulassen. Brecht schreibt:
âEs mag heute schwierig sein, sich daran zu erinnern, daĂ es damals in Skandinavien Leute gab, die nicht abgeneigt waren, sich an den Unternehmungen jenseits der Grenze ein wenig zu beteiligen. Sie werden kaum davon reden. Nicht so sehr, weil es sich um einen Raubzug handelte, sondern weil dieser Raubzug missglĂźckte.âcite-ref-24[24]
Brecht hatte schon 1939 mit zwei Einaktern die Neutralitätshaltung Dänemarks (âDansenâ) und die Erzgeschäfte Schwedens mit Deutschland kritisiert (âWas kostet das Eisenâ unter dem Pseudonym John Kent).cite-ref-25[25] Mit der Mutter Courage hoffte er, die Haltung der Skandinavier Ăźber das Theater beeinflussen zu kĂśnnen.
âIch stellte mir, schreibend, vor, daĂ von den BĂźhnen einiger groĂer Städte herab, die Warnung des StĂźckeschreibers zu hĂśren sein wĂźrde, daĂ der einen langen LĂśffel haben muss, der mit dem Teufel frĂźhstĂźcken will.âcite-ref-die-courage-lernt-nichts-s-272-26-0[26]
Ein anderer Zeitbezug sind die Themen Nationalismus und Rassismus. Mutter Courage stellt ihre Kinder selbstbewusst als multinationale Gesellschaft vor. Stärker als das biologische Erbe der Väter aus verschiedenen Nationen bewertet sie den Einfluss ihrer wechselnden Männer aus verschiedenen Staaten, mit denen die Kinder groà geworden sind. Gegen alle Rassenlehre sieht die Courage ihre Familie als gesamteuropäische Mischung:
âEilif steht fĂźr das kĂźhne, autonome, sich auf sich selbst verlassende Finnland, das 1939 sowohl zu Deutschland als auch zur Sowjetunion auf Distanz ging in der Hoffnung, sich âheraushaltenâ zu kĂśnnen; Schweizerkas steht fĂźr den âSchweizer Käseâ, die Nation der händlerischen Bauern und ihre berĂźhmte Neutralität ⌠und Kattrin fĂźr den halbierten Deutschen, der zur Stummheit verurteilt ist âŚâcite-ref-knopf184-27-0[27]
Der wohl deutlichste Zeitbezug des Dramas zeigt sich in einer Anspielung auf Hitlers Ăberfall auf Polen in der dritten Szene.
Mutter Courage: âDie Polen hier in Polen hätten sich nicht einmischen sollen. Es ist richtig, unser KĂśnig ist bei ihnen eingerĂźckt mit âRoss und Mann und Wagenâ, aber anstatt daĂ die Polen den Frieden aufrechterhalten haben, haben sie sich eingemischt in ihre eigenen Angelegenheiten und den KĂśnig angegriffen, wie er gerad in aller Ruhe dahergezogen ist. So haben sie sich eines Friedensbruchs schuldig gemacht, und alles Blut kommt auf ihr Haupt.âcite-ref-28[28]
Das Zitat verknĂźpft und aktualisiert verschiedene Aspekte Ăźber den Verweis auf Hitlers Ăberfall auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg erĂśffnete, hinaus. Die biblische Rachedrohung âDer Herr lasse sein Blut auf sein Haupt kommen, weil er ohne Wissen meines Vaters zwei Männer, die gerechter und besser waren als er, niedergestoĂen und mit dem Schwert getĂśtet hatâcite-ref-29[29] prophezeit eine Strafe, in der satirischen Darstellung der Courage den Opfern. Solche satirischen Elemente âstellen die Unlogik der nationalsozialistischen Logik bloĂ, indem sie sie satirisch ĂźberhĂśht nachvollziehen.âcite-ref-knopf184-27-1[27] Das Zitat âmit Ross und Mann und Wagenâ entstammt einem alten Kriegslied, das 1813 in Riga entstand.cite-ref-30[30]cite-ref-31[31]
Auch an anderer Stelle wird die NS-Ideologie mit bitterem Humor aufs Korn genommen. Die Koppelung geschieht etwa Ăźber die Verbindung von âGlaubenskriegâcite-ref-mutter-courage-s-30-32-0[32] und ideologisch begrĂźndetem NS-Krieg. Brecht lässt den Feldprediger von seiner Ăberzeugungskraft und vom Endsieg schwärmen: âSie haben mich noch nicht predigen hĂśren. Ich kann ein Regiment nur mit einer Ansprach so in Stimmung versetzen, daĂ es den Feind wie eine Hammelherd ansieht. Ihr Leben ist ihnen wie ein alter verstunkener FuĂlappen, den sie wegwerfen in Gedanken an den Endsieg. Gott hat mir die Gabe der Sprachgewalt verliehen.âcite-ref-33[33]
Der Koch stellt den Bezug zur Brutalität der Verhältnisse in Deutschland her, fßr die im historischen Kontext der schwedische KÜnig verantwortlich gemacht wird:
Der Koch: â⌠die Freiheit, wo er hat einfĂźhren wollen in Deutschland, hat sich der KĂśnig genug kosten lassen ⌠und dann hat er die Deutschen noch einsperren und vierteilen lassen mĂźssen, weil sie an ihrer Knechtschaft gegenĂźber dem Kaiser festgehalten haben. Freilich, wenn einer nicht hat frei werden wolln, hat der KĂśnig keinen SpaĂ gekannt. Zuerst hat er nur Polen schĂźtzen wolln vor bĂśse Menschen ⌠aber dann ist mitn Essen der Appetit gekommen, und er hat ganz Deutschland geschĂźtzt.âcite-ref-34[34]
Hier ist nicht nur erneut der Ăberfall auf Polen angesprochen, sondern auch der NS-Begriff der Schutzhaft, der unter dem Vorwand Oppositionelle ins KZ brachte, sie vor dem âVolkszornâ schĂźtzen zu mĂźssen.
In verschiedenen Polemiken kommen auch Brechts Zweifel an der Freiheit in demokratischen kapitalistischen Gesellschaften zum Ausdruck. âBrecht war skeptisch in Bezug auf die Freiheit, die die Bourgeoisie zu repräsentieren vorgabâ,cite-ref-35[35] schreibt Fowler mit Verweis auf Brechts Drama sowie den âanachronistischen Zugâ und den dortigen Spott auf âFreiheit und Democracyâ.cite-ref-36[36] Im StĂźck, so Fowler, erscheine die Freiheit als Sklaverei, etwa in Form der UnterdrĂźckung und Ausbeutung durch Eroberer wie den schwedischen KĂśnig.cite-ref-37[37]
Trotz dieser und anderer Verweise auf Europa unter dem Nationalsozialismus ist die Courage kein SchlĂźsseldrama.cite-ref-38[38] Brecht setze zwar durch Doppeldeutigkeiten und wenige Begriffe aus der Sprache von 1939 âSignaleâ fĂźr mĂśgliche Aktualisierungen, diese spielten aber âkeine tragende Rolle im StĂźckâ.cite-ref-39[39]
AuffĂźhrungen und Textvarianten
Die UrauffĂźhrung in ZĂźrich
Die Urauffßhrung der Mutter Courage fand am 19. April 1941 am von Oskar Wälterlin geleiteten Schauspielhaus Zßrich statt. Regie fßhrte der Piscator-Schßler Leopold Lindtberg, die Musik komponierte Paul Burkhard, der auch selbst dirigierte. Therese Giehse spielte die Hauptrolle. Das von Teo Otto entworfene, einfache Bßhnenbild mit dem Marketenderwagen von Mutter Courage wurde prägend fßr alle weiteren Auffßhrungen des Stßcks und fßr das später von Brecht entwickelte Modell, obwohl Brecht die Zßrcher Auffßhrung persÜnlich nie sehen konnte.
Im Zentrum der Inszenierung stand der im AuffĂźhrungsverlauf zunehmend herunterkommende Wagen der Courage. Das einfach gehaltene BĂźhnenbild beschränkte sich auf flackernde HintergrĂźnde auf aufgespannten Leinwänden, einfachen Holzbuden, vor denen Landschaften angedeutet waren.cite-ref-40[40] FĂźr die AuffĂźhrung verfasste Brecht die inhaltlichen Zusammenfassungen vor den einzelnen Szenen, das âTitulariumâ.cite-ref-knopf182-41-0[41] Das ZĂźrcher Programmheft interpretierte die Mutter Courage als RĂźckkehr Brechts von den LehrstĂźcken zum Menschentheater: âDas Menschlich-Mitleidvolle, das Geistig-EinfĂźhlende steht in dieser Dichtung â bei Aufnahme der formalen Elemente des âšepischenâş Theaters â im Mittelpunkt ⌠Die Figuren vertreten nicht mehr âšAnschauungenâş, nicht mehr Meinungen âŚâcite-ref-42[42] Trotz der groĂen Wirkung des StĂźckes kam es zu nur zehn AuffĂźhrungen, die aber nach Meinung des Theaterwissenschaftlers GĂźnther RĂźhle eine solch lange Nachwirkung hatten wie kein anderes StĂźck und keine Inszenierung, die im Exil zur AuffĂźhrung kam.cite-ref-43[43]
Der zeitgenĂśssische Kritiker Bernhard Diebold erkennt 1941 in der ZĂźrcher Courage das Konzept der Dreigroschenoper wieder. Brecht baue âseine tragikomische Jahrmarktsbude auf, in der als ein hĂśherer Bänkelsänger [âŚ] seine Satire hĂśhnt und singt zugunsten der Kleinen in der Masse und gegen die GroĂen, die auf geistlichen und weltlichen Thronen âihren Krieg machenâ.âcite-ref-44[44] Weniger dĂźrfte Brecht gefallen haben, dass Diebold in der Courage vor allem âein warmblĂźtiges Muttertierâ sah, das âkeine Wahlâ gehabt habe: âMan ist unfrei wie ein armes Tier.âcite-ref-45[45] Diebold sieht in Brechts Eulenspiegelei, in seiner âNarrenmoralâ, keine positive Perspektive, Brechts StĂźck diene âlediglich der nihilistischen Entwertung allen Glaubens an Kulturâ.cite-ref-referenceb-46-0[46] Der Kritiker vermisst â wie später die Kritik aus der Sicht des sozialistischen Realismus â die positive Heldenfigur, âder die bĂśsen Drachen der Menschheit um der Menschheit willen erschlagen soll.âcite-ref-referenceb-46-1[46] Die Tendenz von Diebolds Lob fĂźr Therese Giehses Darstellung der Mutter Courage dĂźrfte einer der GrĂźnde gewesen sein, warum Brecht später die negativen Seiten der Figur durch Textänderungen und Regie stärker herausarbeitete:
âAber Therese Giehse stand mit ihrem groĂen Mutterherzen jenseits aller historischen AnsprĂźche schlechthin im Ewigen. Mochte sie noch so respektwidrige Dinge gegen das âHĂśhereâ maulen und ihre GeschäftstĂźchtigkeit spielen lassen â sie wurde doch nie zur âHyäne des Schlachtfeldsâ; und die von den rauhen Umständen geforderte Rauheit der Marketenderin trat fast zu stark zurĂźck hinter der Strahlung ihres GefĂźhls und ihres ergreifenden Schmerzes, wenn sie die Kinder eines nach dem anderen verlieren muĂ.âcite-ref-47[47]
Auch andere Kritiker der Zeit interpretierten die Courage der Giehse vor allem als Mutterfigur. So spricht die Kritikerin der Basler National-Zeitung von der âNährmutterâ Courage, die sie fĂźr ihre Kinder wie fĂźr Koch und Feldprediger gewesen sei.cite-ref-referencec-48-0[48] âWie der Prototyp der Urmutter umfängt die Mutter Courage alles, was in ihre Nähe kommt, mit mĂźtterlicher FĂźrsorge [âŚ].âcite-ref-49[49] Aus dieser Sicht erscheint die Courage als Repräsentation von âMillionen von MĂźttern der Gegenwartâ,cite-ref-referencec-48-1[48] die trotz aller Not âungebrochen [âŚ] hinaus in das harte Lebenâ ziehen.cite-ref-referencec-48-2[48]
Fowler zeigt, dass vom Moment der UrauffĂźhrung in ZĂźrich zwei konkurrierende Interpretationen die Rezeptionsgeschichte durchziehen: die Verurteilung der Courage â im Sinne Brechts â aufgrund ihrer Kriegsteilnahme und im Gegensatz dazu die Verteidigung der Courage als unschuldiges Opfer oder leidende Mutter.cite-ref-50[50] Nachträglich ist zu der UrauffĂźhrung zu sagen, dass zu ihrem Zeitpunkt, FrĂźhjahr 1941, ja das Ende des Nazitums â naiv gesehen â noch keineswegs klar war.
Die AuffĂźhrung des Berliner Ensembles
Vorbereitungen und erste Kontakte nach Berlin
Schon am 24. Oktober 1945 hatte der Chefdramaturg des Deutschen Theaters, Herbert Ihering, Brecht um eine AuffĂźhrungserlaubnis fĂźr die Mutter Courage gebeten:
âIch bin bei Wangenheim am Deutschen Theater. [âŚ] Es gibt hier sehr schĂśne MĂśglichkeiten. Erich Engel will nach Berlin, leitet aber vorläufig noch kommissarisch die MĂźnchner Kammerspiele. [âŚ] Lieber Brecht, kommen Sie bald, damit Sie sehen kĂśnnen, wieviel gute und brechtbegeisterte Schauspieler wir am Deutschen Theater noch haben, und mit welcher Begeisterung wir uns alle in die herrliche Mutter Courage stĂźrzen wollen.âcite-ref-51[51]
Helene Weigel schickte ein Lebensmittelpaket, aber eine Antwort von Brecht blieb aus. Im Dezember 1945 schrieb Brecht an Peter Suhrkamp und brachte seine Skepsis gegenĂźber dem Theater in Deutschland zum Ausdruck: âDer Wiederaufbau des deutschen Theaters kann nicht improvisiert werden. Sie wissen auĂerdem, daĂ ich auch schon vor der Hitlerzeit es nĂśtig fand, angesichts des experimentellen Charakters meiner StĂźcke mich sehr in die UrauffĂźhrung hineinzumischen.âcite-ref-52[52] Im gleichen Schreiben verfĂźgt er ein AuffĂźhrungsverbot fĂźr den Galilei wegen TextĂźberarbeitung. Die Mutter Courage dĂźrfe nur aufgefĂźhrt werden mit Helene Weigel in der Hauptrolle.
Aufgrund der Unzufriedenheit mit der Rezeption der Urauffßhrung in Zßrich nahm Brecht einige Textveränderungen fßr die geplante Berliner Auffßhrung vor. Dabei gestaltete er die Figur der Mutter Courage negativer. Eilifs Weggang zu den Soldaten in der ersten Szene geht jetzt weniger auf eigene Motive zurßck, sondern wird verursacht durch Geschäftsinteressen der Mutter. In der 5. Szene gibt sie Verbandsstoffe nicht mehr freiwillig heraus, sondern nur unter Zwang. In der 7. Szene verflucht sie immer noch den Krieg, verteidigt ihn dann aber als Geschäft wie andere.cite-ref-knopf182-41-1[41] Brecht wollte sich von Niobe-Deutungen abgrenzen, die in der Mutter Courage nur das Leiden der Mutter sahen, die ihre Kinder ßberlebt:
âWir haben die erste Szene der ÂťCourageÂŤ zu ändern, da hier schon angelegt ist, was bei der ZĂźrcher AuffĂźhrung den Zuschauern erlaubt hat, sich hauptsächlich von der Dauerhaftigkeit und Tragfähigkeit der gequälten Kreatur (des ewigen Muttertiers) erschĂźttern zu lassen â wo es doch damit nicht eben weit her ist. Jetzt verliert die Courage den ersten Sohn, weil sie sich in ein kleines Geschäft verstricken läĂt, und nur hinzu kommt ihr Mitleid mit dem abergläubischen Feldwebel, das eine Weichheit darstellt, die vom Geschäft kommt und die sie sich nicht leisten kann. Das ist eine deutliche Verbesserung. Sie ist vom jungen Kuckhahn vorgeschlagen.âcite-ref-53[53]
Brechts RĂźckkehr nach Berlin â Probenarbeit
Seit dem 22. Oktober 1948 war Brecht mit Helene Weigel wieder in Berlin und wohnte in den Ăberresten des Hotel Adlon.cite-ref-54[54] Durch den Intendanten Wolfgang Langhoff, der in ZĂźrich den Eilif gespielt hatte, fand er Kontakte zum Deutschen Theater, wo auch Paul Dessau ein Arbeitszimmer hatte.cite-ref-55[55] Langhoff bot ihm an, in seinem Haus zu inszenieren, auch mit einem eigenen Ensemble. Im November 1948 kam Erich Engel nach Berlin, den Brecht als einen der GrĂźnder des epischen Theaters neben Piscator schätzte. Engel begann sofort in Zusammenarbeit mit Brecht mit der Inszenierung der Mutter Courage am Deutschen Theater.cite-ref-56[56]
Das Ensemble, mit dem Brecht und Engel arbeiteten, setzte sich bis auf Helene Weigel und Werner Hinz in der Rolle des Feldpredigers oder Paul Bildt als Koch aus jungen Schauspielern wie Angelika Hurwicz oder Ernst Kahler zusammen, die ihre Karriere in der NS-Zeit begonnen hatten. Brecht registrierte bei ihnen eine âmerkwĂźrdige aura von harmlosigkeitâ, arbeitete aber ohne Vorbehalte mit ihnen zusammen.cite-ref-57[57] Brecht vermittelte dem Ensemble sein Theaterkonzept nicht durch theoretische Vorträge, sondern in der praktischen Arbeit.cite-ref-58[58]
âErst in der elften Szene schalte ich fĂźr zehn Minuten episches Probieren ein. Gerda MĂźller und Dunskus als Bauersleute beschlieĂen, daĂ sie gegen die Katholischen nichts tun kĂśnnen. Ich lasse sie jeweils hinzufĂźgen Âťsagte der MannÂŤ, Âťsagte die FrauÂŤ. PlĂśtzlich wurde die Szene klar, und die MĂźller entdeckte eine realistische Haltung.âcite-ref-59[59]
Premiere am Deutschen Theater 1949
Brechts Drama traf das ZeitgefĂźhl der kleinen Leute, die in der Ruinenstadt Berlin gelernt hatten, dass ihnen der Krieg nichts bringt.
âAls der Wagen der Courage 1949 auf die deutsche BĂźhne rollte, erklärte das StĂźck die immensen VerwĂźstungen, die der Hitlerkrieg angerichtet hatte. Die zerlumpten Kleider auf der BĂźhne glichen den zerlumpten Kleidern im Zuschauerraum. [âŚ] Wer gekommen war, war aus Ruinen gekommen und ging zurĂźck in Ruinen.âcite-ref-die-courage-lernt-nichts-s-272-26-1[26]
Mit der sozialen Position und der Kriegserfahrung der Mutter Courage konnten sich die Zuschauer identifizieren, ihr Handeln und Scheitern lieĂen keine Identifikation zu.
âInsofern stellte das StĂźck ganz neue Anforderungen an das Publikum. Auch das BĂźhnenbild polemisierte gegen Sehgewohnheiten, die das Theater im Faschismus [âŚ] kultiviert hatte. Der Wagen der Courage rollte vor dem weiĂgetĂźnchten Rundhorizont Ăźber die fast leere BĂźhne. Statt des groĂen Vorhangs die flatternde Halbgardine. Ein vom SchnĂźrboden herabgelassenes Emblem kĂźndigte die Unterbrechung der Handlung durch Lieder an. Doch das Publikum fĂźhlte sich durch die neue Darstellungsart nicht schockiert, sondern ergriffen, ging es doch auf der BĂźhne um sehr elementare Fragen, um die menschlichen Anstrengungen, die aufgebracht werden mĂźssen, um zu Ăźberleben.âcite-ref-60[60]
Vor der Ăśffentlichen Premiere stellte Brecht das StĂźck in einer geschlossenen Vorstellung fĂźr Gewerkschaften vor. Manfred Wekwerth, damals noch ein Neuling im Umfeld Brechts, kommentiert Brechts BemĂźhungen um das proletarische Publikum so: Noch vor der Premiere âbestand er darauf, eine Vor-AuffĂźhrung vor Fabrikarbeitern zu machen. Die fand, was die wenigsten wissen, tatsächlich statt. Brecht lag an der Meinung dieser Leute. Er sprach nach der AuffĂźhrung mit ihnen. Die Arbeiter hatten bei der fĂźr sie ungewohnten AuffĂźhrung viele Fragen, Kritiken, es gab auch schroffe Ablehnung und Unverständnis. Brecht beantwortete alles mit groĂer Geduld. DarĂźber gibt es Notizen von ihm (âGespräch mit einem jungen Zuschauer 1948â). Das war ja das Publikum fĂźr das Brecht mit Vorliebe schrieb oder schreiben wollte.âcite-ref-61[61]
Am 11. Januar 1949 fand die Premiere statt. Bis dahin war das Interesse an Brechts Einstieg in die Berliner Theaterszene verhalten und beschränkte sich auf wenige Theaterkenner.cite-ref-62[62] Der grandiose Erfolg des Stßckes änderte dies schlagartig. Wesentlichen Anteil daran hatte Helene Weigel, deren Darstellung der Mutter Courage Presse und Publikum bejubelten. Der legendäre Planwagen aus dieser Inszenierung und die Kostßme von Helene Weigel sind im Brecht-Weigel-Haus in Buckow ausgestellt.
Rezeption und Wirkung
Brechts StĂźck war von Anfang an heftig umstritten, sowohl im Westen als auch im Osten. Seine Konzeption entsprach nicht der Forderung des sozialistischen Realismus nach proletarischen Heldenfiguren und positiven Botschaften. Aber auch im Westen war Brechts gesellschaftskritische Botschaft nicht wohlgelitten.
Die aus heutiger Sicht abstrakten Diskussionen um ein TheaterstĂźck waren in der Sowjetischen Besatzungszone in der Stalin-Ăra von äuĂerster Brisanz. Es ging dabei nicht nur um AuffĂźhrungsmĂśglichkeiten und Reisegenehmigungen. Eine offizielle Ablehnung der Form hätte fĂźr alle Beteiligten weitgehende persĂśnliche Konsequenzen haben kĂśnnen.
Die Tagespresse der SBZ reagiert zunächst positiv, zum Teil begeistert auf die Berliner Premiere. Paul Rilla schreibt in der Berliner Zeitung am 13. Januar 1949, Brechts Drama ziele auf den âMythos vom deutschen Kriegâ, der den DreiĂigjährigen Krieg als Glaubenskrieg idealisiere.cite-ref-63[63] Brechts StĂźck zeige âdie âVĂślkerâ im Mahlstrom eines Krieges der Herrschafts- und Machtinteressen, an denen, ob Sieg oder Niederlage, der âgemeineâ Mann keinen Teil hat, keinen Teil als das allgemeine Elend.âcite-ref-p-r-lla1-64-0[64]
Brechts Drama â so Rilla â sei auch in der Form gelungen, zeige âeine neue Einfachheit, eine neue Gedrungenheit und GrĂśĂeâ.cite-ref-65[65] Er lobt ausdrĂźcklich die epische Form, âwelche klipp und klar die Wahrheit ausdrĂźcktâ.cite-ref-p-r-lla1-64-1[64] Er lobt die Darsteller und die Geschlossenheit des Ensembles. âEin Triumph der AuffĂźhrung in ihren wesentlichen Absichten. [âŚ] Brechts Arbeit in Berlin [âŚ] darf keine Episode bleiben.âcite-ref-66[66]
Dennoch gab es auch Kritik: Sabine Kebir weist darauf hin, dass einige DDR-Kritiker die Auffassung vertraten, âdass das StĂźck den Anforderungen des in der Sowjetunion herrschenden Sozialistischen Realismus nicht genĂźge. Sie bemängelten, dass die Courage zu keiner Erkenntnis komme. Dass Fritz Erpenbeck, Friedrich Wolf und Alfred Kurella gerade den zentralen Punkt der Brechtâschen Ăsthetik missbilligten â die Botschaft sollte nicht autoritär von der BĂźhne kommen â, war kein Zufall. Sie waren aus dem sowjetischen Exil zurĂźckgekehrt und nahmen den Formalismusstreit der dreiĂiger Jahre auf deutschem Boden wieder auf.âcite-ref-67[67]
Fritz Erpenbeck greift Brechts Konzept des epischen Theaters in der âWeltbĂźhneâ 1949 massiv an. Der Erfolg der Courage-Premiere beruhe neben der schauspielerischen Leistung vor allem auf klassisch dramatischen Elementen, die das Erzählerische durchbrächen, vor allem in Gestalt des Dramas zwischen âSpieler und Gegenspielerâ, als âSieg des âdramatischenâ Theaters Ăźber das âepischeââ, in der Entgegensetzung von Kattrin und Courage.cite-ref-68[68]
Hans Wilfert kritisiert in der Neuen Zeit vom 13. Januar 1949 Brechts stilistisches ZurĂźckbleiben, Mangel an Realismus, âMangel an farbiger FĂźlleâ des BĂźhnenbildes und Fehlen fortschrittlicher Impulse. âDiesen Brechtschen âStilâ haben wir schon vor 1933 in mancherlei Variationen erprobt, wir brauchen das Experiment nicht zu wiederholen. Brecht ist bei ihm stehengeblieben, wir nicht.âcite-ref-69[69]
Die Kritik an der AuffĂźhrung und an Brechts Theaterkonzept gipfelte in einer Kontroverse zwischen Fritz Erpenbeck, Kulturfunktionär und Chefredakteur der Zeitschriften Theater der Zeit und Theaterdienst 1946 bis 1958 und Kritiker des brechtschen Theaterkonzepts, und auf der anderen Seite Wolfgang Harich, der Brecht verteidigte. Erpenbeck und seine Mitstreiter kritisierten in verschiedenen Zeitschriften Brechts Theaterkonzept kaum verklausuliert als ZurĂźckbleiben hinter der Entwicklung des Sozialistischen Realismus. Die Courage stehe fĂźr die âKapitulation vor dem Kapitalismusâ.cite-ref-70[70]
Im März 1949 bezog die Sowjetische Militäradministration in Deutschland SMAD in der offiziellen Täglichen Rundschau Stellung zur Kontroverse um Brecht. Trotz Vorbehalten gegen Erpenbecks emotionale Kritik bestätigte die SMAD die Kritiker. Karl-Heinz Ludwig fasst die Position so zusammen:
âDie Katze war aus dem Sack. Brecht wurde falsche Weltanschauung vorgeworfen. Aus ihr folge sein falscher Realismusbegriff. Brechts episches Theater konnte somit nicht als Sozialistischer Realismus gelten. Seine BemĂźhungen seien nichts anderes als der Versuch, im 20. Jahrhundert an den längst Ăźberholten Prinzipien eines Goethe, Schiller und Hegel stehenzubleiben.âcite-ref-71[71]
Trotz der Stellungnahme der SMAD setzte sich die Kontroverse fort, etwa in einer Diskussion zwischen Harich und Erpenbeck auf Einladung der Hochschulgruppe Berlin im Kulturbund.cite-ref-72[72] Eine wirkliche Abwendung von Brecht folgte nicht. Edgar Hein analysiert: âDie Auseinandersetzung mit Brecht war allerdings fĂźr die SED prekär. Der renommierte Autor war schlieĂlich ein Prestigegewinn fĂźr ihr System. Seine Theaterexperimente wurden dann trotz aller Vorbehalte nicht nur toleriert, sondern von Staats wegen gefĂśrdert. Bald bekam Brecht sogar sein eigenes Theater [âŚ].âcite-ref-73[73]
Laut John Fuegi soll Brecht Sympathien bei Wladimir Semjonowitsch Semjonow, dem politischen Berater der sowjetischen Militäradministration und späterem Botschafter der UdSSR in der DDR, und damit dessen UnterstĂźtzung genossen haben, der die Courage-AuffĂźhrung geschätzt habe. âNachdem Semjonow die AuffĂźhrung zweimal gesehen hatte, nahm er Brecht beiseite und sagte: âGenosse Brecht, Sie mĂźssen nach allem verlangen, was sie wollen. Offensichtlich haben Sie sehr wenig Geld.ââcite-ref-74[74] Fuegi vermutet, dass dieser Eindruck durch die bewusst sparsame Ausstattung entstanden sei. Fuegi bewertet die fortgesetzte Kritik Erpenbecks an Brecht als aggressive politische Attacke. Erpenbecks Unterstellung, Brecht sei auf dem âWeg in eine volksfremde Dekadenzâ, folge dem Stil der Moskauer Schauprozesse. âDenunziatorische Sprache genau dieser Art war in den dreiĂiger Jahren in der Sowjetunion einem Todesurteil gleichgekommen.âcite-ref-75[75] Fuegi hebt den Mut Wolfgang Harichs hervor, sich in dieser Situation voll hinter Brecht zu stellen.
Auch Eric Bentley, BrechtĂźbersetzer ins Englische und Vertreter Brechts in den USA, schildert Situationen und Prozesse, die den Druck auf die Kulturschaffenden in der SBZ und der DDR verdeutlichen. Helene Weigel habe die ersten Darsteller von Koch und Feldprediger â ohne Paul Bildt und Werner Hinz namentlich zu nennen â gefragt, warum sie in den Westen gegangen seien. Einer der Darsteller habe geantwortet, es sei wenig erfreulich zu beobachten, wie im Osten Leute â manchmal Kollegen â eines Tages verschwänden und man sie nicht mehr wiedersehe. Die Weigel habe geantwortet: âWo gehobelt wird, da fallen Späne.âcite-ref-76[76] Brecht selbst habe jedoch, anders als später seine Erben, weiter mit Bentley zusammengearbeitet, obwohl dieser seine Distanz zum Kommunismus sowjetischer Prägung nicht verborgen habe.
Bis Juli 1951 wird die Courage als Inszenierung des Deutschen Theaters aufgefßhrt, mit der Premiere am 11. September 1951 wechselt das Stßck in einer Neuinszenierung ins Repertoire des Berliner Ensembles.cite-ref-77[77] Das Berliner Ensemble fßhrt es bis zum April 1961 405-mal auf.cite-ref-78[78] Am 19. März 1954 bezieht das Berliner Ensemble nach langen Bemßhungen ein eigenes Haus, das Theater am Schiffbauerdamm.
Aber auch im Westen gelingt Brecht der Durchbruch. Gastspielerfolge mit der Courage-Inszenierung in Paris 1954 und London 1956 verhelfen dem Ensemble zu internationaler Anerkennung. Der franzĂśsische Theoretiker Roland Barthes spricht aufgrund des Gastspiels in Paris von einer ârĂŠvolution brechtienneâ, von einer ungeheuren Wirkung auf das franzĂśsische Theater.
âDas zentrale Anliegen von Mutter Courage ist die radikale Unproduktivität des Krieges, seine merkantilen Ursachen. Das Problem besteht keineswegs darin, wieder einmal die intellektuelle oder sentimentale Zustimmung des Zuschauers zu dieser Binsenweisheit zu erreichen; es besteht nicht darin, ihn genĂźĂlich in ein romantisch gefärbtes Leiden am Verhängnis zu fĂźhren, sondern, ganz im Gegenteil, darin, dieses Verhängnis aus dem Publikum heraus auf die BĂźhne zu tragen, es dort festzumachen und ihm die Distanz eines aufbereiteten Objekts zu verleihen, um es zu demystifizieren und endlich dem Publikum auszuliefern. In Mutter Courage ist das Verhängnis auf der BĂźhne, die Freiheit im Saal, und die Rolle der Dramaturgie besteht darin, eines vom anderen zu trennen. Mutter Courage ist in der Fatalität verhaftet, sie glaubt, der Krieg sei unvermeidlich, fĂźr ihr Geschäft, fĂźr ihr Leben notwendig, sie stellt ihn nicht einmal in Frage. Doch das wird vor und hingestellt und geschieht auĂerhalb von uns. Und in dem Moment, in dem uns dieser Abstand geschenkt wird, sehen wir, wissen wir, daĂ der Krieg kein Verhängnis ist: Wir wissen es nicht durch eine Wahrsagerei oder eine Demonstration, sondern durch eine tiefe, kĂśrperliche Evidenz, die aus der Konfrontation des Schauenden mit dem Angeschauten entsteht und in der die konstitutive Funktion des Theaters liegt.âcite-ref-79[79]
Bis heute wird die Mutter Courage international gespielt. 2008 gastierte Claus Peymann mit dem StĂźck in Teheran und wurde vom Publikum gefeiert.
âBrecht ist im Iran einer der beliebtesten deutschen Schriftsteller. Bei der Premiere von Peymanns Inszenierung seines StĂźcks âMutter Courage und ihre Kinderâ gab es in Teheran minutenlangen Beifall fĂźr das Berliner Ensemble.âcite-ref-80[80]
Das Couragemodell von 1949
Nach dem groĂen Erfolg der Berliner AuffĂźhrung lässt Brecht im FrĂźhjahr 1949 ein âModellbuchâ erstellen, das die Brecht-Engel-Inszenierung zum verbindlichen Muster fĂźr alle weiteren AuffĂźhrungen der Mutter Courage machen soll. Fotos von Ruth Berlau und Hainer Hill dokumentieren sehr umfangreich jedes Bild bis hin zu darstellerischen Details. Regieanmerkungen zu den einzelnen Szenen, wahrscheinlich erstellt vom Regieassistenten Heinz Kuckhahn, mit Korrekturen Brechts vervollständigen das Bild.cite-ref-81[81] Im Auftrag des Suhrkamp Verlages teilt Andreas Wolff den Städtischen BĂźhnen in Freiburg im Breisgau am 13. Juli 1949 mit:
âDer Autor hat ganz bestimmte Vorstelllungen von der Inszenierung seiner Werke und wĂźnscht keine individuelle Interpretation seitens der Regisseure. Als MusterauffĂźhrung gilt die AuffĂźhrung im Deutschen Theater Berlin, die unter Mitarbeit des Dichters entstanden ist. Es befindet sich eine besondere Regiepartitur in Vorbereitung. Solange diese nicht vorliegt, ist es der Wunsch von Herrn Brecht, daĂ Helene Weigel, die Darstellerin der Courage in Berlin, mĂśglichst zu Beginn der AuffĂźhrung an einem Abend gastiert und dabei einen Begriff von den Absichten vermittelt. Frau Weigel ist auch bereit, an den letzten Proben teilzunehmen und dabei mitzuarbeiten.âcite-ref-82[82]
Bis zum Oktober 1949 erteilt Brecht keine AuffĂźhrungsgenehmigung, wie Werner Hecht anmerkt, aus Misstrauen gegenĂźber den Regisseuren Hitlerdeutschlands, eine AuffĂźhrung in Dortmund, die sich nicht an das Modell hält, lässt er im Herbst 1949 kurz vor der Premiere verbieten.cite-ref-83[83] Brechts Skepsis wird verständlicher, wenn man berĂźcksichtigt, dass der Dortmunder Schauspieldirektor Peter Hoenselelaers war, frĂźher strammer Nationalsozialist und âGeneralintendantâ des Dortmunder Theaters 1937â1944.cite-ref-84[84]
Als erstes Theater inszenieren die Wuppertaler BĂźhnen die Mutter Courage nach dem Modellbuch. Der Wuppertaler Intendant Erich-Alexander Winds erhält im Sommer Fotos und hektografierte Regieanweisungen und die Empfehlung, sich von Brechts Mitarbeiterin Ruth Berlau instruieren zu lassen. Schon während der Proben im September 1949 kommt es zu heftiger Pressekritik an dem Modellverfahren. So titelt etwa die Kritik in der Rheinischen Post DĂźsseldorf vom 16. September 1949: âAutor befiehl â wir folgen! Lebendige Theaterorgane im Dienst der Schablone.âcite-ref-85[85] Die Premiere findet am 1. Oktober statt.cite-ref-86[86]
Im Herbst 1950 erprobt Brecht selbst das Modellbuch mit einer Inszenierung an den MĂźnchner Kammerspielen, deren Intendant 1945 bis 1947 Erich Engel war. Dabei entwickelt er das Modell weiter und nimmt Ănderungen und Weiterentwicklungen in die Dokumentation auf. Brecht âinszenierte die âCourageâ in MĂźnchen nach seinem Berliner Modell. Er prĂźfte die Bilder des Modellbuchs nach, wenn es sich um Gruppierungen und vor allem um Abstände handelte. Er suchte nach dem Bildhaften und SchĂśnen, jedoch niemals seinem eigenen Modell sklavisch folgend. Er lieĂ die neue AuffĂźhrung locker entstehen: vielleicht lag da eine neue LĂśsung; doch die neue LĂśsung muĂte mindestens auf der HĂśhe der alten, schon geprobten Modell-LĂśsung kommen.âcite-ref-87[87] Therese Giehse spielt die Hauptrolle, Premiere ist am 8. Oktober 1950.
Teile des Couragemodells werden 1952 in einem Sammelband zur Arbeit des Berliner Ensembles in der DDR verÜffentlicht.cite-ref-88[88] Der Teil zum Couragemodell wird in der Folgezeit, ergänzt um eine Fotosammlung, an Theater verschickt, die eine Auffßhrung planen. Etwa seit 1954 rßckt Brecht von der Modellverpflichtung ab, verpflichtet lediglich noch die auffßhrenden Theater zum Ankauf des Materials.cite-ref-89[89] Mit Ruth Berlau und Peter Palitzsch erarbeitet Brecht 1955/56 eine Fassung des Modellbuchs fßr die Publikation im Henschelverlag. Er wählt Fotos und Notate zu den Auffßhrungen aus und ßberarbeitet sie. Das Buch erscheint erst postum 1958.cite-ref-90[90]
Von drei Kindern Bertolt Brechts hatte ab 2010 Barbara Brecht-Schall bis zu ihrem Tod 2015 die Rechte an Brechts Nachlass, ihre Geschwister waren bereits verstorben. Die Welt schreibt: âNach eigenem Bekunden liegt ihr an der Werktreue und Einhaltung der Tendenz der StĂźcke, Einfluss auf die kĂźnstlerische Gestaltung der Inszenierungen nimmt sie nicht.âcite-ref-91[91] Andere Medien sehen dies kritischer: Wenn Brecht-Schall auf Inszenierungen Einfluss nahm, regte sich heftiger Protest gegen den Einfluss der Brecht-Erbin. âHelene Weigel wurde von der virtuellen Brecht-Gesamtfamilie als Leittier anerkannt und respektiert. Gegen die Inszenierungsvorgaben des Meisters und der groĂen Witwe muckte keiner auf. Brecht-Sohn Stefan, der von New York aus den angelsächsischen Markt betreut, war auĂen vor. Als aber Barbara die Heimatfront Ăźbernahm, begann das Kesseltreiben.âcite-ref-92[92] Bereits 1971 drängte die SED-Parteileitung sie dazu, die von ihr verwahrten Manuskripte herauszugeben und dem Staat zu Ăźbereignen. Sie hatte Mut und verweigerte das.cite-ref-93[93] Aber auch im Westen gab es einigen Druck auf die Brecht-Tochter: âBarbara Schall wurde als âDreigroschenerbinâ vor allem von Linksintellektuellen in den Schmutz gezogen. 1981 rief Zeit-Kritiker Benjamin Henrichs âEnterbt die Erbenâ und konnte gleich die Theatermacher Peymann, Flimm und Steckel zitieren, die das gleiche wollten, und alles natĂźrlich, wie schon Kurt Hager, im Interesse des âVolkesâ.âcite-ref-94[94] Erst 2026, 70 Jahre nach Brechts Tod, verfallen die Rechte an den StĂźcken.
Kalter Krieg â Boykott und BlockadebrecherauffĂźhrung im Wiener Volkstheater
Im Kalten Krieg wurden Brechts StĂźcke zwischen 1953 und 1963 in Wien auf Initiative der Theaterkritiker Hans Weigel und Friedrich Torberg sowie des Burgtheaterdirektors Ernst Haeussermann als kommunistische Propaganda boykottiert. Eine AuffĂźhrung von Brechts Mutter Courage im Opernhaus Graz am 30. Mai 1958 wurde zum Anlass fĂźr eine Publikation von dreizehn Brecht-Kritikern unter dem Titel âSoll man Brecht im Westen spielen?â
Am Ende des Ăźber zehnjährigen Brecht-Boykotts in Wien fĂźhrte das Wiener Volkstheater das StĂźck in einer âBlockadebrecherâ-Premiere am 23. Februar 1963 unter der Regie von Gustav Manker mit Dorothea Neff (die fĂźr ihre Darstellung mit der Kainz-Medaille ausgezeichnet wurde) in der Titelrolle, Ulrich Wildgruber als Schweizerkas, Paola Loew als stumme Kattrin, Hilde Sochor als Yvette, Fritz Muliar als Koch, Ernst Meister als Feldprediger und Kurt Sowinetz als Werber auf.cite-ref-95[95] Die AuffĂźhrung war zuvor mehrfach verschoben worden, zuletzt wegen des Mauerbaus in Berlin.cite-ref-96[96]
Auch in der Bundesrepublik kam es im Kalten Krieg mehrfach zum Boykott von BrechtstĂźcken an Theatern. Stephan Buchloh nennt drei politische Anlässe, die dazu fĂźhrten, dass Theater ohne staatlichen Zwang BrechtstĂźcke absetzten oder vom Spielplan nahmen: ânach dem vom Militär niedergeworfenen Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953, nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstands durch sowjetische Truppen im Herbst 1956 und nach dem Mauerbau am 13. August 1961.âcite-ref-97[97] Von den wenigen MaĂnahmen staatlicher Stellen gegen BrechtauffĂźhrungen war in einem Fall die Mutter Courage betroffen. âAm 10. Januar 1962 verbot der OberbĂźrgermeister von Baden-Baden, Ernst Schlapper (CDU), eine AuffĂźhrung dieses Werkes von Bertolt Brecht. Das Baden-Badener Theater hatte das StĂźck unter der Regie von Eberhard Johows ursprĂźnglich am 28. Januar des Jahres herausbringen wollen.âcite-ref-98[98]
Dabei ging die Dienstanweisung formell nicht vom Amt des OberbĂźrgermeisters aus, sondern von der Bäder- und Kurverwaltung, die das Theater betrieb, und der der OberbĂźrgermeister vorstand. FĂźr die CDU begrĂźndete Stadträtin von Glasenapp im Gemeinderat das Verbot mit der Solidaritätsadresse Brechts an die SED und Walter Ulbricht nach dem 17. Juni 1953. Dabei wurde ausdrĂźcklich bestritten, dass es um die kĂźnstlerische Qualität des Dramas gehe.cite-ref-99[99] Ein Bundesverfassungsrichter und mehrere in Baden-Baden lebende Schriftsteller protestierten gegen das Verbot. Das Städtische Theater StraĂburg sowie die Theater in Colmar und MĂźlhausen luden daraufhin die Baden-Badener ein, die Courage als Gastspiel dort zu inszenieren, worauf Schlapper sein Verbot am 1. Februar 1962 entsprechend erweiterte. Am 5. Februar nahm Schlapper das Verbot fĂźr Gastspiele im Ausland zurĂźck, sodass am 20. März die Premiere in StraĂburg stattfinden konnte.cite-ref-100[100] Später durfte die Courage auch in Baden-Baden gezeigt werden, nachdem der Suhrkampverlag mit Regressforderungen wegen Vertragsbruch fĂźr die vereinbarte AuffĂźhrung gedroht hatte.
Vertonungen
â
Hauptartikel
:
Mutter Courage und ihre Kinder (Vertonung)
Fast alle Songs des StĂźcks lagen bereits in vertonten Fassungen verschiedener Komponisten aus verschiedenen Kontexten vor. FĂźr die âMutter Courageâ mussten die Texte weiterentwickelt und ein neues musikalisches Gesamtkonzept entwickelt werden. 1940 schuf der finnische Komponist Simon Parmet eine erste Fassung, die als verschollen gilt. Paul Burkhard komponierte die Musik fĂźr die ZĂźrcher ErstauffĂźhrung und dirigierte selbst. 1946 erarbeitete Paul Dessau in Zusammenarbeit mit Brecht eine dritte Komposition fĂźr das StĂźck. Der Klang sollte den Eindruck vermitteln, âals hĂśrte man altbekannte Weisen in neuer Form âŚâ.cite-ref-dessau122-101-0[101] Dessaus Musik war in der DDR von Anfang an umstritten, aber Brecht hielt konsequent an Dessaus AuffĂźhrungsrechten an der Mutter Courage fest, auch bei jeder Produktion im Westen.
Verfilmungen
â
Hauptartikel
:
Mutter Courage und ihre Kinder (Verfilmung)
Schon frĂźh sucht Brecht nach MĂśglichkeiten, wie er sein Konzept des epischen Theaters auf den Film Ăźbertragen kann.cite-ref-102[102] Es entstehen verschiedene DrehbĂźcher und technische Ideen. Erste EntwĂźrfe kommen dem BedĂźrfnis der DDR-Kulturpolitik nach positiven Helden entgegen.cite-ref-103[103] Ein junger MĂźller entwickelt Perspektiven, am Ende des Films soll ein Bauernaufstand gezeigt werden.
1950 wird Emil Burri neuer Drehbuchautor, Wolfgang Staudte soll Regie fĂźhren. Bis zum Mai 1954 kommt es zu immer neuen Konflikten, dann wird ein Vertrag abgeschlossen. Neben Helene Weigel in der Rolle der Mutter werden die franzĂśsischen Stars Simone Signoret und Bernard Blier engagiert.cite-ref-spiegel1960-49-104-0[104] 1955 begannen die Dreharbeiten. Schnell kommt es zu Konflikten zwischen Erfolgsregisseur Staudte und Brecht. Trotz persĂśnlicher Intervention von SED-Chef Walter Ulbricht hielt Brecht an seinem Standpunkt fest, dass der Film der Berliner Inszenierung stilistisch folgen sollte. Das Projekt scheiterte, nachdem bereits einige Teile des Films gedreht worden waren.
Am 10. Oktober 1957 sendet der Deutsche Fernsehfunk (DFF) eine DirektĂźbertragung der Modellinszenierung von Brecht und Erich Engel aus dem Berliner Ensemble. Die Bildregie der 175 Minuten langen Ăbertragung hat Peter Hagen.
Erst 1959 nach Brechts Tod realisierten Manfred Wekwerth und Peter Palitzsch den DEFA-Film als Dokumentation der Theaterinszenierung. Sie setzten verschiedene Techniken ein, um brechtsche Verfremdungseffekte filmisch umzusetzen: hartes Licht, chemische Veränderung des Films, Blenden, ruhige Kamera, Einblendungen von Bildern und Kommentaren, Doppelszenen, sparsame Ausstattung.cite-ref-jlang4-105-0[105]
Am 10. Februar 1961 startete der Film in 15 Kinos der DDR und verschwand dann schnell in den Vorstadtkinos. Ob das durch mangelnden Erfolg oder politisch begrĂźndet war, ist umstritten.cite-ref-jlang4-105-1[105] Die offizielle DDR-Presse lobte moderat.
Analyse
Historiendrama aus der Sicht der âkleinen Leuteâ
Der Untertitel des Dramas âEine Chronik aus dem DreiĂigjährigen Kriegâ erinnert an klassische Stoffe, etwa die KĂśnigsdramen Shakespeares oder Schillers âWallensteinâ. Brecht wechselt die Perspektive und schildert die Ereignisse aus der Sicht der kleinen Leute. Jan Knopf beginnt seine Analyse des Dramas mit diesem Wechsel des Standpunkts von den Tätern zu den Opfern:
âDie klassische Historie der Tradition, die unter HeerfĂźhrern, FĂźrsten, KĂśnigen (und ihren Damen) spielt, wendet Brecht zur Darstellung der Schicksale von âkleinen Leutenâ um: die Geschichte und ihre Zeit wird nicht mehr an den welthistorischen Individuen gemessen, es sind die Massen, die die historischen Daten setzen.âcite-ref-106[106]
Der âplebejische Blickâ des Dramas mache die kleinen Leute jedoch noch nicht zu Akteuren der Geschichte. Sie blieben âOpfer der groĂen Geschichteâ, âlediglich reagierendâ.cite-ref-107[107] Es ändert sich die Interpretation der Ereignisse, aber die Courage ist nicht in der Lage, die Situation gestaltend zu verändern. Dennoch erĂśffnet die neue Perspektive MĂśglichkeiten einer Veränderung. Die Interpretation des DreiĂigjährigen Krieges als groĂer Glaubenskrieg wird entlarvt â so Jan Knopf â als âpropagandistische Phraseâ:cite-ref-knopf186-108-0[108]
âBrecht zeigt, daĂ die Gegensätze innerhalb der Staaten, der Parteiungen liegen, daĂ die, die unten sind, alle Lasten und Folgen der äuĂeren Auseinandersetzungen tragen: so daĂ fĂźr sie Siege und Niederlagen immer nur Opfer bedeuten. [âŚ] Der DreiĂigjährige Krieg ist bei Brecht nicht der Glaubenskrieg: er ist BĂźrgerkrieg [âŚ]âcite-ref-knopf186-108-1[108]
Ingo Breuer weist darauf hin, dass schon Friedrich Schiller in seiner Geschichte des DreiĂigjährigen Krieges die Herrenperspektive kritisiert hat:
âDie Regenten kämpften zu ihrer Selbstverteidigung oder VergrĂśĂerung; der Religionsenthusiasmus warb ihnen die Armeen und Ăśffnete ihnen die Schätze ihres Volks. Der groĂe Haufe, wo ihn nicht Hoffnung der Beute unter ihre Fahnen lockte, glaubte fĂźr die Wahrheit sein Blut zu vergieĂen, indem er es zum Vorteil seines FĂźrsten verspritzte.âcite-ref-109[109]
Brechts Drama thematisiert die Kritik an der Geschichtsschreibung aus Herrschaftsperspektive etwa am Beispiel des Todes von Tilly, des HeerfĂźhrers der Katholischen Liga im DreiĂigjährigen Krieg.
Der Feldprediger: âJetzt begraben sie den Feldhauptmann. Das ist ein historischer Augenblick.â
Mutter Courage: âMir ist ein historischer Augenblick, daĂ sie meiner Tochter Ăźbers Aug geschlagen haben. Die ist schon halb kaputt, einen Mann kriegt sie nicht mehr [âŚ] Den Schweizerkas seh ich nicht mehr, und wo der Eilif ist, das weiĂ Gott. Der Krieg soll verflucht sein.âcite-ref-110[110]
Die Courage widerruft diesen kurzen Moment der Erkenntnis sofort durch ihr Tun auf der BĂźhne. Gleichzeitig mit ihrem einzigen Fluch auf den Krieg inspiziert sie die neuen Waren, bei deren Verteidigung Kattrin sich die Verletzung eingehandelt hat und deren Wert vom Fortgang des Krieges abhängt.cite-ref-111[111] Direkt im Anschluss, am Anfang der 7. Szene, besingt sie den Krieg âals guten Brotgeberâ.cite-ref-112[112]
Was bleibt ist die ernĂźchternde Sicht auf die groĂe Geschichte. Ingo Breuer kommentiert diesen so: âDiese Aussage ändert nichts am Verhalten der Courage, doch deutet sie auf die Historiografie zum DreiĂigjährigen Krieg voraus: Der Tod des Feldhauptmanns Tilly ist als ein Wendepunkt des DreiĂigjährigen Krieges in die GeschichtsbĂźcher eingegangen, kaum jedoch das Leiden der einfachen Leute [âŚ]âcite-ref-breuer111-23-1[23]
Aus der Perspektive der kleinen Leute kritisiert Brecht aber nicht nur das Konzept einer Geschichtsschreibung, die Herrscher, Schlachten und andere GroĂereignisse in den Vordergrund stellt. Das Drama demonstriert auch die brutale RĂźcksichtslosigkeit des Krieges, vor allem am Schicksal und den Taten der Kinder der Courage. Kattrin verliert ihre Stimme beim Ăberfall von Soldaten, die sie als kleines Mädchen folterten, stetig droht ihr Vergewaltigung, sie wird später Ăźberfallen und entstellt und schlieĂlich fĂźr eine selbstlose Tat erschossen. Schweizerkas wird gefoltert und hingerichtet. Eilif ist in diesem grausamen Umfeld Täter und Opfer zugleich. Er beraubt und mordet Bauern, zuerst als Kriegsheld und in einem Moment des Friedens mit den gleichen Taten als Krimineller. Er wird zur Rechenschaft gezogen, nicht sein Feldhauptmann. Während des gesamten StĂźcks ist die Familie bedroht durch Kampfhandlungen, Ăberfälle und Hunger und trotz der Bereitschaft zu RĂźcksichtslosigkeit, BetrĂźgereien und der Gewitztheit der Courage verelenden sie zusehends und Ăźberleben nicht.cite-ref-113[113]
Aber auch auĂerhalb der Familie zeigt das Drama die wachsende VerwĂźstung durch den anhaltenden Krieg. Im Titularium zur 9. Szene heiĂt es, dass bereits die Hälfte der Einwohner Deutschlands ausgelĂśscht sei. Immer drastischer werden ZerstĂśrung und Hoffnungslosigkeit. Ăberall herrscht Hunger.
Mutter Courage: âIm Pommerschen solln die DĂśrfler schon die jĂźngern Kinder aufgegessen haben, und Nonnen haben sie bei RaubĂźberfäll erwischt.âcite-ref-114[114]
âDies ist die Geschichte des Krieges, wie sie âMutter Courage und ihre Kinderâ erzählt. Es ist eine Geschichte der Grausamkeit, Barbarei und Unfreiheit, von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, begangen mit dem Ziel, dass ein Herrscher einem anderen etwas nehmen kann. Es ist die Geschichte, die Hobbes in seiner klassischen Beschreibung des Kriegs erzählt, wo kein Nutzen aus menschlicher Anstrengung entsteht, aber alle in ständiger Angst und Gefahr eines gewaltsamen Todes leben, und das Leben des Menschen einsam, arm, schmutzig, brutal und kurz ist.âcite-ref-115[115]
Die Bemerkungen der Courage zur gegensätzlichen Perspektive von Herren und Knechten auf die Ereignisse sind provozierend. Brecht weist in seinem Couragemodell darauf hin, dass der Regimentsschreiber ihre ĂuĂerungen genau registriert, um sie eventuell zu belangen.cite-ref-brecht49-214-116-0[116] Sie versteckt ihre provozierenden Ansichten deshalb hinter ironischem Lob:
Mutter Courage: âMir tut so ein Feldhauptmann oder Kaiser leid, er hat sich vielleicht gedacht, er tut was Ăźbriges und was, wovon die Leute reden, noch in kĂźnftigen Zeiten, und kriegt ein Standbild, zum Beispiel erobert die Welt, das ist ein groĂes Ziel fĂźr einen Feldhauptmann, er weiĂ es nicht besser. Kurz, er rackert sich ab, und dann scheiterts am gemeinen Volk, was vielleicht ein Krug Bier will und ein bissel Gesellschaft, nix HĂśheres.âcite-ref-mutter-courage-6-szene-s-54-117-0[117]
Die Berliner Inszenierung hob die Wirkung der ironisch-subversiven Rede der Courage zum Tode Tillys hervor, indem sie den spitzelnden Schreiber aufstehen lässt, um die Courage genauer zu beobachten. âEr setzt sich enttäuscht nieder, wenn die Courage so geredet hat, daĂ ihr nichts nachzuweisen ist.âcite-ref-brecht49-214-116-1[116]
Barocker Topos âverkehrte Weltâ
Gleich zu Beginn des StĂźcks lässt Brecht den Feldwebel sagen: âFrieden, das ist nur Schlamperei, erst der Krieg schafft Ordnung.âcite-ref-118[118] Brecht knĂźpft hier an den barocken Topos der verkehrten Welt an, wie er sich unter anderem bei Grimmelshausen findet. Ingo Breuer weist darauf hin, dass es sich bei Grimmelshausen âum das epochentypische Mittel der Inversion, also eher um einen Blick ânach untenââcite-ref-119[119] handele und stellt provozierend die Frage, ob diese Diagnose nicht auch fĂźr Brecht gelte.
Die Umkehr aller Werte und Normen durch den Krieg erscheint im StĂźck an verschiedenen Stellen. In der zweiten Szene wird Eilif vom Feldhauptmann mit einer âgoldenen Armspangâcite-ref-120[120] ausgezeichnet, weil er eine Ăberzahl Bauern Ăźberlistet, niedergehauen und ihnen 20 Ochsen gestohlen hat. Als er in einer kurzen Friedensperiode einen Bauern ausraubt und dessen Frau tĂśtet, wird er zum Tode verurteilt und hingerichtet. Eilif bleibt diese Verkehrung der Regeln unverständlich.
Eilif: âIch hab nix andres gemacht als vorher auch.â
Der Koch: âAber im Frieden.â [âŚ]
Der Feldprediger: âIm Krieg haben sie ihn dafĂźr geehrt, zur Rechten vom Feldhauptmann ist er gesessen.âcite-ref-121[121]
Die verkehrte Welt des Kriegs verleitet auch die Figuren zu vielsagenden sprachlichen Fehlleistungen. So entsetzt sich die Courage in der 8. Szene, âdaĂ Friede ausgebrochenâcite-ref-123[123] sei. Indem die Courage ein Wort in einer Redewendung unbeabsichtigt durch das Gegenteil ersetzt, macht sie deutlich, was sie vom Frieden tatsächlich hält â er ist fĂźr sie nichts anderes als ein geschäftsschädigendes Elementarereignis, ein Unheilsbringer wie fĂźr andere Menschen der Krieg: âSie treffen mich im UnglĂźck. Ich bin ruiniert.â (Szene 8)
Auch positive Eigenschaften wie Mut, Klugheit, Treue, Einsatzfreude oder Mitleid bekommen im Krieg einen vĂśllig neuen Stellenwert. Das, was einem im Frieden weiterhilft, versagt in Kriegszeiten vĂśllig. Auf die Tugenden ist kein Verlass mehr. Brecht verglich dieses Phänomen mit den Feldern der neuen Physik, in denen die KĂśrper merkwĂźrdige Abweichungen erfahren: Genauso wirkt der Krieg auf die Tugenden, die sich plĂśtzlich nicht mehr berechnend einsetzen lassen. Die Tugenden der kleinen Leute sind nur dazu da, um die Versäumnisse der GroĂen wieder wettzumachen:
Mutter Courage: âIn einem guten Land brauchts keine Tugenden, alle kĂśnnen ganz gewĂśhnlich sein, mittelgescheit und meinetwegen Feiglinge.â (Szene 2)cite-ref-124[124]
Das entspricht vĂśllig dem Lebensgrundsatz der Courage: unauffällig bleiben, sich aus allem heraushalten â und dadurch Ăźberleben. Ihre Skepsis in Sachen Tugend ist berechtigt, denn der weitere Verlauf der Handlung zeigt, dass die positiven Charakterseiten ihrer Kinder allesamt deren Untergang bewirken: âSchuld sind die, wo Krieg anstiften, sie kehren das Unterste zuoberst in die Menschenâ,cite-ref-125[125] sagt der Feldprediger an einer Stelle (Szene 6). Die Frage ist, ob er es sich damit etwas zu leicht macht, indem er die Mitschuld der kleinen Leute am allgemeinen Chaos von vornherein ausklammert.
Glauben und Glaubenskrieg
Eine StoĂrichtung des StĂźcks ist die Kritik an der Religion, die Entlarvung der materiellen und der Machtinteresse hinter der Fassade des Glaubenskrieges. Diese Kritik wird zum Teil vermittelt durch die widersprĂźchliche Figur des Feldpredigers, aber auch durch die subversiven Reden der Courage und des Kochs. Ein Thema ist dabei die scheinheilige Rede der Kirchenvertreter vom Verzicht auf materielle und erotische WĂźnsche. Diese wird entlarvt z. B. durch das sexuelle Interesse des Feldpredigers an Kattrin und an der Courage und seine Gier nach gutem Essen und Trinken. Seine Kritik an der Courage, dass sie vom Kriege lebe, enthält einen doppelten Widerspruch. Zunächst ist er als Feldprediger am Anfang des StĂźckes Kostgänger der Militärs, später lebt er selbst von den Kriegsgewinnen der Courage.cite-ref-126[126]
Kritik an den kriegerischen âWertenâ
Begriffe wie âEhreâ, âHeldentumâ und âTreueâ, vor allem in der von der NS-Diktatur geprägten Form, sind fĂźr Brecht Antitugenden.
Fowler zeigt an Goebbels-Zitaten die groĂe Bedeutung des Ehrbegriffs fĂźr die NS-Ideologie auf: âVor den Geldfragen aber steht fĂźr uns Nationalsozialisten die Ehre.âcite-ref-127[127] und weist nach, dass der Begriff fĂźr Brecht quer durch sein Werk negativ konnotiert ist.cite-ref-128[128] Im Drama Mutter Courage erscheine der Ehrbegriff zunächst als Forderung an die vom Werber ĂźbertĂślpelten Bauern, sich in ihr Schicksal zu fĂźgen.cite-ref-129[129] In Szene 3 zeige die Courage die Wertlosigkeit des Ehrbegriffs fĂźr die kleinen Leute:
Mutter Courage: âEs gibt sogar Fälle, wo die Niederlage fĂźr die Untern eigentlich ein Gewinn ist fĂźr sie. Die Ehr ist verloren, aber nix sonst.âcite-ref-130[130]
Auch Kattrins Reaktion auf das Offiziersehrenwort des Fähnrichs, die Courage zu verschonen, wenn sie aufhĂśre zu trommeln, zeige, dass sie die Wertlosigkeit des Ehrbegriffs im Krieg durchschaut hat: Sie âtrommelt stärkerâ.cite-ref-131[131]
Eine andere Kriegstugend, die das Drama aufs Korn nimmt, ist das Heldentum. âUnglĂźcklich das Land, das Helden brauchtâ, lässt Brecht Galileo auf den Vorwurf der Feigheit vor dem Inquisitionsgericht antworten.cite-ref-132[132] Im gleichen Sinne argumentiert die Courage: Wer mutige Soldaten brauche, sei ein schlechter Feldhauptmann.
Mutter Courage: âWenn er einen guten Feldzugsplan machen kĂśnnt, wozu bräucht er da so mutige Soldaten? [âŚ] wenn ein Feldhauptmann oder KĂśnig recht dumm ist und er fĂźhrt seine Leut in die ScheiĂgass, dann brauchts Todesmut bei den Leuten, auch eine Tugend. [âŚ] In einem guten Land brauchts keine Tugenden, alle kĂśnnen ganz gewĂśhnlich sein, mittelgescheit und meinetwegen Feiglinge.âcite-ref-133[133]
Das âLied vom Weib und dem Soldatenâ und Eilifs Schicksal zeigen die Folge des Heldentums fĂźr den Soldaten: Es bewirkt seinen Tod.cite-ref-134[134] Auch den âHeldentodâ Tillys in der Schlacht ironisiert die Courage als bloĂen Unfall.
Mutter Courage: âEs war Nebel auf der Wiesen, der war schuld. Der Feldhauptmann hat noch einem Regiment zugerufen, sie solln todesmutig kämpfen, und ist zurĂźckgeritten, in dem Nebel hat er sich aber in der Richtung geirrt, so daĂ er nach vorn war und er mitten in der Schlacht eine Kugel erwischt hat.âcite-ref-135[135]
Der Name der Hauptfigur selbst verweist auf Mut, aber schon in der ersten Szene weist die Courage darauf hin, dass sie stets aus nĂźchternen Geldinteressen gehandelt habe, nie aus Heldentum.
Die Figur der Mutter Courage
â
Hauptartikel
:
Mutter Courage und ihre Kinder (Figurenanalyse)
Die Komplexität der Couragefigur
John Fuegi zeigt am Beispiel der Proben zum Kaukasischen Kreidekreis, dass Brecht systematisch die WidersprĂźche seiner Figuren betont habe. Wenn in einer Probe die Selbstlosigkeit der Magd Grusche herausgearbeitet worden sei, habe bei der Fortsetzung ein negativer Aspekt ihrer PersĂśnlichkeit im Mittelpunkt des Interesses gestanden, immer mit dem Ziel der âAnlage einer vielschichtigen Personâ. Der Weg dazu sei nach Brecht âdie bewuĂte Anwendung des Widerspruchs.âcite-ref-136[136] In diesem Sinne interpretiert Kenneth R. Fowler die WidersprĂźchlichkeit als Wesensmerkmal der Couragefigur und weist einseitige Deutungen der Courage als Mutter oder skrupellose Händlerin zurĂźck.cite-ref-137[137] Sie verdiene beide Kennzeichnungen, die als âHyäne des Schlachtfeldsâ und die als mĂźtterliche Figur.
Brecht selbst betont in Kommentaren die negativen Seiten der Couragefigur. âDie Courage lernt nichtsâ, Ăźberschreibt Brecht ein Typoskript, das er 1953 zu einer AuffĂźhrung der Courage in Kopenhagen verfasst.cite-ref-138[138] Denn Lernen bedeutet, sein Verhalten zu ändern â und gerade das tut die Courage nicht. Sie glaubt zu Beginn des StĂźcks, dass ihr der Krieg Profit bringen wird, und sie glaubt es auch am Ende des StĂźcks, als ihre drei Kinder bereits tot sind.
Um eine analytische Sicht auf die Courage zu ermĂśglichen, legt Brecht grĂśĂten Wert darauf, die Anteilnahme der Zuschauer mit den Mitteln des epischen Theaters zu zerstĂśren. Irritiert von der Aufnahme der ZĂźrcher UrauffĂźhrung als âNiobe-TragĂśdieâ, als tragisches Schicksal der leidenden Mutter, verstärkt er den bitteren Humor und die RĂźcksichtslosigkeit der Mutter Courage durch Textveränderungen und Inszenierung. Dennoch âsympathisiertâ das Publikum weiter mit der Courage. Es sieht in ihr die leidende Mutter und das tragische Scheitern all ihrer BemĂźhungen.
Ingo Breuer sieht in ihren subversiven Reden und ihrem Sprachstil den kritischen Blick der kleinen Leute, wie ihn Jaroslav HaĹĄek in seiner Figur des braven Soldaten Schwejk beschrieben hat. Schwejk macht Autoritäten lächerlich mit einer absurd-Ăźbertriebenen âPflichterfĂźllungâ und scheinbar naiven, satirischen Reden, die die Ideale des Krieges und die Unvernunft seiner BefĂźrworter zur Zielscheibe haben. Ebenso agiert die Courage, wenn sie sich mit einem Konglomerat sinnloser Papiere auszuweisen versucht oder den Begriff der soldatischen Tugend analysiert. Zum Teil erzeugt gerade die Perspektive der Händlerin, der Geschäftemacherin die nĂźchterne Sicht der Courage. Sie erkennt etwas, das räumt auch Brecht ein, nämlich âdas rein merkantile Wesen des Kriegesâ.cite-ref-139[139] Dass sie gerade in dieser nĂźchternen Sicht die Gefahr nicht erkennt, die ihr und ihren Kindern droht, ist ihr Verhängnis.
Die subversiven ĂuĂerungen der Courage richten sich regelmäĂig gegen Autoritäten, âgegen die Herrscher und ihre Agenten in Militär und Klerus, auf der symbolischen Ebene gegen Patriarchat und Kapitalismus.âcite-ref-140[140] Ein typisches Beispiel im Drama ist die Ironisierung der Ziele der âgroĂen Männerâ und ihre Abhängigkeit von den kleinen Leuten. Typische Diskurstaktik ist dabei die Konfrontation der âgroĂen Zieleâ mit den sinnlichen BedĂźrfnissen des Volks sowie die ironische Abwertung der Ziele.cite-ref-141[141]
Mutter Courage: âMir tut so ein Feldhauptmann oder Kaiser leid, er hat sich vielleicht gedacht, er tut was Ăźbriges und was, wovon die Leute reden, noch in kĂźnftigen Zeiten, und kriegt ein Standbild, zum Beispiel er erobert die Welt, das ist ein groĂes Ziel fĂźr einen Feldhauptmann, er weiĂ es nicht besser. Kurz, er rackert sich ab, und dann scheiterts am gemeinen Volk, was vielleicht ein Krug Bier will und ein bissel Gesellschaft, nix HĂśheres. Die schĂśnsten Plän sind schon zuschanden geworden durch die Kleinlichkeit von denen, wo sie ausfĂźhren sollten, denn die Kaiser selber kĂśnnen ja nix machen, sie sind angewiesen auf die UnterstĂźtzung von ihre Soldaten und dem Volk, wo sie grad sind, hab ich recht?âcite-ref-mutter-courage-6-szene-s-54-117-1[117]
Die feministische Perspektive
Sarah Bryant-Bertail sieht in der Courage eine der brechtschen Frauenfiguren, die auf unsicheren Beinen endlos durch die sozialen Schichten ihrer Gesellschaft reisen â oft im Wortsinne laufen â und die in einem tiefen Sinne exiliert sind. Aus dieser Sicht zeigten sich die sozialen Probleme besonders deutlich. Die Courage sei insofern didaktisches Objekt.cite-ref-142[142] Brecht stelle den Weg der Courage vom verfĂźhrten und verlassenen Mädchen zur immer kälteren Geschäftsfrau als Weg Ăźber die BĂźhne dar, zusätzlich symbolisiert durch den Wagen.cite-ref-143[143]
Die Entwicklung der Courage dokumentiere sich zudem in kleinen, sorgfältig geplanten Details und Gesten, etwa wenn sie prĂźfend in eine MĂźnze beiĂt.cite-ref-144[144] Auch andere Requisiten repräsentierten zeichenhaft die verschiedenen Frauenrollen und ihre Ăbergänge, etwa die roten StĂśckelschuhe der Lagerhure, die auch Kattrin anprobiert.cite-ref-145[145]
Fowler sieht im Protest gegen das patriarchalische Prinzip einen Wesenszug der Mutter Courage. Schon die Namen ihrer Kinder seien von der Mutter und ihren Liebschaften bestimmt, nicht von den leiblichen Vätern.cite-ref-146[146] Sie demonstriere sexuelle Selbstbestimmung und fordere klar und deutlich die Freiheit, ßber ihren KÜrper zu verfßgen. Selbstbewusst sucht sie sich ihre Liebhaber aus.
Der Feldwebel: âWillst Du mich auf den Arm nehmen?â [âŚ]
Mutter Courage: âReden Sie anständig mit mir und erzählen Sie nicht meinen halbwĂźchsigen Kindern, daĂ ich Sie auf den Arm nehmen will, das gehĂśrt sich nicht, ich hab nix mit Ihnen.âcite-ref-bbrecht2-147-0[147]
Die Courage als skrupellose Händlerin
âDer Krieg ist nix als die Geschäfteâcite-ref-148[148] lautet das Motto der Courage in der 7. Szene und sie will zu den Siegern gehĂśren. Fowler hält daher das Verbrechen der Courage, ihre Geschäftemacherei mit dem Krieg, fĂźr offensichtlich und kann sich dabei auf die Deutung Brechts stĂźtzen. Die Figur sei gezeichnet als Partnerin von Krieg und Tod und damit als kriminell.cite-ref-149[149] Fowler stellt heraus, dass sie ihren Beitrag zur Kriegsmaschinerie bewusst leiste, freiwillig, hartnäckig und uneinsichtig (âdeliberate, persistent, and unrepentantâcite-ref-150[150]). Sie handle so, obwohl sie die Kriegspropaganda durchschaue, also nicht als unschuldiges Opfer, nicht zufällig oder schicksalhaft. Sie kenne auch den Preis, den ihr Verhalten fordere: den Tod ihrer Kinder.cite-ref-151[151] Zudem habe die Courage die Teilnahme am Krieg bewusst gewählt:
Feldwebel: âDu bist aus Bamberg in Bayern, wie kommst du hierher?â
Mutter Courage: âIch kann nicht warten, bis der Krieg gefälligst nach Bamberg kommt.âcite-ref-152[152]
Fowler hält Unmenschlichkeit fĂźr einen integralen Bestandteil von Mutter Courages Handel.cite-ref-153[153] Ihre Geschäfte beruhten auf dem Grundsatz, dass Vorteile fĂźr sie und ihre Kinder nur durch Nachteile fĂźr andere zu erreichen seien. Die Courage kennt kein Mitleid, nicht mit den Bauersleuten, die Eilif ausraubt, nicht mit den Verwundeten eines Ăberfalls, denen sie Verbandsmaterial verweigert. Bereits das Couragelied am Anfang des StĂźcks macht ihren Zynismus gegenĂźber den Soldaten deutlich:
Mutter Courage:
âKanonen auf die leeren Mägen
Ihr Hauptleut, das ist nicht gesund.
Doch sind sie satt, habt meinen Segen
Und fĂźhrt sie in den HĂśllenschlund.âcite-ref-154[154]
Im Zweifel, so Fowler, entscheide sich die Courage fßr Geschäft und Krieg und gegen die Rettung ihrer Kinder. Immer wenn es darauf ankomme, ihre Kinder zu retten, sei sie durch Geschäfte abgelenkt, verhandele zu lange ßber den Preis oder sei abwesend.cite-ref-155[155]
Die Courage als Mutterfigur
Dem Pakt mit Krieg und Tod steht nach Fowler dennoch eine mĂźtterliche Seite der Courage gegenĂźber. Sie versuche, das Leben ihrer Kinder durch Geschäfte im Krieg zu retten, weil es keine Alternative fĂźr sie gebe. Der Krieg erscheine als ewig, da er länger andauere als der Zeitausschnitt, den das Drama zeige. Im Schlusslied der Courage sei dieser Eindruck festgehalten: âDer Krieg, er dauert hundert Jahre.âcite-ref-bbrecht2-147-1[147] Aus ihrer Sicht gebe es keinen Weg, dem Krieg zu entkommen auĂer einem frĂźhen Tod.cite-ref-156[156]
Die Unausweichlichkeit des Krieges vermittle das Drama, indem es den Krieg mit Naturgewalten vergleiche. Brechts Marxismus liefert fßr Fowler weitere Argumente fßr die Schicksalhaftigkeit der Situation der Courage: Als Ausdruck bestimmter historischer Bedingungencite-ref-157[157] und Repräsentantin der kleinbßrgerlichen Klasse sei die Courage alles andere als frei. Hinweise auf die Schicksalhaftigkeit der Ereignisse sieht Fowler auch darin, dass Brecht selbst mehrfach von einer Niobe-TragÜdie gesprochen habe, was auf das tragische Schicksal einer Mutter verweise, die ihre Kinder verliert.cite-ref-158[158]
Auch ihre Abweisung jeder bĂźrokratischen Kontrolle und ihre vitale, promiske Sexualität interpretiert Fowler als Bekenntnisse zum Leben. Auch die unablässige Suche der Courage nach geschäftlichen MĂśglichkeiten sei Ausdruck elementarer Vitalität. Zudem erscheine die Courage als Nährmutter (ânurturerâ),cite-ref-159[159] fĂźr ihre Kinder ebenso wie fĂźr Koch, Feldwebel und Soldaten.
Sie verteidige ihre Kinder immer wieder, beispielhaft sei dafĂźr, dass sie fĂźr Eilif in der ersten Szene ihr Messer zieht, um den Sohn vor dem Werber zu schĂźtzen.cite-ref-160[160] Es gebe viele Beispiele fĂźr die Sorge der Courage um ihre Kinder, am deutlichsten werde sie aber angesichts ihres Todes.cite-ref-161[161] Die redegewandte Courage verstumme angesichts des Weggangs von Eilif in der ersten Szene und werde einsilbig angesichts der ErschieĂung des Schweizerkas und der toten Kattrin.
Die Courage als Repräsentantin der Einheit von Krieg und Geschäft
Die Courage stellt sich und ihre Familie als âGeschäftsleutâcite-ref-bbrecht6-162-0[162] vor und zeigt dann in ihrem Auftrittslied, dass ihre Geschäfte eng mit Krieg und Tod verbunden sind. Dabei trifft die Courage eine Entscheidung, indem sie sich mit ihrem Lied an die âHauptleutâcite-ref-bbrecht6-162-1[162] wendet, nicht an die gemeinen Soldaten, die mit guten Schuhen und satt in den Tod marschieren sollen. Als Marketenderin Ăźbernehme sie die Perspektive der Herrschenden, die wie sie die Kriege in Gewinnabsicht fĂźhren.cite-ref-163[163] Die Courage interessiert sich ausschlieĂlich fĂźr das Geld der Soldaten und nimmt ihren Tod zynisch hin:
Mutter Courage:
âDoch sind sie satt, habt meinen Segen
Und fĂźhrt sie in den HĂśllenschlund.âcite-ref-bbrecht6-162-2[162]
Die enge Verzahnung von Krieg und Geschäft dokumentiert sich fĂźr Fowler im misstrauischen Charakter und asozialen Verhalten der Courage. Sie nutze das Elend der anderen gezielt fĂźr ihre Geschäfte. Hunger erhĂśhe den Preis fĂźr ihren Kapaun, die Angst in Halle verbillige ihren Einkauf.cite-ref-r-fow1-164-0[164] Sie werde darĂźber hinaus zur Ideologin des Krieges (âideologue for this warâcite-ref-165[165]). Wie im Lied von der groĂen Kapitulation lehre sie Resignation. Ihren Kindern predige sie Verzicht, während sie durch ihre Liebschaften mit Soldaten ihre erotische Bindung an den Krieg zeige.cite-ref-166[166]
FĂźr Fowler ist eine der wesentlichen Funktionen der Courage im Drama, als Symbolfigur den Kapitalismus zu repräsentieren.cite-ref-167[167] Er zieht daraus den Schluss, dass die Courage dem Krieg keinesfalls entkommen kĂśnne. Geschäft und Krieg und Symbolfigur seien derart eng verknĂźpft, dass sie notwendig unmenschlich sein mĂźsse.cite-ref-168[168] Diese Tatsache erfordere die kritische ĂberprĂźfung jeder Schuldzuweisung an die Courage.cite-ref-169[169]
Die dialektische Einheit der Courage
Der lang anhaltende Zorn ist fĂźr Fowler der rebellische Kern der Couragefigur. Ihr Charakter vereine dabei gegensätzliche Aspekte, âmĂźtterliche, nährende Kreativität ebenso wie kriegsdienlichen, unmenschlichen Handelâ.cite-ref-170[170] In der WidersprĂźchlichkeit der Courage als zentraler Figur des Dramas ist nach Fowler die WidersprĂźchlichkeit des kapitalistischen Systems und seiner Kriege symbolisch erfasst. Anders als in Kattrins nur kurzfristig wirksamer Revolte sehe Brecht hier die SelbstzerstĂśrungstendenz des Systems, das die Courage repräsentiere.cite-ref-171[171] Dennoch habe die Courage mit ihrer Tochter Kattrin einen Menschen geboren, der auf zukĂźnftige Rebellion verweise.
Fowler sieht die Mutter Courage als Metapher fĂźr den kriegerischen Kapitalismus. DarĂźber hinaus personifiziere sie die wesentlichen WidersprĂźche des kapitalistischen Systems.cite-ref-172[172] Dazu gehĂśrten Produktivität und Destruktivität. Sie reproduziere die Ideologie ihrer Welt, indem sie ihren Profit in der Ausbeutung und dem Elend der anderen suche. Sie nähre die falsche Hoffnung, dass auch die kleinen Leute vom Krieg profitieren kĂśnnten. Gleichzeitig sei sie einer der groĂen Mutterfiguren Brechts, die die Hoffnung auf Schutz und Ernährung in der kapitalistischen Welt verkĂśrpere. Diese Aspekte seien unauflĂśsbar miteinander verbunden.cite-ref-173[173] Ihre soziale Stellung als KleinbĂźrgerin ermĂśgliche es Brecht, in der Couragefigur Aspekte sowohl der Ausbeuter als auch der Ausgebeuteten zu zeigen.cite-ref-174[174]
Textintention
Brechts Definition der Textabsicht
Brecht hat sich mehrfach zur Textintention des Dramas geäuĂert, besonders prägnant und knapp unter dem Titel âWas eine AuffĂźhrung von âMutter Courage und ihre Kinder hauptsächlich zeigen sollââcite-ref-175[175] in den Anmerkungen zum Couragemodell:
âDaĂ die groĂen Geschäfte, aus denen der Krieg besteht, nicht von den kleinen Leuten gemacht werden. DaĂ der Krieg, der eine FortfĂźhrung der Geschäfte mit anderen Mitteln ist, die menschlichen Tugenden tĂśdlich macht, auch fĂźr ihre Besitzer. DaĂ fĂźr die Bekämpfung des Krieges kein Opfer zu groĂ ist.âcite-ref-bertolt-brecht-1949-176-0[176]
Die Courage erkennt dies nicht. Der Zuschauer soll ihren Standpunkt Ăźberschreiten und erkennen, dass es eine historische Chance gibt, weitere Kriege zu verhindern. Der Zuschauer soll erkennen, dass âdie Kriege vermeidlich geworden sindâ durch âeine neue, unkriegerische, nicht auf UnterdrĂźckung und Ausbeutung gegrĂźndete Gesellschaftsordnungâ.cite-ref-177[177]
Brecht will seinem Publikum âeinen wirklichen Abscheu vor dem Krieg beibringenâcite-ref-178[178] und setzt dabei auf die Entwicklung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung. Hinter den groĂen Geschäften soll der Kapitalismus als wahre Kriegsursache erkannt und bekämpft werden:
âBei dem Teil der Zuschauer, der dem Proletariat angehĂśrt, der Klasse, die wirklich gegen den Krieg selber handeln kann, ist, freilich auch nur bei richtiger Spielweise, die Einsicht in den Zusammenhang von Krieg und Kommerz freizulegen: Das Proletariat als Klasse kann den Krieg abschaffen, indem es den Kapitalismus abschafft.âcite-ref-brecht1949-242-179-0[179]
Brecht projiziert die Diagnose, dass der Kapitalismus und finanzielle Interessen die wahre Ursache der Kriege seien, historisch bis zurĂźck zu den Bauernkriegen: âIn den Bauernkriegen, dem grĂśĂten UnglĂźck der deutschen Geschichte, war, was das Soziale betrifft, der Reformation der ReiĂzahn gezogen worden. Ăbrig bleiben die Geschäfte und der Zynismus.âcite-ref-180[180]
Fowler sieht die brechtsche Verbindung Kapitalismus â Krieg â Faschismus im Drama in der symbolischen Gleichsetzung von Krieg und Geschäften durch die Courage repräsentiert. FĂźr Brecht seien Faschismus und Krieg nicht dem Kapitalismus fremde Zustände, sondern nur seine extreme Form.cite-ref-181[181]
Das Programmheft des Berliner Ensembles aus dem Jahre 1951cite-ref-182[182] verdeutlicht die Intention der Inszenierung durch die symbolische VerknĂźpfung von Krieg und Wirtschaft. Teo Ottos Zeichnung des Wagens der Courage wird kombiniert mit einer Abbildung von Eisenbahnwaggons der Standard Oil Company, versehen mit Angaben zur Gewinnsteigerung des Ălmonopolisten im Krieg und einem Text zu den rĂźcksichtslosen Geschäften Wallensteins im DreiĂigjährigen Krieg. Eine andere Doppelseite vergleicht die Anschaffungskosten militärischer GĂźter mit den Baukosten ziviler Einrichtungen. Der friedenspolitische Aspekt wird repräsentiert durch Zeichnungen von Pablo Picasso und Texte zum Thema Krieg und Frieden aus Barock, Klassik (Schiller) und Gegenwart. An zentraler Stelle präsentiert das Programmheft das Thema Widerstand: Auf dem ausfaltbaren Mittelblatt stehen sich Fotos der trommelnden Kattrin und der FranzĂśsin Raymonde Dien gegenĂźber, die 1950 versucht hatte, einen Waffentransport nach Vietnam zu blockieren, indem sie sich auf die Schienen legte, und dafĂźr von einem Militärgericht angeklagt und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde.cite-ref-183[183]
Kritik an Brechts Formulierung der Textintention
In der Rezeptionsgeschichte ist die Sicht des Verfassers der Courage umstritten. Die Debatte um die richtige Deutung kreist zum Teil um die Frage, ob die Courage ausschlieĂlich als Symbolfigur zu deuten sei, als Repräsentantin des KleinbĂźrgertums in Zeiten des Krieges. Laut Bergstedt etwa will Brecht âdie âglĂźckverheiĂendeâ Teilnahme der verfĂźhrten Massen am Kriegsgeschäft der Faschisten und ihrer kapitalistischen Hintermänner entlarven und die furchtbaren Folgen zeigen, die den kleinen Profitspekulanten daraus erwachsen. Die groĂe Zahl solcher egoistischen âMitläuferâ individualisiert er in der BĂźhnenfigur einer Marketenderin (aus dem DreiĂigjährigen Krieg), mittels deren er die Gefährlichkeit des bevorstehenden âGeschäftsunternehmensâ zeigt.âcite-ref-184[184] Aus dieser Sicht erscheint es als sinnlos, die individuelle Schuld der Courage zu diskutieren.
âIndem die Triebkräfte der Gestalten, so individuell sie auch immer motiviert erscheinen, sich als gesellschaftliche offenbaren und in den Anachronismus der kapitalistischen Grundstruktur, der in allen neueren BĂźhnenwerken transparent wird, ihre letzte Erklärung finden, kĂśnnen sie nicht beliebig kritisiert werden, sondern zwingend nur mit der Zielrichtung auf die Veränderung ebendieser gesellschaftlichen Verhältnisse hin, in denen sie verwurzelt sind.âcite-ref-185[185] Diese Analyse Bergstedts steht nach Fowler im Kontrast zu den Aussagen Brechts, die der Courage auch individuelle Schuld zuweisen.cite-ref-186[186]
Helmut Jendreiek deutet das Drama weniger deterministisch. Er sieht Signale der Veränderbarkeit der Welt im Drama, selbst in Momenten der Resignation, etwa im âLied von der groĂen Kapitulationâ (âDer TĂźchtige schafft es, wo ein Wille ist, ist ein Wegâcite-ref-referencea-9-1[9]) oder im Salomon-Song (âso ist die Weit und mĂźĂt nicht so sein!âcite-ref-187[187]). âDaĂ die Mutter, die ihre drei Kinder an den Krieg verliert, nach aller Leiderfahrung am Ende dennoch den Krieg will, um ihr Geschäft zu machen, läĂt sich nicht mit tragischer Verblendung und schicksalhafter Unausweichlichkeit erklären, sondern muĂ der Courage als âSchlechtigkeitâ und âVerbrechenâ schuldhaft zugerechnet werden, auch wenn Schlechtigkeit und Verbrechen Ausdruck der herrschenden Zustände sind.âcite-ref-188[188] Jendreiek sieht die Alternative zum Verhalten der Courage in der Figur der Kattrin angelegt: âIn Kattrin zeigt Brecht die auch der Courage offenstehende andere MĂśglichkeit: die MĂśglichkeit eines sozialen Daseins gegen das bĂźrgerlich-kapitalistische Dogma, die bestehende Gesellschaftsordnung und mit ihr das kommerziale System und der Krieg seien notwendig und unabänderlich.âcite-ref-189[189] Trotz dieser moralischen Position sieht auch Jendreiek die Courage weniger als individuellen Charakter, denn als Repräsentantin der kapitalistischen Weltordnung: âWenn die Courage den Krieg will, weil er âdie beste Zeit fĂźr den Handelâ ist, so wird in ihr der Kapitalismus als eine Weltordnung vorgestellt, die durch den Willen zum Krieg geprägt ist. Der Hyänengeist der Courage ist der Geist des Kapitalismus. Die Lebenswidrigkeit dieser Weltordnung zeigt Brecht in dem âentsetzlichen Widerspruchâ zwischen Händlerin und Mutter in der Courage.âcite-ref-190[190]
Zahlreiche Interpreten verteidigen die Courage gegen Kritik und Verurteilung im Sinne Brechts. Walter Hinck sieht die Courage in der Schwejk-Tradition als VerkĂśrperung der âWeisheit des Volkesâcite-ref-191[191] und bezweifelt die Schuld der Courage am Tod ihrer Kinder. Andere Autoren wie Bernard Fenn betonen die vitale, lebensspendende Seite der Courage.cite-ref-192[192]
Auch die Autoren Thomsen, MĂźller und Kindt kritisieren in ihrem Werk âUngeheuer Brechtâ die Verurteilung der Courage.cite-ref-frank-thomsen-2006-193-0[193] Die Kritiker um Jan Knopf verwendeten die Bezeichnung âHyäne des Schlachtfeldsâ, als stamme sie von Brecht selbst. Dabei sei die Perspektive des Feldpredigers, der dieses Urteil ausspricht, zu wenig berĂźcksichtigt. Zudem werde diese ĂuĂerung im Text ironisiert.cite-ref-ungeheuer-brecht-s-238-194-0[194] Die Dialektik der Courage liege nicht ausschlieĂlich im Gegensatz zwischen ihrem Geschäftssinn und ihrer MĂźtterlichkeit, wie Brecht interpretiert, sondern wesentlich auch im Gegensatz zwischen kurzfristiger und langfristiger Rettung der Familie durch Erhalt des Wagens.cite-ref-195[195] Zudem gebe das StĂźck keinen konkreten Hinweis auf Handlungsalternativen.cite-ref-196[196]
Kritiker und Verteidiger von Brechts Verwendung des historischen Kontextes
Ebenfalls kritisch beurteilen einige Autoren die Eignung des 17. Jahrhunderts zur Vermittlung einer Perspektive gesellschaftlicher Veränderung. John Milfull sieht im DreiĂigjährigen Krieg âein frĂźhes Stadium der historischen Dialektikâ,cite-ref-197[197] das keine geeignete Folie fĂźr Brechts Intention liefere. Im Gegenteil: Die Analogie zwischen DreiĂigjährigem Krieg und Zweitem Weltkrieg unterlaufe Brechts Absichten und produziere so etwas wie Zeitlosigkeit und universelle Geltung.cite-ref-198[198] Brecht porträtiere eine unerträgliche Situation, in der Menschen wie die Courage keinerlei MĂśglichkeiten zur Veränderung gehabt hätten. Gegen Brecht sieht Milfull die Courage als plebejische Heldin, der es gelinge, in dunkler Zeit zu Ăźberleben.cite-ref-199[199] Fowler kritisiert die AusfĂźhrungen Milfulls unter anderem durch den Verweis auf Bauernaufstände im DreiĂigjährigen Krieg und die symbolische Wirkung des Widerstands im Drama.cite-ref-200[200]
Adorno hält die Gleichsetzung von DreiĂigjährigem Krieg und Zweitem Weltkrieg fĂźr eine Vereinfachung, die Brechts Absichten unterlaufe. Brecht brauche dieses âGleichnisâ âder urtĂźmlich wilden Zeitenâ, da die Gesellschaft âseines eigenen Zeitalters nicht länger an Menschen und Sachen unmittelbar greifbar ist.âcite-ref-201[201] Dadurch werde aber das Konstrukt unglaubwĂźrdig, die Schuld der Courage âfolgt in dem StĂźck weder zwingend aus der Kriegssituation noch aus dem Verhalten der kleinen Unternehmerin; wäre sie nur nicht gerade im kritischen Augenblick abwesend, so geschähe das Unheil nicht, und daĂ sie abwesend sein muĂ, um etwas zu verdienen, bleibt gegenĂźber dem, was sich abspielt, ganz allgemein.âcite-ref-202[202] Adorno sieht Brechts Drama als zu stark vereinfachende historische Analogie, als âBilderfibelâcite-ref-203[203] und âFehlkonstruktionâ, die âzum dramatisch Unmotiviertenâ fĂźhre.cite-ref-204[204]
Brecht selbst sieht im DreiĂigjährigen Krieg das Muster kapitalistischer Kriege. In der kurzen Dokumentation des Gesprächs mit einem jungen Courage-Zuschauer wird dies deutlich:
âJa, der DreiĂigjährige Krieg ist einer der ersten Riesenkriege, die der Kapitalismus Ăźber Europa gebracht hat. Und im Kapitalismus ist es ungeheuer schwierig fĂźr den einzelnen, daĂ der Krieg nicht nĂśtig ist, denn im Kapitalismus ist er nĂśtig, nämlich fĂźr den Kapitalismus. Dieses Wirtschaftssystem beruht auf dem Kampf aller gegen alle, der GroĂen gegen die GroĂen, der Kleinen gegen die Kleinen.âcite-ref-205[205]
Fowler analysiert die Probleme der Analogie zwischen DreiĂigjährigem Krieg und Zweitem Weltkrieg, indem er zunächst die Unterschiede zwischen den Epochen herausarbeitet:
âDie Welt, die das Drama zeigt, ist nicht kapitalistisch, sondern feudal. Ihre Herrscher sind nicht die Bourgeoisie, sondern KĂśnige, Kaiser und Päpste. Ihre Produzenten sind nicht Industriearbeiter, sondern Bauern. Ihre Ordnung ist nicht bezogen auf die Vorstellungen von einem Gesellschaftsvertrag und Legalität, das heiĂt, dass die Machthaber keine Verträge mit den Produzenten schlieĂen, wie sie mehr oder weniger zwischen Kapitalist und Arbeiter existieren, sondern nehmen, was sie mit Gewalt bekommen kĂśnnen, wenn es darauf ankommt.âcite-ref-206[206]
Fowler hält Brechts Verfahren dennoch fĂźr nachvollziehbar. Das Drama verfolge nicht die Absicht der historischen Darstellung des 17. Jahrhunderts, sondern benutze den DreiĂigjährigen Krieg zur Darstellung krasser sozialer Gegensätze, wie sie erst der Kapitalismus hervorgebracht habe. Dabei reduziere Brecht bewusst die Komplexität der Feudalgesellschaft und zeige fast ausschlieĂlich Welt und Wahrnehmung der kleinen Leute. Die Herrschenden tauchten aus dieser Sicht nur von Ferne auf. Diese Gegensätze, die fĂźr den Marxisten Brecht erst in der modernen Welt entstanden seien, zeigten, dass das Drama kapitalistische Strukturen attackiere und nicht die Feudalgesellschaft. Das Drama sei eine symbolische Analogie zum Kapitalismus (âsymbolic translation of capitalismâ).cite-ref-207[207] Die BrĂźcke zwischen den Epochen bilde der Profit als wahrer Motor auch des DreiĂigjährigen Krieges. Die kapitalistische Ausbeutung erscheine im feudalen Kontext als Diebstahl der Reichen und Mächtigen an den Armen.cite-ref-208[208] Wie auch in anderen Werken Brechts, etwa dem Dreigroschenroman, erschienen Kapitalisten als Kriminelle. Aus der Not entstehe der Kampf zwischen den kleinen Leuten, im StĂźck etwa zwischen Soldaten und Bauern.
Aus dieser Sicht erscheinen Kritiken als verfehlt, die den mangelnden Realismus in der Darstellung des DreiĂigjährigen Krieges bemängeln, etwa JĂźrgen Kreft,cite-ref-209[209] der âMutter Courage und ihre Kinderâ in diesem Sinne als âpseudo-realistischesâ StĂźck bewertet.
Kritik aus der Perspektive tragischen Schicksals
Franz Norbert Mennemeier sieht im Drama auch eine metaphysische Dimension. In der Darstellung des endlosen Krieges liege die âKlage um die Vergänglichkeit des Daseins und die Nichtigkeit menschlicher Werke, der guten wie der schlechtenâ,cite-ref-210[210] die besonders in den desillusionierenden Songs zum Ausdruck komme. Angesichts des Zustands der Welt sei das Verhalten der Courage Ausdruck von âSelbstverteidigung und der elementaren Existenzbewältigung ⌠und nicht der sittlichen Schuld.âcite-ref-211[211]
Benno von Wiese interpretiert das StĂźck ebenfalls anders als Brecht. FĂźr ihn ist die Courage eine tragische Figur, sie erlebe âdie eherne Fatalität des Ablaufes, das menschliche Leid, das weit Ăźber alles Verschulden noch hinausgeht, die TragĂśdie unseres Daseins Ăźberhaupt.âcite-ref-212[212]
Ein Teil der neueren Forschung erklärt die Interpretation des StĂźcks als TragĂśdie aus der Nachkriegssituation. Die âerschĂźtternde Darstellung der Schrecken des Kriegesâ erĂśffne âIdentifikationsmĂśglichkeiten mit der kinderlosen Mutter, der Trauernden, der Heimatlosenâ und habe âdie NachkriegsĂśffentlichkeit in ihrem Opfer-Selbstbildâ bestätigt.cite-ref-frank-thomsen-2006-193-1[193] In diesem Sinne habe man âden tragischen Untergang der Familie in den Mittelpunktâ gestellt.cite-ref-ungeheuer-brecht-s-238-194-1[194]
Weitere Figuren und Figurenkonstellation
Die Kinder der Courage
Die Kinder der Courage stellen VerkĂśrperungen der Tugenden dar, von denen im Salomon-Song (Szene 9) in den Strophen 2â4 die Rede ist: Eilif ist kĂźhn wie Cäsar, Schweizerkas redlich wie Sokrates und Kattrin selbstlos wie der heilige Martin. Immer wieder macht Mutter Courage ihre BefĂźrchtung deutlich, dass diese Tugenden im Krieg zur Gefahr wĂźrden.
GĂźnter Thimm interpretiert den Weggang der Kinder der Courage aus der behĂźtenden Familie in eine feindliche âKulturâ als Strukturprinzip des Dramas und anderer BrechtstĂźcke und setzt diese in Relation zur Biografie des Autors, der durch seine Exilsituation aus allen Bindungen herausgefallen sei.cite-ref-213[213] Der Konflikt zwischen sichernder Familie und bedrohlicher Umwelt sei schon im Namen âMutter Courageâ angelegt. âDas Dilemma ist klar benannt: Entweder sie konzentriert sich darauf, die Familie zusammenzuhalten; dann mĂźsste sie ihren Handel vernachlässigen. Oder sie betreibt eifrig ihren Handel, mĂźĂte darĂźber aber notwendig ihre Kinder vernachlässigen; diese geraten dann aber in den Krieg.âcite-ref-214[214] Am Anfang des StĂźckes sieht Thimm die Familie als fest geordneten Zusammenhang, in dem jeder seinen Platz hat: Die SĂśhne haben den Wagen zu ziehen, Kattrin sitzt neben der Mutter. Durch eine Art âAbholwesenâcite-ref-215[215] wĂźrden die Kinder dann eins nach dem anderen aus dem Familienverband gezogen, auch wenn sie zunächst gelegentlich wieder dahin zurĂźckkehrten.
Eilif
Eilif Nojocki ist der kßhne Sohn. Der Feldhauptmanncite-ref-216[216] und der Salomon-Song vergleichen ihn mit Julius Cäsar.
Edgar Hein arbeitet heraus, dass Eilif der Lieblingssohn der Courage ist: âSie versucht einerseits gar nicht zu verhehlen, wie sehr sie ihn bevorzugt. âDas ist mir der Liebste von allen.â(Szene 8, S. 72) âEr ist mein kluger und kĂźhner Sohn.â (Szene 2, S. 21) âDer ist klug.â (Szene 8, S. 71) âVom Vater hat er die Intelligenz geerbt.â (Szene 1, S. 12) Auch sein Vater war ihr unter vielen Männern der liebste.âcite-ref-217[217] Marie Luise Kaschnitz urteilt ähnlich: âDie Redlichkeit war auch einmal Liebesgegenstand, aber Wärme ist da nicht viel zurĂźckgeblieben, nicht viel fĂźr den Schweizerkas, dessen Wesensart der der Courage eigentlich in allem widerspricht. Ein mĂźtterliches GefĂźhl der Verantwortung hat sie auch diesem Sohn gegenĂźber, aber ihre Liebe gehĂśrt den andern Kindern âŚâcite-ref-218[218]
Eilif geht zugrunde, weil er nicht weiĂ, wann KĂźhnheit angebracht ist und wann nicht. Im Krieg gilt er als Held, als er eine bewaffnete Gruppe Bauern Ăźberlistet, niederschlägt und beraubt, weil Brutalität im Krieg als ânormalâ und âlobenswertâ gilt. FĂźr dieselbe Tat wird er später in einer kurzen Friedensperiode hingerichtet.
Edgar Hein weist darauf hin, dass Brecht durchaus Sympathie fĂźr KĂźhnheit und Rauflust hatte. âDer als Kriegsheld Missbrauchte hätte, das ist Brechts Lehre, in anderen sozialen und historischen Verhältnissen ein sympathischer Sportchampion werden kĂśnnen, ein Fighter, ein Boxstar in seiner lässigen Wildheit. Seine Morde und PlĂźnderungen liegen nicht in seinem Interesse, sondern in dem seiner Befehlshaber [âŚ]âcite-ref-219[219]
Brechts Berliner Inszenierung zeigte Eilifs KĂźhnheit in der zweiten Szene durch einen Säbeltanz, der âsowohl mit Feuer als auch mit Lässigkeit ausgefĂźhrt werdenâcite-ref-brecht-1949-220-0[220] soll. Die Entwicklung vom ärmlichen Sohn einer Marketenderin zum Kriegshelden spiegelte sich im Wandel von ärmlicher zu kostbarer Kleidung wider. Es gehĂśrt zum Konzept Brechts, dass die Courage bis zuletzt nichts vom Tode ihres Sohnes erfährt: Der Zuschauer weiĂ mehr als die Darsteller. Brecht kommentiert:
âĂber die MĂśglichkeit, ihren Sohn wiederzusehen, spricht sie leichten Herzens: âNun wieder Krieg ist, wird sich alles einrenken.â Sie wird Ăźber sein Grab fahren.âcite-ref-bbrecht8-221-0[221]
Schweizerkas
Fejos, genannt Schweizerkas, ist der redliche, ehrliche Sohn der Courage. Seine Tugend wird ihm zum Verhängnis, weil er â wie sein Bruder â nicht die Grenzen des Prinzips erkennt, das er verkĂśrpert. Sein Versuch, die ihm anvertraute Regimentskasse der Lutheraner zu retten, hilft niemandem; er opfert also sein Leben sinnlos. Die Mutter, die ihn durch Bestechung hätte retten kĂśnnen, feilscht, ihrem eigenen Prinzip gehorchend, zu lange um den Preis der Befreiung.
Anders als bei Eilif, den sie vor seinem Heldentum warnt, bestärkt die Courage Schweizerkas in seiner Ehrlichkeit. Sie hält ihn fĂźr âeinfältigâ und glaubt deshalb, dass er nur Ăźberleben kĂśnne, wenn er âganz und gar redlichâ ist.cite-ref-222[222] Die verschlagene Ăberlebenstaktik traut sie ihm nicht zu. âVergiĂ nicht, daĂ sie dich zum Zahlmeister gemacht haben, weil du redlich bist und nicht etwa kĂźhn wie dein Bruder, und vor allem, weil du einfältig bist, daĂ du sicher nicht auf den Gedanken kommst, damit wegzurennen.âcite-ref-mutter-courage-3-szene-s-27-223-0[223] Am Ende spĂźrt die Courage, dass die absolute Redlichkeit im Krieg ebenso zur Gefahr werden kann wie andere menschliche Tugenden. Als Schweizerkas die Regimentskasse vor den Feinden versteckt, warnt sie ihn: âSchweizerkas, deine Gewissenhaftigkeit macht mir fast Angst. Ich hab dir beigebracht, du sollst redlich sein, denn klug bist du nicht, aber es muĂ seine Grenzen haben.âcite-ref-224[224]
Durch seine Kombination aus Ehrlichkeit und Dummheit bringt Schweizerkas die ganze Familie in Gefahr, als er die Regimentskasse im Wagen versteckt. Er macht seinen Fehler aber wieder gut, als er standhaft leugnet, Mutter Courage und seine Schwester zu kennen. Das Horenlied des Feldpredigers setzt den Tod des Schweizerkas in Beziehung zum Leiden und Tode Jesu. âDer Feldprediger: Solche Fälle, wos einen erwischt, sind in der Religionsgeschichte nicht unbekannt. Ich erinner an die Passion von unserm Herrn und Heiland.âcite-ref-225[225] Edgar Hein interpretiert dies als âzynische Verfremdungâ, der âOpfertodâ des Schweizerkas âhat keinen erlĂśsenden Sinnâ.cite-ref-edgar-hein-1994-226-0[226]
Brecht hat seine Inszenierung der 3. Szene, in der Schweizerkas erschossen wird, auf den Kontrast zwischen Lageridyll und dem Chaos nach dem feindlichen Ăberfall aufgebaut. Ebenso wird die emotionale Wirkung des Schicksals des Schweizerkas durch einen Kontrast verstärkt: Im Gespräch mit seiner Schwester soll er vĂśllig ahnungslos gezeigt werden:
âEs scheint schwierig fĂźr Schauspieler, ihr Mitleid mit der Figur, die sie spielen, zu unterdrĂźcken und ihr Wissen um den baldigen Tod sich nicht anmerken zu lassen. Gerade das macht den Schweizerkas, wenn er gefaĂt wird, rĂźhrend, daĂ er zu seiner Schwester ohne Vorahnung gesprochen hat.âcite-ref-bbrecht10-227-0[227]
Dass Brecht hier Emotionen wecken will, zeigt auch eine weitere Anmerkung zum Gespräch zwischen Bruder und Schwester: âDas kleine Gespräch zwischen der stummen Kattrin und dem Schweizerkas ist ruhevoll und nicht ohne Zartheit. Kurz vor der ZerstĂśrung zeigt sich noch einmal, was zerstĂśrt wird. Die Szene geht auf ein altes japanisches StĂźck zurĂźck, in dem zwei Knaben Freundschaft schlieĂen, indem einer dem anderen einen fliegenden Vogel und dieser ihm eine Wolke zeigt.âcite-ref-228[228]
Edgar Hein sieht in der Figur des Schweizerkas die Kritik am Pflichtbewusstsein kleiner deutscher Beamter im Krieg, am in der NS-Zeit âbis in den Untergang funktionierenden deutschen Beamtenapparat [âŚ], der mit seinem unreflektierten preuĂischen Pflichtethos die Nazis bewusst oder unbewusst begĂźnstigt hat.âcite-ref-edgar-hein-1994-226-1[226]
Kattrin
Mit der Figur der stummen Kattrin Haupt hat Brecht seiner im Exil der Sprache beraubten Frau Helene Weigel eine AuftrittsmÜglichkeit schaffen wollen.cite-ref-knopf184-27-2[27] Er greift bei der Konzeption der Figur auf Modelle aus frßheren Stßcken zurßck. Wie die Magd Grusche Vachnadze in dem Kaukasischen Kreidekreis oder die Magd Anna in der ähnlichen Erzählung Der Augsburger Kreidekreis nimmt sie sich aus Mitleid eines fremden Kindes an. Unter Lebensgefahr rettet sie den Säugling einer Bauernfamilie aus einem brennenden Haus, dessen Dach einzustßrzen droht. Sie zeigt starke mßtterliche Gefßhle fßr das Kind.
Mutter Courage: âHast Du glĂźcklich wieder einen Säugling gefunden zum Herumschleppen? Auf der Stelle gibst ihn der Mutter, sonst hab ich wieder einen stundenlangen Kampf, bis ich ihn Dir herausgerissen hab, hĂśrst Du nicht?â (Szene 5)cite-ref-229[229]
In der Szene hatte Kattrin schon ihre Mutter bedroht, weil diese den verletzten Bauern aus Geiz kein Verbandsmaterial zur VerfĂźgung stellen wollte. Kattrins Mitleid ist hier und an anderer Stelle stärker als jedes kommerzielle Interesse. Sie ist âdie eigentliche, die nicht durch GeschäftsrĂźcksichten getrĂźbte Mutterfigur des StĂźckes.âcite-ref-230[230]
Symbolfigur der Kattrin ist der Heilige St. Martin, der aus Mitleid seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Wie auch bei den Tugenden ihrer Geschwister sieht das Salomon-Lied Selbstlosigkeit und Mitleid als tĂśdliche Gefahr.
Brecht legt Wert darauf, dass Kattrin âvon Anfang an als intelligentâcite-ref-bbrecht9-231-0[231] gezeigt wird, da ihre Behinderung die Schauspielerin dazu verfĂźhre, sie als âdumpfâcite-ref-bbrecht9-231-1[231] zu zeigen. Brechts Inszenierung zeigte Kattrin mit dem Säugling wie eine Diebin, âden Säugling als Beuteanteilâ.cite-ref-232[232]
âEs wird alles versäumt, wenn ihre Kinderliebe als etwas dumpf Tierisches denunziert wird. Die Rettung der Stadt Halle ist ein intelligenter Akt. Wie sonst kĂśnnte herauskommen, was herauskommen muĂ, nämlich, daĂ hier der Hilfloseste bereit ist zu helfen.âcite-ref-bbrecht9-231-2[231]
Kattrins Sehnsucht nach Liebe zeichnet das StĂźck Ăźber zwei Details: ihr Spiel mit den roten Schuhen der Lagerhure und im Lächeln des Soldaten und Kattrins in der sechsten Szene. Danach wird sie bei der Verteidigung neuer Waren fĂźr ihre Mutter durch eine Verletzung an der Stirn entstellt und resigniert. Sie weist die roten StĂśckelschuhe der Hure zurĂźck, die ihr die Mutter zum Trost gibt, und gibt damit âihrer Mutter die Schuld am UnglĂźckâ (Brecht),cite-ref-233[233] da diese sie geschickt hatte, neue Waren zu holen. Durch ihre Narbe wird Kattrin âlichtscheuâcite-ref-bbrecht8-221-1[221], in der 8. und 11. Szene lieĂ Brecht die Darstellerin ihre Entstellung mit der Hand verdecken, wenn jemand sie anblickt.cite-ref-bbrecht8-221-2[221]
In der 9. Szene wird Kattrins Haltung nochmals deutlich. Als sie ein Gespräch zwischen Koch und Mutter belauscht hat, in dem deutlich wird, dass der Koch der Mutter nur dann eine Heimat bieten will, wenn sie die entstellte Tochter zurĂźcklässt, packt sie ihr BĂźndel und will fliehen. Schon vorher hat die Courage die Gefahr, die Kattrin im Kriege durch ihren Charakter droht, deutlich gemacht: âDie leidet am Mitleid. Neulich habe ich bei ihr wieder einen Igel versteckt gefunden, wo wir Ăźberfahren haben.âcite-ref-234[234] Dennoch zeigt auch die Courage in dieser Szene mĂźtterliche GefĂźhle, indem sie Kattrin zurĂźckhält und sie mit der erbettelten Suppe fĂźttert. Der Tochter gegenĂźber gibt sie vor, sie bleibe nur wegen des Wagens.cite-ref-235[235] Brecht sieht darin âdie unbeholfene HĂśflichkeit kleiner Leute, welche den Opfern, die sie bringen, eigensĂźchtige Motive unterschieben, um anderen die DemĂźtigung zu ersparen, die Opfer annehmen zu mĂźssen.âcite-ref-236[236]
In der 11. Szene opfert Kattrin ihr Leben, um die Stadt Halle vor einem Ăberfall der Landsknechte zu retten. Ihr Mitleid ist erwacht, als sie von einer Bäuerin von der Gefahr fĂźr die Kinder in der Stadt hĂśrt. Mit einer Trommel flĂźchtet sie aufs Dach und trommelt, um die schlafende Stadt zu warnen, laut Brechts Notizen in einem Zweiertakt, der das Wort âGewaltâ skandiert. Sie âfunktioniert das ursprĂźnglich militärische Instrument um und verwendet es fĂźr den Weckruf an die Stadt.âcite-ref-237[237] Kein Versprechen und keine Drohung, selbst die drohende ZerstĂśrung des Wagens, kĂśnnen sie von ihrer Rettungstat abhalten. Ihre selbstlose Tat weckt die Solidarität des jungen Bauern, der sie unter Lebensgefahr unterstĂźtzt. Der Bauer wird niedergeschlagen, Kattrin erschossen.
Edgar Hein stellt die WidersprĂźche in der Rettungstat heraus: âEine Stumme weckt die Schlafenden; die nicht Mutter werden kann, wird die Retterin der Kinder; das arme Tier handelt menschlich; die Ohnmächtige wird zur Rebellin.âcite-ref-238[238]
FĂźr Kenneth R. Fowler repräsentiert Kattrin die Opfer des Krieges. Doppelt verletzt, stumm und entstellt, Ăźberschreite ihre Rettung der bedrohten Stadt die Taten ihrer BrĂźder, die letztlich den Krieg gefĂśrdert hätten. Kattrin breche mit dem Prinzip des Eigennutzes, das den Krieg aller gegen alle fĂśrdere. âKattrin erkennt, dass ihr eigenes Wohlbefinden nicht aufgebaut werden kann auf dem Leiden anderer, dass das Wohlbefinden aller untrennbar miteinander verbunden ist.âcite-ref-239[239] Ihre mĂźtterliche Sorge Ăźberschreite die der Courage, weil sie ausschlieĂlich auf das Leben ziele, ohne geschäftliche Nebeninteressen.
Dabei sei Kattrins Rettungstat nicht rein emotional oder instinktiv motiviert, was die kluge und konsequente DurchfĂźhrung zeige.cite-ref-240[240] Auch wenn die Wirkung ihres Handelns den Krieg nicht dauerhaft stoppen kĂśnne, was der Salomonsong kritisch reflektiere, sieht Fowler in Kattrins Tat einen Moment der âĂberschreitung einer asozialen Weltâ, eine âRevolte der kleinen Leuteâ.cite-ref-241[241]
Der Koch Pieter Lamb
Der Koch ist ein Abenteurer und Frauenheld, der unter seinem Spitznamen âPfeifenpieterâ Yvette Pottier, die Lagerhure, einst verfĂźhrt und auf die schiefe Bahn gebracht hat. Im achten Bild entlarvt Yvette ihren âfettâ gewordenen Verehrer.
Yvette: âEin GlĂźck, daĂ ich Sie vor dem warnen kann. Das ist der schlimmste, wo an der ganzen flandrischen KĂźste herumgelaufen ist. An jedem Finger eine, die er ins UnglĂźck gebracht hat.âcite-ref-242[242]
Er ist die selbstsichere Figur des Stßcks, fßhrt die schärfsten Reden und durchschaut die Situationen am klarsten. Sein Salomon-Lied zeigt ein zentrales Motiv des Stßcks:
âAlle Tugenden sind nämlich gefährlich auf dieser Welt, die [âŚ] zahlen sich nicht aus, nur die Schlechtigkeiten, so ist die Welt und mĂźĂt nicht so sein.âcite-ref-243[243]
Gegen den Feldprediger entlarvt er sarkastisch dessen Glaubensrechtfertigung fĂźr den Krieg:
Der Koch: âIn einer Weise ist es ein Krieg, indem daĂ gebrandschatzt, gestochen und geplĂźndert wird, bissel schänden nicht zu vergessen, aber unterschieden von alle andern Kriege dadurch, daĂ es ein Glaubenskrieg ist, das ist klar. Aber er macht auch Durst, das mĂźssen Sie zugeben.âcite-ref-mutter-courage-s-30-32-1[32]
Fowler interpretiert diese Aussage als Priorität des Materiellen ßber Idee und Schicksal, da der Koch ZerstÜrung und Elend des Krieges in den Vordergrund stelle.cite-ref-244[244] In der vitalen Gier nach Genuss und Liebe liegt auch der wichtigste Berßhrungspunkt zwischen Koch und Courage. Der Koch hat keine Angst vor der scharfen Zunge der Courage, er schätzt sie sogar als Herausforderung:
Der Koch: âSie haben immer noch Haare auf die Zähn, aber ich schätz Sie drum.âcite-ref-245[245]
Der Koch ist leitmotivisch gekennzeichnet durch das Requisit der Pfeife, die seine sexuellen Erfolge symbolisiert:
Yvette: â[âŚ] und sie ihn Ăźberhaupt schon Pfeifenpieter genannt haben, weil er die Pfeif nicht aus dem Mund genommen hat dabei, so beiläufig wars bei ihm.â
Fowler analysiert die Beziehung des Kochs zur Mutter Courage aufgrund des Pfeifensymbols. Dieser hatte von der Courage geträumt:
Der Koch zĂźndet sich seine Stummelpfeife an: âBloĂ, daĂ ich ein Glas Branntwein krieg von schĂśner Hand, nix Schlimmeres.âcite-ref-246[246]
Das phallische Bild der Pfeife mache aus der Verbindung von schĂśner Hand, Branntwein und dem EntzĂźnden des Feuers ein sexuelles Motiv.cite-ref-247[247] Noch deutlicher werde die symbolische Funktion der Pfeife in der 6. Szene. Der Feldprediger entdeckt, dass die Courage die ganze Zeit die Pfeife des Kochs aufbewahrt hat. Er interpretiert das Rauchwerkzeug als Zeichen fĂźr die aggressive Männlichkeit des Koches. Sie kennzeichne ihn als einen âDonschuanâ, als âGewaltmenschenâ, âdurchgebissenâ wie sie sei.cite-ref-mutter-courage-s-58-6-szene-248-0[248]
âCourages persĂśnliches Interesse an den Koch, vertreten durch die Pfeife in der Tasche, und ihr Interesse werden unterstrichen, wenn der Feldprediger später ruft, sie habe sie nicht nur behalten, âsondern draus geraucht!ââcite-ref-249[249]
In der 8. Szene wird noch einmal Ăźber das Pfeifensymbol das Interesse der Courage am Koch verdeutlicht:
Der Koch: âDie Geschichte mit der Yvette âŚâ
Mutter Courage: âDie hat Ihnen nicht geschadet in meinen Augen. Im Gegenteil. Wos raucht, ist Feuer, heiĂts. Kommen Sie also mit uns?âcite-ref-250[250]
Am Ende des Dramas erĂśffnet der Koch der Courage eine Alternative zu ihren Kriegsgeschäften. Er kann in seiner Heimatstadt Utrecht die Kneipe seiner verstorbenen Mutter Ăźbernehmen. Die lebenstĂźchtige Courage will er mitnehmen, allerdings unter der Bedingung, dass sie ohne die seinem Geschäft schädliche, stumme und verunstaltete Kattrin mitgeht. Die Courage handelt angesichts dieser Wahl mĂźtterlich und entscheidet sich fĂźr ein Zusammenleben mit der Tochter, obwohl Kattrin, die das Gespräch belauscht hat, den Weg freimacht, indem sie wegzulaufen versucht. Die Courage nimmt dem Koch seine Bedingung nicht Ăźbel: âIch sag nicht, was du sagst, is unvernĂźnftig [âŚ]âcite-ref-251[251] Die Trennung vom Koch verläuft kĂźhl und ohne Abschiedswort: âWir gehn die andere Richtung, und dem Koch sein Zeug legen wir heraus, daĂ ers find, der dumme Mensch.âcite-ref-252[252]
Fßr Fowler ist der Koch einer der Repräsentanten der Arbeiterklasse im Stßck. Wie der Arbeiter fßr den Unternehmer, so arbeite der Koch fßr die aristokratischen Offiziere und werde entlassen und gedemßtigt, sobald es ihnen passe:
âDie wesentliche Ăhnlichkeit zwischen dem Koch und dem Arbeiter, die beide fĂźr einen anderen produzieren, ohne die FrĂźchte ihrer Arbeit genieĂen zu kĂśnnen, wird ausgedrĂźckt, wenn der Feldprediger dem Koch seine Kritik an Krieg und Herrscher vorwirft: âSchlieĂlich essen Sie sein Brotâ (gemeint ist das Brot des KĂśnigs). Der Koch kontert mit der Realität gegen die Ideologie: âIch eĂ nicht sein Brot, sondern ich backs ihm.ââcite-ref-253[253]
Mit der Verbindung zwischen der intelligenten Händlerin Mutter Courage und dem Koch legt Brecht laut Fowler ein BĂźndnis zwischen Intelligenz, Arbeiterklasse und KleinbĂźrgertum, schlieĂlich auch zwischen doppelt ausgebeuteten Frauen und Männern nahe.cite-ref-254[254] Kochen und KĂźche seien fĂźr Brecht Symbole fĂźr Produktivität, soziale Zentren der Arbeiterklasse und zugleich das Reich der Frauen.cite-ref-255[255] Von der KĂźche gehe nicht nur die Grundlage des materiellen Lebens aus, sie sei auch der Ort, an dem Rebellion entstehe.cite-ref-256[256]
Der (protestantische) Feldprediger
Die Funktion des Feldpredigers ist fĂźr Brecht zunächst die Widerlegung der Rede vom âGlaubenskriegâ. Dabei zeigt sich die zweifelhafte Rolle des Geistlichen zunächst in der verächtlichen Haltung des Militärs gegenĂźber dem Prediger. Brecht merkt zur Inszenierung der 2. Szene an: âAus der Behandlung, die dem Feldprediger von seiten des Feldhauptmanns widerfährt, haben wir die Rolle zu ersehen, die der Glaube in einem Glaubenskrieg spielt.âcite-ref-257[257] Brecht lässt in seiner Inszenierung der 2. Szene den Geistlichen verschiedene Erniedrigungen widerspruchslos erdulden, um die âNiedrigkeit der Stellungâcite-ref-brecht-1949-220-1[220] deutlich zu zeigen. âVon dieser Stellung her kommt der Zynismus des Feldpredigers.âcite-ref-brecht-1949-220-2[220]
Als das kleine Lager der Courage in der 3. Szene von katholischen Truppen Ăźberfallen wird, verliert der protestantische Geistliche sein Amt, legt sein Priestergewand ab und tritt als Schankknecht in die Dienste der Courage. Als Berufsgläubiger in einem Krieg, der sich Glaubenskrieg nennt und es in Wahrheit nicht ist, wird er zur komischen Figur des StĂźckes. Brecht lässt ihn beim Ăberfall allen im Wege stehen,cite-ref-258[258] zeigt ihn als âzu feige, die Flucht zu ergreifen.âcite-ref-bbrecht10-227-1[227] Er wird mit Kattrin zum GeschirrspĂźlen verdonnert.
âDer Feldprediger hat seinen Unterschlupf gefunden. Er hat seinen eigenen Essnapf, und er macht sich linkisch nĂźtzlich, schleppt Schäffer mit Wasser, putzt Besteck usw. Im Ăźbrigen ist er noch fremd; aus diesem Grund oder auf Grund seines Phlegmas zeigt er keine Ăźbertriebene Teilnahme an der TragĂśdie des redlichen Sohns.âcite-ref-bbrecht10-227-2[227]
Die Courage zwingt den Feldprediger, seinen Beitrag zum Haushalt zu leisten, lässt ihn Holz hacken. Er wehrt sich dagegen unter Berufung auf sein Theologiestudium und seine ideologischen Fähigkeiten:
Der Feldprediger: âIch kann ein Regiment nur mit einer Ansprach so in Stimmung versetzen, daĂ es den Feind wie eine Hammelherd ansieht. Ihr Leben ist ihnen wie ein alter verstunkener FuĂlappen, den sie wegwerfen in Gedanken an den Endsieg. Gott hat mir die Gabe der Sprachgewalt verliehen. Ich predig, daĂ Ihnen HĂśren und Sehen vergeht.âcite-ref-mutter-courage-s-58-6-szene-248-1[248]
Der Feldprediger steht hier fĂźr die Funktion der Kirche im Krieg, die zudem Ăźber den Begriff Endsieg mit der nationalsozialistischen Propaganda in Verbindung gebracht wird. Die Soldaten sollen ihr eigenes Leben bereitwillig fĂźr die Kriegsziele der Mächtigen opfern und Augen und Ohren fĂźr die Realität verschlieĂen. âCourage verurteilt diese Feindseligkeit gegenĂźber dem materiellen Leben, wenn sie antwortet: âIch mĂśchte gar nicht, dass mir HĂśren und Sehen vergeht.ââcite-ref-259[259]
Der Feldprediger zieht im Umgang mit anderen Personen oft den Kßrzeren. Er ist nicht mutig. Kattrin jedoch hilft er bei der Versorgung verwundeter Bauern und befreit sich innerlich immer mehr vom Einfluss seiner Begleiterin, je länger er mit ihr beisammen ist. Allmählich zeigt sich auch bei ihm jener bittere Humor, welcher der Courage und dem Koch eigen sind. In seiner Werbung um die Courage wirkt er unfreiwillig komisch. Wenigstens, was seine realistische Weltsicht und den sprachlichen Umgang betrifft, hat er seinen Bewusstseinsstand erweitert und begleitet den zum Tode verurteilten Eilif, wenn auch weiterhin nicht frei von Eitelkeit und Schwäche, zur Exekution als einer, der von den Unteren, dem Proletariat, etwas gelernt hat, was dieses selbst (noch) nicht in die Tat umsetzen kann.
Die Lagerhure Yvette Pottier
Yvette hat drei Auftritte, zwei in der 3., einen in der 8. Szene. Jedes Mal bekommt der Zuschauer einen anderen Einblick in ihr Leben und ihren Charakter. Die Regieanweisung zur 3. Szene schildert sie als eine âhĂźbsche Personâ, als Hure leicht bekleidet und ausstaffiert mit einem âbunten Hutâ und âroten StĂśckelschuhenâ.cite-ref-260[260] Aufgrund ihrer Geschlechtskrankheit wird sie von den Soldaten gemieden. Erst durch die Eroberung des Lagers durch die katholische Liga erĂśffnen sich ihr neue Chancen. Die Eroberer wissen noch nichts von ihrer Infektion. Sie ist nun um ihre Rolle als erfolgreiche Lagerhure besorgt, die ebenso mit den Feinden wie mit den eigenen Soldaten ihr Geschäft macht: â⌠So kann ich doch nicht herumlaufen, wenn die Katholischen kommen ⌠Wie schau ich aus? Ist es zuviel Puder? ⌠Ich muĂ in mein Zelt hinĂźber âŚâ.cite-ref-261[261] Sie erweckt in dieser kurzen Szene den Eindruck, als ginge sie eben ihrem gewohnten Beruf nach, eifrig darum bemĂźht, jede Chance zu nutzen, um aus der veränderten Kriegssituation mĂśglichst groĂen Nutzen zu ziehen.
Kurz darauf berichtet die Courage, Yvette habe drei Tage später bereits einen Obristen âaufgegabelt, vielleicht kauft ihr der einen Marketenderhandel.âcite-ref-262[262] Der zweite Auftritt Yvettes in der 3. Szene erfolgt in Begleitung ihres âuraltenâ Freundes. Yvette hofft, dass ihr die Courage den Marketenderwagen verkaufen mĂźsse, um ihren Sohn durch Bestechungsgeld zu retten. Enttäuscht erkennt sie das Vorhaben der Courage, die ihren Wagen nur verpfänden will. Trotz ihrer Betroffenheit Ăźber den Gesinnungswandel reagiert Yvette geschickt. Sie weiĂ, dass keine Zeit zu verlieren ist, das Geld muss beschafft werden. In all den Jahren der Prostitution hat sie gelernt, Männer um den Finger zu wickeln. Deshalb gelingt es ihr rasch, die erwĂźnschte Zusage vom Obristen zu bekommen, und sie eilt davon, nicht ohne neuerlich von Courage den Auftrag zum Handeln bekommen zu haben.
Aus den Worten bei ihrer RĂźckkehr ist ihre starke Anteilnahme am Schicksal des zum Tode Verurteilten erkennbar. Ihre Erfahrung sagt ihr, dass er kaum mehr eine Chance hat. Sie rät der Courage dringend, die volle Forderung zu erfĂźllen und macht sich schlieĂlich resigniert neuerlich auf den Weg, um weiter zu handeln. Im Kampf um den unglĂźcklichen Schweizerkas bleibt sie als einzige aktiv, das Interesse am Wagen selbst ist sichtlich in den Hintergrund gerĂźckt. Wieder kehrt sie zurĂźck, diesmal, um von der Hinrichtung zu berichten. Sie erwähnt kein einziges Mal ihre Enttäuschung Ăźber die verlorene Chance, einen Marketenderhandel erĂśffnen zu kĂśnnen; trotz ihrer sichtlichen ErschĂźtterung kĂźmmert sie sich nun um das Wohl der Courage und ihrer Tochter.
Edgar Hein interpretiert das Verhalten Yvettes im Handel um Wagen und das Leben des Schweizerkas deutlich negativ: âDer soziale Aufstieg hat das Leben der Hure deformiert. [âŚ] Gewissenlos nĂźtzt sie die Zwangslage ihrer einstigen Vertrauten aus: âIch weiĂ, sie muss verkaufen.â Gerissen spielt sie einen âblonden Fähnrichâ gegen ihren senilen Verehrer und Geldgeber aus, um ihn spendabel zu stimmen. Kalt wirft sie ihren Triumph hin: âMachen sie sich keine Hoffnung, wenn Sie Ihren Schweizerkas wiederhaben wolln.â Sie schlägt die Händlerin mit ihren eigenen Waffen. Gierig wĂźhlt sie in ihrem angemaĂten Besitz herum, zählt StrĂźmpfe und Hemden. âIch muĂ alles durchgehn, damit nichts wegkommt aus meinem Wagen.â Als die Courage sie zur Eile drängt, da es um Leben und Tod geht, entgegnet sie, haltlos vor Habgier: âNur noch die Leinenhemden mĂścht ich nachzählen.â Die Courage nennt hier die Yvette so, wie sie selbst später genannt werden wird: âeine Hyäneâ.âcite-ref-ehein1-263-0[263] Positive CharakterzĂźge konstatiert Hein in der Reaktion Yvettes auf den Tod des Schweizerkas: Betroffen vom Tod des ehrlichen Sohnes bricht âbei der Yvette trotz ihres Ărgers Ăźber das entgangene Geschäft doch wieder die Solidarität der kleinen Leute durch.âcite-ref-ehein1-263-1[263]
Als Yvette zum dritten Mal auftritt â nach den Regieanweisungen sind 3 Jahre vergangen â, tut sie das als Witwe des älteren Bruders des Obristen. âYvette kommt in Schwarz, aufgetakelt, mit Stock. Sie ist viel älter, dicker und sehr gepudert. Hinter ihr ein Bedienter.âcite-ref-264[264] Sie hat also âKarriereâ gemacht. âWenigstens eine, wos im Krieg zu was gebracht hatâ,cite-ref-bbrecht11-265-0[265] meint die Courage angesichts der sichtlich von finanziellen Sorgen befreiten Yvette. Darauf antwortet Yvette ohne Stolz: âAuf und ab und wieder auf istâs halt gegangen.âcite-ref-bbrecht11-265-1[265]
Erst jetzt erfährt der Zuschauer, warum Yvette zur Lagerhure wurde: Als junges Mädchen war sie wie so viele andere auch vom Koch verfĂźhrt worden. Nun warnt sie die Courage: âDas ist der schlimmste, wo an der ganzen flandrischen KĂźste herumgelaufen ist ⌠hĂźten Sie sich vor ihm, so einer bleibt gefährlich auch im Zustand des Verfalls!âcite-ref-bbrecht11-265-2[265] Yvette, durch den Koch âin Schande gebrachtâ, hatte keine andere MĂśglichkeit zu Ăźberleben gefunden als die der Prostitution. Und diese konnte sich während der Kriegswirren nur bei Soldaten bezahlt machen. Als Mädchen aus einfachem Milieu konnte Yvette unter den gegebenen Umständen nur auf ein Ăberleben hoffen, wenn sie das Schicksal der Hure auf sich nahm.
Doch nun steht sie â in der achten Szene â als Witwe eines Obristen vor dem Koch, der sie in diese Bahn geworfen hat. Ihre ganze Verachtung fĂźr den verhassten Beruf und die Verachtung fĂźr einen, der aus Gewissenlosigkeit und Skrupellosigkeit dafĂźr verantwortlich zu machen ist, bricht hervor. Indem sie seine heruntergekommene âMännlichkeitâ verhĂśhnt, straft sie ihn am besten, das ist ihr bewusst, und das genieĂt sie. âSteh auf, wenn eine Dame dich ins Gespräch zieht! ⌠Halt das Maul, traurige Ruin! ⌠Dass mich so was wie dieser Mensch einmal vom graden Weg hat abbringen kĂśnnen! ⌠Dass ich dir jetzt das Handwerk gelegt hab, wird mir dereinst oben angerechnet, Pfeifenpieter.âcite-ref-bbrecht11-265-3[265]
Brecht charakterisiert den Wandel Yvettes von der jungen, attraktiven Hure zur hässlichen reichen Witwe im Couragemodell ironisch: âYvette Pottier ist die einzige Figur des StĂźcks, die ihr GlĂźck macht; sie hat sich gĂźnstig verkauft. Das gute Essen hat sie ebenso entstellt, wie die Narbe Kattrin entstellt hat; sie ist fett, daĂ man den Eindruck hat, das Fressen sei ihre einzige Leidenschaft geworden.âcite-ref-266[266] Edgar Hein sieht im Wandel der Figur die Verurteilung sozialen Aufstiegs als Verlust menschlicher Qualitäten: âSie ist âin die HĂśhe gekommenâ, also menschlich deklassiert.âcite-ref-ehein1-263-2[263]
Fowler sieht in der Figur der Prostituierten eine von Brecht favorisierte Metapher fĂźr die Entmenschlichung der Arbeiter zu einem bloĂen Gegenstand. Die Prostituierte verkĂśrpere im Sinne von Karl Marx den Arbeiter, der nichts anderes zu verkaufen habe als sich selbst. Der Mensch, der sich und seine Arbeitskraft verkaufe, sei die Inkarnation der entfremdeten Arbeit.cite-ref-267[267] Yvette kennzeichne sich selbst halb als Tier, halb als Ware: âalle gehen um mich herum wie um einen faulen Fischâ.cite-ref-mutter-courage-3-szene-s-27-223-1[223]
Brechts kĂźnstlerische Konzeption
Episches Theater
â
Hauptartikel
:
Episches Theater
Wesentliches Ziel der brechtschen Theaterkonzeption ist die Verhinderung der Identifikation der Zuschauer mit den Figuren auf der BĂźhne. Die Courage und ihre Geschäfte sollen kritisch beurteilt und nicht einfĂźhlend miterlebt werden. Das Verhalten der Courage und der Verlust ihrer drei Kinder sollen nicht Mitleid wecken, sondern Lernprozesse auslĂśsen. Zu diesem Zweck wird das Geschehen auf der BĂźhne âverfremdetâ (Verfremdungseffekt â V-Effekt). Darsteller, BĂźhnenbild und Musik sollen den Anschein von BĂźhnenrealität immer wieder zerstĂśren.
Ein auffälliges Mittel der Verfremdung ist das âTitulariumâ, die Zusammenfassung des Szeneninhalts vor seiner Darstellung auf der BĂźhne. Neben diesem Verzicht auf Spannung ist die offene Form, die lockere Anordnung der Ereignisse und Handlungsorte kennzeichnend fĂźr Brechts Dramenkonzept. Brecht gibt den klassischen Aufbau des Dramas nach Aristoteles und Gustav Freytag (Exposition und erregendes Moment, HĂśhepunkt mit Peripetie, retardierendes Moment und LĂśsung bzw. Katastrophe) auf. Er durchbricht die traditionell geforderte Beschränkung von Zeit und Ort und verzichtet auf die Bindung des Publikums durch Identifikation und Empathie.
Jan Knopf stellt als Funktion der Offenheit heraus, dass die Handlung fortsetzbar sei. Der Krieg sei am Schluss des StĂźckes nicht beendet, die Hoffnung der Courage, ihren Sohn Eilif wiederzusehen, sei â wie der Zuschauer wisse â vergeblich: âDiese Offenheit des Schlusses gibt in Aufnahme und Umwertung der âtragischen Ironieâ (die Tragik, die der Zuschauer, aber nicht der Held sieht, insofern fĂźr jenen âironischâ ist) diese Ironie an den Zuschauer und seine Wirklichkeit weiter: ihn ereilt die dargestellte Ironie der Geschichte, wenn er nicht sieht.âcite-ref-268[268]
Verfremdung in der Regiearbeit
Die epische Form dokumentiert sich aber nicht nur in Form und Inhalt des StĂźckes, sondern vor allem auf der BĂźhne. Erster Schritt bei der Inszenierung ist fĂźr Brecht die ZerstĂśrung einer realistischen, gefĂźhlvollen Atmosphäre. Das BĂźhnenbild im Deutschen Theater zeigte 1949 Requisiten und Aufbauten ârealistisch nach Bauart und Baumaterial, aber in kĂźnstlerischer Andeutungâ,cite-ref-bertolt-brecht-1949-176-1[176] hinzu kam ein mĂśglichst helles, weiĂes Licht, âso viel davon, wie die Apparate hergaben.âcite-ref-bertolt-brecht-1949-176-2[176] Ăber der Szene hingen in groĂen Buchstaben die Ortsbezeichnungen des jeweiligen Kriegsgeschehens.
Brecht votiert in seinen Anmerkungen zum Couragemodell gegen das âGeschäft der Täuschungâ, die Tendenz des Theaters zu âĂźbermäĂiger Steigerung der Illusionâ, gegen den Versuch âeiner âmagnetischenâ Spielweise, welche die Illusion hervorruft, man wohne einem momentanen, zufälligen, âechtenâ Vorgang beiâ.cite-ref-269[269] Der Schauspieler solle seinen Text aus einer inneren Distanz heraus sprechen, ihn gleichsam nur mitteilen.
Brecht setzt auf genaues Ausspielen kleiner Gesten, er arbeitet bei den Proben zur Courage gegen die âUngeduldâ der Schauspieler, âdie auf das MitreiĂen auszugehen gewohnt sindâ.cite-ref-270[270] Dennoch will Brecht auch die Emotionen des Publikums ansprechen, das Schicksal der Courage soll nicht gleichgĂźltig lassen. In einer Anmerkung zur 3. Szene etwa stellt er die Dramatik des Scheiterns der Courage heraus: âWichtig ist die nie erlahmende Arbeitswilligkeit der Courage. Sie wird kaum je gesehen, ohne daĂ sie arbeitet. Diese TĂźchtigkeit ist es, welche die Erfolglosigkeit des StĂźckes erschĂźtternd macht.âcite-ref-271[271]
Diese emotionale Beteiligung darf jedoch auf keinen Fall zur dauerhaften Identifikation mit der Courage fĂźhren, wenn man das StĂźck nicht missverstehen will. Brecht zeigt dies an der 4. Szene, als die Courage einen jungen Soldaten und indirekt sich selbst davon Ăźberzeugt, dass jeder Protest gegen die Militärs sinnlos ist. Durch das âLied von der groĂen Kapitulationâ zeigt die Courage vĂśllige Resignation gegenĂźber den Mächtigen:
Mutter Courage
âUnd bevor das Jahr war abgefahren
Lernte ich zu schlucken meine Medizin [âŚ]
Als sie einmal fix und fertig waren
Hatten sie mich auf dem Arsch und auf den Knien.
(Man muà sich stellen mit den Leuten, eine Hand wäscht die
andre, mit dem Kopf kann man nicht durch die Wand.)â (4. Szene)cite-ref-272[272]
Brecht kommentiert, dass âdie Szene, gespielt ohne Verfremdungâ,cite-ref-b207-273-0[273] zur vĂślligen Resignation verfĂźhren kĂśnnte. âEine solche Szene ist gesellschaftlich verhängnisvoll, wenn die Darstellerin der Courage das Publikum durch hypnotisches Spiel einlädt, sich in sie einzuleben.âcite-ref-b207-273-1[273] Was Brecht in dieser Szene zeigen will, ist die Resignation des KleinbĂźrgertums gegenĂźber Faschismus und Krieg. âEs ist nämlich nicht die Schlechtigkeit ihrer Person so sehr als die ihrer Klasse [âŚ]âcite-ref-274[274]
Interessant fßr das Konzept des epischen Theaters ist die wohl emotionalste, die 11. Szene des Stßckes, als die stumme Kattrin ihr Leben opfert, um die Stadt Halle zu retten. Einige Kritiker sehen die Stärke des Stßcks gerade in solchen dramatischen Szenen, die ihrer Meinung nach das brechtsche Konzept ßberschreiten. Brecht selbst weist darauf hin, dass emotionale Szenen und Momente der Identifikation durchaus in das Konzept des epischen Theaters passen, aber nur Momente bleiben dßrften. Brecht kommentiert im Couragemodell:
âZuschauer mĂśgen sich mit der stummen Kattrin dieser Szene identifizieren; sie mĂśgen sich einfĂźhlen in dieses Wesen und freudig spĂźren, daĂ in ihnen selbst solche Kräfte vorhanden sind â jedoch werden sie sich nicht durch das ganze StĂźck eingefĂźhlt haben; in den ersten Szenen zum Beispiel kaum.âcite-ref-275[275]
Er achtet bei der Inszenierung sorgfältig auf distanziertes Spiel, will âdie Szene vor einer wilden Aufregung auf der BĂźhne bewahrenâ.cite-ref-bbrecht8-221-3[221] Zu diesem Zweck lässt er etwa bei den Proben die Darsteller an die ĂuĂerungen der Figuren die Formel anhängen: âSagte der Mannâ oder âSagte die Frauâ.cite-ref-276[276] Andere bekannte Regieanweisungen Brechts verlangen die Ăbertragung der Aussagen in die dritte Person, in die Vergangenheit oder das Mitsprechen der Regieanweisungen.cite-ref-277[277]
Brecht arbeitet jedes Detail in Bezug auf Gestik und Arrangement der Gruppen minutiĂśs heraus. Das Betteln der Bauern bei den Soldaten um ihren Hof und um ihr Leben z. B. soll gespielt werden wie ein im Krieg oft vorgekommenes Ritual, eine âZeremonisierung der Abwehrgebärdenâ.cite-ref-278[278] Durch sorgfältig durchdachte Pantomime soll der wahre Charakter von Figur und Situation â zum Teil gegen das gesprochene Wort â deutlich werden. Edgar Hein unterscheidet dabei verschiedene Strategien: den Widerspruch zwischen KĂśrpersprache und Rede, die Darstellung verborgener CharakterzĂźge, die Unterstreichung einer Emotion und die symbolische Darstellung eines Motivs.cite-ref-279[279]
Brecht bemerkt selbstkritisch zur Berliner AuffĂźhrung, das epische Konzept sei hier noch nicht vollständig realisiert worden. Um seine Vorstellung zu verdeutlichen, verweist er auf Umbesetzungsproben, in denen Darsteller Neulingen kurz wesentliche Aspekte einer Szene demonstriert hätten. âDa âmarkiertenâ die Schauspieler die Stellungen und Tonfälle, und das Ganze bekam dieses kĂśstliche Lockere, MĂźhelose, Nichtdringliche, das den Zuschauer zu selbständigen Gedanken und GefĂźhlen anregt.âcite-ref-brecht1949-242-179-1[179]
Verfremdungseffekte durch Sprache
Durch Bedeutungsumkehr und Veränderung eingeschliffener sprachlicher Wendungen und SprichwĂśrter erzielt Brecht Irritation und eine entlarvende Wirkung: Das herrschende Denken wird als Denken der Herrschenden in Frage gestellt. Das bekannteste Beispiel in der Mutter Courage stammt aus dem âLied von der groĂen Kapitulationâ. Die automatisierte Folie bildet ein bekanntes mittelalterliches Zitat: âDer Mensch denkt, Gott lenkt.âcite-ref-280[280] Brecht kehrt die Bedeutung des schicksals- und gottesgläubigen Sprichworts durch EinfĂźgen eines Doppelpunktes um: âDer Mensch denkt: Gott lenktâ.cite-ref-281[281]
Jan Knopf sieht in dieser sprachlichen Verfremdung ein Strukturprinzip des Dramas:
â[âŚ] der Mensch steht nicht mehr unter dem Schutz Gottes, seiner Lenkung, der gegenĂźber alles menschliche Denken, Planen, umsonst ist, es scheint nur so âals obâ â der Mensch ist allein, der Verlass auf Ăbermenschliches, GĂśttliches ist Irrtum. Diese sprachlichen Umwertungen prägen das StĂźck durchgängig und korrespondieren den inhaltlichen: statt Kriegen brechen âdie Friedenâ aus, Ăberfälle sind Schutzaktionen, Tugenden sind Untugenden, der Krieg wird liebevoll als âPersonâ behandelt â âDer Krieg kann sich verschnaufen mĂźssen, ja, er kann sozusagen verunglĂźckenâ (der Feldprediger in der 6. Szene) und die Menschheit âschieĂt ins Kraut im Friedenâ (der Feldwebel in der 1. Szene) etc.âcite-ref-282[282]
Anordnung der Szenen
Da Brecht auf die Spannungskurve des klassischen Dramas verzichten will und die einzelnen Szenen keinem strengen Aufbauprinzip folgen, setzt Brecht andere Mittel ein, das Drama zu strukturieren. Das Wiederaufgreifen des Liedes der Courage vom Anfang am Ende des StĂźcks bildet eine Art Rahmen, den in der Berliner Inszenierung die Wiederholung des offenen Rundhorizonts des BĂźhnenbildes unterstĂźtzte. Dabei zeigen die beiden Bilder einen deutlichen Gegensatz. Zeigt das erste Bild die Familie vereint auf dem intakten Wagen, so zieht die verelendete Courage am Ende den leeren Wagen allein in den Krieg.
âDie beiden Kontrasthandlungen umklammern das StĂźck. Der rollende Planwagen, ein sich durch die ganze Dramenhandlung ziehendes Leitmotiv, ist am Anfang mit einer frischen Plane ein wohl ausgestattetes Warenlager eines gut gehenden Handelsgeschäfts, am Ende, mit zerfetzter Plane und leer, das Elendsjoch einer mĂźden alten Frau.âcite-ref-283[283]
Zwischen diesen Extremen entwickelt sich die Handlung nach unterschiedlichen Prinzipien. Absteigende Kurven zeigen die langsame ZerstĂśrung der Familie und parallel die Verelendung der BevĂślkerung im Kriegsgebiet. Einen Bogen schlägt die Entwicklung des Handelserfolgs der Courage. âSie gipfelt ziemlich genau in der Mitte, wieder mit dem Bild des Wagenziehens unter dem Szenentitel (7): Mutter Courage auf der HĂśhe ihrer geschäftlichen Laufbahn.âcite-ref-284[284]
Ein weiteres Strukturprinzip ist die Koppelung der Ereignisse an den Verlauf des DreiĂigjährigen Krieges. Die Jahreszahlen zu den einzelnen Szenen werden im Titularium angegeben oder lassen sich aus dem Inhalt rekonstruieren. Durch den Verweis auf prominente Ereignisse des Krieges und die Jahreszahlen entsteht der âEindruck historischer Authentizitätâ.cite-ref-285[285] Dargestellt werden die Jahre vom FrĂźhjahr 1624 bis zum Winter 1636 mit unterschiedlichen ZeitsprĂźngen zwischen den Bildern. Durch die Ausschnitthaftigkeit weiĂ der Zuschauer, dass der Krieg vor den dargestellten Ereignissen begann und sich noch lange fortsetzen wird.
Beziehungen zwischen Szenen entstehen auch durch Parallelisierungen und Kontraste. Edgar Hein weist mehrere solcher Verbindungen nach, etwa die Verbindung zwischen den Szenen 2 und 8 durch die beiden âHeldentatenâ Eilifs oder der Szenen 7 und 10 durch den Kontrast zwischen Sesshaftigkeit der Bauern und Ungebundenheit der Courage. âDie szenischen und motivischen Entgegensetzungen ziehen sich durch das ganze StĂźck. Jendreiek spricht von einem bipolaren Strukturprinzip, Marianne Kesting von szenischer Rhythmik.âcite-ref-286[286]
Helmut Jendreiek spricht von âepische(n) Montagetechnikenâ mit âdrei Gestaltungsprinzipienâ:cite-ref-287[287] den eingeblendeten Einleitungen zu den Szenen, den Songs und den eigentlichen Szenen. In Songs und Szenentiteln sieht Jendreiek das Epische Ich repräsentiert, das mehr weiĂ als die auf der BĂźhne handelnden Figuren. Durch die Titel wĂźrden diese Figuren âhistorisiertâ, d. h., dass sie âals nicht fixiert, sondern veränderlich erscheinen.âcite-ref-288[288]
Henning Rischbieter betrachtet 1966 die 12 Bilder, die 12 Jahre darstellen, unter verschiedenen Aspekten. Analysiere man die Orte der Handlung, so gebe es 11, betrachte man die Einheit der Zeit, dann 14 Sinneinheiten. Bezßge zur klassischen Form des fßnfaktigen Dramas ergäben sich, wenn man die Entwicklung der Familie in den Vordergrund stelle.cite-ref-henning-rischbieter-1966-289-0[289]
⢠1. Akt: Eilif verlässt die Familie und wird erfolgreicher Soldat
⢠2. Akt: Verlust des Schweizerkas
⢠3. Akt: Die Courage schickt Kattrin allein in die Stadt, um Waren einzukaufen. Auf dem Rßckweg wird Kattrin vergewaltigt und verunstaltet. Schluss mit dem HÜhepunkt des Stßckes: Die Courage verflucht den Krieg.
⢠4. Eilif wird als MÜrder erschossen, ohne dass die Mutter davon erfährt.
⢠5. Kattrin opfert sich, um die Stadt Halle zu retten.cite-ref-henning-rischbieter-1966-289-1[289]
Doppelszenen
Einen kritischen Blick auf das Geschehen auf der Bßhne erÜffnen auch die Doppelszenen. In der zweiten Szene wird gleichzeitig die Begegnung Eilifs mit dem Feldhauptmann und die Kßchenszene zwischen Koch und Courage präsentiert. In der dritten Szene beobachtet das Publikum gleichzeitig Kattrins Spiel mit den roten Schuhen der Lagerhure und das Gespräch zwischen Courage, Feldprediger und Koch. Jan Knopf fßhrt Brechts Idee der Doppelung auf Experimente im expressionistischen Film zurßck und stellt die relativierende Wirkung der Doppelung heraus:
âInhaltlich relativieren sich beide Handlungen gegenseitig und zeigen zugleich ihre ZusammengehĂśrigkeit; vom Zuschauer aus gesehen, wirken sie wie der Schluss des Dramas: er sieht mehr, als die Personen zu sehen vermĂśgen. Brecht versucht, dem Zuschauer sein Sehen â gegenĂźber der Blindheit der Personen â bewuĂt zu machen.âcite-ref-290[290]
Einen vergleichbaren Effekt erzeugt nach Knopf auch die klassische Mauerschau in der 6. Szene: Der Feldprediger berichtet von der im Hintergrund stattfindenden Beerdigung Tillys, während die Courage im Vordergrund Socken zählt. Dieser Kontrast relativiere zugleich das historische Ereignis, das doch auch Wirkung auf das Schicksal der kleinen Leute habe.cite-ref-291[291]
Funktion der Musik und der Songs
â
Hauptartikel
:
Mutter Courage und ihre Kinder (Vertonung)
Im StĂźck gibt es insgesamt zwĂślf Lieder, ungleichmäĂig verteilt auf die zwĂślf Szenen, welche die Handlung immer wieder unterbrechen, um sie zu deuten und zu interpretieren. Sie sind Teil des Versuchs, den Eindruck von Realität des BĂźhnengeschehens zu zerstĂśren. Durch die Songs soll Schauspielern und Publikum Rollendistanz ermĂśglicht werden. BĂźhnenbild und Beleuchtung hoben in der Berliner Inszenierung von 1949 die Songs deutlich vom Ăźbrigen Geschehen ab. Dennoch bleiben die Songs enger mit dem szenischen Geschehen verbunden als in frĂźheren BrechtstĂźcken.
Literatur
Siglenliste
⢠GBA = Bertolt Brecht: Werke. GroĂe kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Hg. von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei, Klaus-Detlef MĂźller. 30 Bände und ein Registerband, 1998â2000.
⢠Mutter Courage = Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. In: GBA Band 6, StĂźcke 6, Suhrkamp, Berlin / Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-518-40066-1, S. 7â86.
Textausgaben
⢠Vorabdruck der 6. Szene in: Internationale Literatur (ZS), Moskau Dezember 1940.
⢠Bßhnenmanuskript von 1941, Theaterverlag Kurt Reiss, Basel 1941.
⢠englische Ausgabe, ßbersetzt von H. R. Hays: Mother Courage, Norfolk 1941 (erste vollständige Ausgabe).
⢠Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Erstdruck Suhrkamp, Berlin 1949.
⢠Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem DreiĂigjährigen Krieg. In: Versuche, Heft 9 [2. Auflage] (Versuche 20â21), Suhrkamp, Berlin 1950, S. 3â80 (20. Versuch, veränderte Textfassung).
⢠Mutter Courage und ihre Kinder. Bßhnenfassung des Berliner Ensembles, Henschel, Berlin 1968.
⢠Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem DreiĂigjährigen Krieg. 66. Auflage, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2010 (Erstausgabe 1963), ISBN 978-3-518-10049-3 (edition suhrkamp 49).
⢠Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder: In: GBA (Band 6): StĂźcke 6, Suhrkamp, Berlin / Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-518-40066-1, S. 7â86.
⢠Bertolt Brecht; Jan Esper Olsson (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder â Historisch-kritische Ausgabe. Liber Läromedel, Lund 1981, ISBN 91-40-04767-9.
Verfilmung
⢠1955: Mutter Courage und ihre Kinder (Film, Unvollendet) Regie: Wolfgang Staudte
⢠1957: Mutter Courage und ihre Kinder (Theateraufzeichnung), Regie: Bertolt Brecht und Erich Engel (Deutscher Fernsehfunk)
⢠1961: Mutter Courage und ihre Kinder (Theateraufzeichnung), DEFA-Film, nach einer Inszenierung von Bert Brecht und Erich Engel im Berliner Ensemble, mit Helene Weigel, Angelika Hurwicz, Ekkehard Schall, Heinz Schubert, Ernst Busch und weiteren Ensemblemitgliedern, Film-Regie: Peter Palitzsch und Manfred Wekwerth, Musik Paul Dessau
Sekundärliteratur
⢠Dichter, Komponist â und einige Schwierigkeiten, Paul Burkhards Songs zu Brechts ÂŤMutter CourageÂť. NZZ vom 9. März 2002 (online).
⢠Boeddinghaus, Walter: Bestie Mensch in Brechts Mutter Courage. Acta Germanica 2 (1967), S. 81â88.
⢠Bertolt Brecht: Texte zu Stßcken, Schriften 4. In: GBA Bd. 24, Berlin, Frankfurt am Main 1991.
⢠Bertolt Brecht: Couragemodell 1949. In: Schriften 5, GBA Bd. 25, Berlin, Frankfurt am Main 1994, S. 169â398.
⢠Ingo Breuer: Theatralität und Gedächtnis: deutschsprachiges Geschichtsdrama seit Brecht. Dissertation Marburg 2001. KÜlner germanistische Studien, N.F., 5. KÜln u. a. 2004.
⢠Sarah Bryant-Bertail: Space and time in epic theater: the Brechtian legacy. Studies in German literature, linguistics, and culture. Camden House, Columbia, S.C. / Boydell & Brewer, Woodbridge 2000, ISBN 1-57113-186-8.
⢠Stephan Buchloh: âPervers, jugendgefährdend, staatsfeindlichâ: Zensur in der Ăra Adenauer als Spiegel des gesellschaftlichen Klimas. Campus-Verlag, Frankfurt/Main [u. a.] 2002 (zugleich Dissertation: Freie Universität Berlin 1999).
⢠Gerd Eversberg: Bertolt Brecht â Mutter Courage und ihre Kinder: Beispiel fĂźr Theorie und Praxis des epischen Theaters. Beyer, Hollfeld 1976.
⢠Kenneth R. Fowler: The Mother of all Wars: A Critical Interpretation of Bertolt Brechtâs Mutter Courage und ihre Kinder. Department of German Studies, McGill University Montreal, August, 1996 (A thesis subntitted to the Faculty of Graduate Studies and Research in partial fulfilment of the requirements of the degree of Doctor of Philosophy; [2]).
⢠Therese Giehse: Ich habe nichts zum Sagen: Gespräche mit Monika Sperr. Bertelsmann, Mßnchen 1974.
⢠Claire Gleitman: All in the Family: Mother Courage and the Ideology in the Gestus. Comparative Drama. 25.2 (1991), S. 147â67.
⢠Wilhelm GroĂe: Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. KĂśnigs Erläuterungen: Textanalyse und Interpretation (Bd. 318). C. Bange Verlag, Hollfeld 2011, ISBN 978-3-8044-1924-7.
⢠Werner Hecht: Materialien zu Brechts âMutter Courage und ihre Kinderâ. Frankfurt am Main 1964.
⢠Fritz Hennenberg (Hrsg.): Brecht Liederbuch. Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-37716-7.
⢠Fritz Hennenberg: Simon Parmet, Paul Burkhard. Die Musik zur UrauffĂźhrung von âMutter Courage und ihre Kinderâ. In: notate. Informations- und Mitteilungsblatt des Brecht-Zentrums der DDR. 10 (1987), H. 4, S. 10â12 (= Studie Nr. 21).
⢠Manfred Jäger: Zur Rezeption des StĂźckeschreibers Brecht in der DDR. Text + Kritik. Sonderband Bertolt Brecht 1. (1971), S. 107â118.
⢠Helmut Jendreiek: Bertolt Brecht: Drama der Veränderung. Bagel, Dßsseldorf 1969, ISBN 3-513-02114-3.
⢠Kenneth Knight: Simplicissimus und Mutter Courage. Daphnis 5 (1976), S. 699â705.
⢠Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. UngekĂźrzte Sonderausgabe. Metzler, Stuttgart 1986, ISBN 3-476-00587-9, Anmerkungen zur Mutter Courage S. 181â195.
⢠Joachim Lang: Episches Theater als Film: Bßhnenstßcke Bertolt Brechts in den audiovisuellen Medien. KÜnigshausen & Neumann, 2006, ISBN 3-8260-3496-1.
⢠Leopold Lindtberg: PersĂśnliche Erinnerungen an Bertolt Brecht. Reden und Aufsätze. Atlantis, ZĂźrich 1972, S. 20â124.
⢠Gudrun Loster-Schneider: Von Weibern und Soldaten: Balladeske Textgenealogien von Brechts frßher Kriegslyrik. In: Lars Koch; Marianne Vogel (Hrsg.): Imaginäre Welten im Widerstreit. Krieg und Geschichte in der deutschsprachigen Literatur seit 1900. KÜnigshausen und Neumann, Wßrzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3210-3.
⢠Joachim Lucchesi: Emanzipieren Sie Ihr Orchester! BĂźhnenmusik zu Schweizer Brecht-Premieren. In: Dreigroschenheft, 18. Jg., Heft 1/2011, S. 17â30 (vorher publiziert in: dissonance. Schweizer Musikzeitschrift fĂźr Forschung und Kreation, Heft 110 (Juni 2010), S. 50â59).
⢠Karl-Heinz Ludwig: Bertolt Brecht: Tätigkeit und Rezeption von der Rßckkehr aus dem Exil bis zur Grßndung der DDR. Kronberg im Taunus 1976.
⢠Marion Luger: âMutter Courage und ihre Kinderâ. Die Analyse des Songs als Mittel zur Verfremdung. Grin Verlag, 2009, ISBN 3-640-42956-7.
⢠Krisztina Mannåsz: Das Epische Theater am Beispiel Brechts Mutter Courage und ihre Kinder: Das epische Theater und dessen Elemente bei Bertolt Brecht. VDM Verlag, 2009, ISBN 978-3-639-21872-5.
⢠Franz Norbert Mennemeier: Mutter Courage und ihre Kinder. In: Benno von Wiese: Das deutsche Drama. DĂźsseldorf 1962, S. 383â400.
⢠Joachim MĂźller: Dramatisches, episches und dialektisches Theater. In: Reinhold Grimm: Episches Theater. Kiepenheuer & Witsch, KĂśln 1971, ISBN 3-462-00461-1, S. 154â196.
⢠Klaus-Detlef MĂźller: Brechts âMutter Courage und ihre Kinderâ. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1982, ISBN 3-518-38516-X (umfangreicher Sammelband mit Aufsätzen und anderen Materialien).
⢠August Obermayer: Die dramaturgische Funktion der Lieder in Brechts Mutter Courage und ihre Kinder. Festschrift fĂźr E. W. Herd. Ed. August Obermayer. University of Otago, Dunedin 1980, S. 200â213.
⢠Teo Otto: Bßhnenbilder fßr Brecht. Brecht auf deutschen Bßhnen: Bertolt Brechts dramatisches Werk auf dem Theater in der Bundesrepublik Deutschland. InterNationes, Bad Godesberg 1968.
⢠Andreas Siekmann: Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Klett Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-12-923262-1.
⢠Petra Stuber: Spielräume und Grenzen: Studien zum DDR-Theater. Forschungen zur DDR-Gesellschaft. 2. durchges. Auflage. Links, Berlin 2000.
⢠Dieter Thiele: Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. Diesterweg, Frankfurt 1985.
⢠Gßnter Thimm: Das Chaos war nicht aufgebraucht. Ein adoleszenter Konflikt als Strukturprinzip von Brechts Stßcken. Freiburger literaturpsychologische Studien, Bd. 7. 2002, ISBN 978-3-8260-2424-5.
⢠Friedrich WĂślfel: Das Lied der Mutter Courage. In: Rupert Hirschenauer (Hrsg.): Wege zum Gedicht. Schnell und Steiner, MĂźnchen 1963, S. 537â549.
Weblinks
⢠Bertolt Brecht: Das epische Theater (um 1936) (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive)
⢠Bertolt Brecht: Ăber experimentelles Theater (1939) (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive)
⢠Deutsches Historisches Museum Berlin: Bertolt Brecht 1898â1956
⢠Manfred Wekwerth: Was bedeutet eigentlich Realität auf der Bßhne? oder Die realen Chancen des Theaters. Marxistische Blätter 4/2009
⢠Inszenierung des Schauspiels KÜln, 1987, auf YouTube. Regie: Manfred Karge. Mit Ursula Karusseit, Andreas Sindermann, Elke Czischek, Wolfgang Rßter u.v.a.m.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Stephen Parker: Bertolt Brecht. A Literary Life. 2014, S. 403â417.
cite-note-22. â Brecht schrieb am 27. Mai 1940 an Erwin Piscator Ăźber Steffin: âAuĂerdem ist sie Mitarbeiterin bei âFurcht und Elendâ, âGalileiâ und âMutter Courageâ und genauso kannst Du sagen, dass sie bei den theoretischen Arbeiten mitgearbeitet hatâ (hier zitiert nach "KĂźnste im Exil" [1])
cite-note-33. â Christian Jauslin: Leopold Lindtberg. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, ZĂźrich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1115 f.
cite-note-44. â Bertolt Brecht: Couragemodell 1949. In: Schriften 5, GBA Bd. 25, Berlin / Frankfurt am Main 1994, S. 169â398.
cite-note-55. â Gerhard Stadelmaier: Mutter Courage und ihre Kinder: Zadek inszeniert Brecht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2003.
cite-note-66. â Peymanns Inszenierung (Memento vom 20. November 2010 im Internet Archive) auf der Seite des Berliner Ensembles.
cite-note-77. â Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. In: GBA Bd. 6, S. 57, im Folgenden zitiert als âMutter Courageâ; Original in: Versuche, Heft 9, 2. Auflage (Versuche 20â21), Suhrkamp, Berlin/West 1950, S. 3â80 (20. Versuch); zu den Textvarianten siehe GBA Bd. 6, S. 381ff.; eine Inhaltsangabe der Version mit 9 Szenen hat Brecht selbst unter dem Titel Dramatische Kurve verfasst: Bertolt Brecht: Schriften 4, in: BFA, Bd. 24, S. 258ff.
cite-note-88. â Zur Erklärung, warum die âarmen Leute ⌠Courageâ brauchen, gibt Mutter Courage im 6. Bild an, dass sie im Grunde kaum eine Chance hätten, âsie sind verloren.â Es gehĂśre Mut dazu, im Krieg Kinder in die Welt zu setzen und den Acker zu bestellen im Krieg. âDaĂ sie einen Kaiser und einen Papst dulden, das beweist eine unheimliche Courage, denn die kosten ihnen das Leben.â (Mutter Courage, S. 57)
cite-note-referencea-99. â Mutter Courage, 4. Szene, S. 50
cite-note-1010. â Mutter Courage, S. 65
cite-note-1111. â Zur Zusammenfassung des Plots siehe auch Brechts pointierte Darstellung zur ersten Fassung unter dem Titel âDramaturgische Kurveâ (Typoskript) aus dem Jahre 1939, in: Bertolt Brecht: Schriften 4, in: GBA Bd. 24, S. 258.
cite-note-1212. â Mutter Courage, Anmerkungen S. 377f.; laut Steffin dauerte die komplette Niederschrift vom 27./28. September bis zum 29. Oktober / 3. November 1939.
cite-note-1313. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 182.
cite-note-1414. â Werner Hecht: Materialien zu Brechts âMutter Courage und ihre Kinderâ. Frankfurt am Main 1964, S. 90.
cite-note-1515. â vgl. Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Brechts Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 11.
cite-note-1616. â Hartmut Reiber: Grßà den Brecht. Das Leben der Margarete Steffin. Eulenspiegel, Berlin 2008, S. 305.
cite-note-1717. â vgl. Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 183f.
cite-note-1818. â Trutz Simplex, 3. Kapitel, zitiert nach: zeno.org http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimmelshausen,+Hans+Jakob+Christoffel+von/Romane/Trutz+Simplex/Das+3.+Kapitel?hl=nach+der+courasche+gegriffen
cite-note-1919. â vgl. Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Brechts Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 12f.
cite-note-knopf183-2020. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 183.
cite-note-2121. â Grimmelshausen, Simplicissimus, 5. Kapitel, zitiert nach zeno.org http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimmelshausen,%20Hans%20Jakob%20Christoffel%20von/Romane/Der%20abenteuerliche%20Simplicissimus%20%28Ausgabe%201956%29/Das%20f%FCnfte%20Buch/5.%20Kapitel
cite-note-2222. â Die Courage lernt nichts, in: Bertolt Brecht: Texte zu StĂźcken, Schriften 4, in: GBA Bd. 24, S. 271.
cite-note-breuer111-2323. â Ingo Breuer: Theatralität und Gedächtnis. 2004, S. 111.
cite-note-2424. â Die Courage lernt nichts, in: Bertolt Brecht: Texte zu StĂźcken, Schriften 4, in: GBA Bd. 24, S. 271f.
cite-note-2525. â Jan Knopf: Brecht Handbuch Theater. 1986, S. 179f.
cite-note-die-courage-lernt-nichts-s-272-2626. â Die Courage lernt nichts, in: Bertolt Brecht: Texte zu StĂźcken, Schriften 4, in: GBA Bd. 24, S. 272.
cite-note-knopf184-2727. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 184.
cite-note-2828. â Mutter Courage und ihre Kinder, S. 30f.
cite-note-2929. â 1. Buch der KĂśnige, 2.32
cite-note-3030. â Mutter Courage, Anmerkungen, S. 404
cite-note-3131. â UrsprĂźnglich geht dieses Zitat auf das Alte Testament zurĂźck, wo der Herr die Soldaten der Ăgypter bei der Verfolgung der ausziehenden Israeliten âmit Ross und Mann und Wagenâ vertilgt, indem er das Wasser des Roten Meers Ăźber sie zusammenschlagen lässt.
cite-note-mutter-courage-s-30-3232. â Mutter Courage, S. 30
cite-note-3333. â Mutter Courage, S. 58
cite-note-3434. â Mutter Courage, S. 31
cite-note-3535. â âBrecht was sceptical of the freedom which the bourgeoisie claimed to represent.â; Kenneth R. Fowler: The Mother of all Wars, S. 244 (Ăbersetzung Mbdortmund)
cite-note-3636. â Bert Brecht: Freiheit und Democracy. In: GroĂe kommentierte BFA, Bd. 15, Gedichte 5, S. 183f.
cite-note-3737. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 245.
cite-note-3838. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 185.
cite-note-3939. â Ingo Breuer: Theatralität und Gedächtnis. 2004, S. 110
cite-note-4040. â GĂźnther RĂźhle: Der lange Weg der Mutter Courage. Die UrauffĂźhrung in ZĂźrich und ihre Folgen â Bertolt Brecht zwischen New York, ZĂźrich, Berlin und MĂźnchen. In: Theater heute, November 2003, S. 30.
cite-note-knopf182-4141. â vgl. Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 182.
cite-note-4242. â zitiert nach: GĂźnther RĂźhle: Der lange Weg der Mutter Courage. Die UrauffĂźhrung in ZĂźrich und ihre Folgen â Bertolt Brecht zwischen New York, ZĂźrich, Berlin und MĂźnchen. In: Theater heute, November 2003, S. 30.
cite-note-4343. â GĂźnther RĂźhle: Der lange Weg der Mutter Courage. Die UrauffĂźhrung in ZĂźrich und ihre Folgen â Bertolt Brecht zwischen New York, ZĂźrich, Berlin und MĂźnchen. In: Theater heute, November 2003, S. 30.
cite-note-referencec-4848. â E. Th. (wahrscheinlich Elisabeth Thommen): Eine UrauffĂźhrung von Bertolt Brecht. National-Zeitung No. 183, Basel vom 22. April 1941; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Brechts Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 59.
cite-note-4949. â E. Th. (wahrscheinlich Elisabeth Thommen): Eine UrauffĂźhrung von Bertolt Brecht. National-Zeitung No. 183, Basel vom 22. April 1941; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Brechts Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 58.
cite-note-5050. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. XIX: âThe drama had to wait until April 1941 before its world premiere in Zurich (when Brecht was in Finland 1940â1941), but from that moment the lines were drawn for two competing interpretations: one which, like Brecht, blamed the merchant for her participation in war, and one which seemed implicitly to excuse the mother for that same participation.â
cite-note-5151. â zitiert nach: Petra Stuber: Spielräume und Grenzen: Studien zum DDR-Theater. Forschungen zur DDR-Gesellschaft. 2. durchges. Auflage. Links, Berlin 2000, S. 54f.
cite-note-5252. â Bertolt Brecht: Briefe 2, in: BFA, Bd. 29, S. 372.
cite-note-5353. â Journale 2, S. 284, Eintrag vom 25. November 1948
cite-note-5454. â Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln, Bd. 2, S. 281.
cite-note-5555. â Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln, Bd. 2, S. 314.
cite-note-5656. â Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln, Bd. 2, S. 323f.
cite-note-5757. â Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln, Bd. 2, S. 326.
cite-note-5858. â Die Besetzung der Berliner UrauffĂźhrung: Ein Werber: Wolfgang KĂźhne; Feldwebel: Gerhard Bienert; Mutter Courage: Helene Weigel; Eilif: Ernst Kahler; Schweizerkas: Joachim Teege; Kattrin: Angelika Hurwicz; Koch: Paul Bildt; Feldhauptmann: Paul Esser; Feldprediger: Werner Hinz; Zeugmeister: Artur Malkowski; Yvette Pottier: Renate Keith; älterer Soldat: Gustav Mahnke; Zweiter Feldwebel: Werner Segtrop; Der Einäugige: Hans Hasche; Obrist: Franz Weber; Schreiber: Ingo Osterloh; jĂźngerer Soldat: Gert Schaefer; Erster Soldat: Herbert Richter; Zweiter Soldat: Gerhard Knape; Ein Bauer: Curt Lampe; Eine Bäurin: Paula Kramer; Ein Soldat: Richard ThĂźmmler; Die alte Frau: Käthe Reichel; Der junge Mann: Ottokar Runze; Ein Soldat: Hans Schille; Frauenstimme: Hanna Kleinschmid; Ein singendes Mädchen: Madlon Harder; Der Fähnrich: Herwart Grosse; Erster Soldat: Hubert Suschka; Zweiter Soldat: Johannes Knittel; Der alte Bauer: Erich Dunskus; Die Bäurin: Gerda MĂźller; Der junge Bauer: Peter Marx; Regie: Erich Engel und Bertolt Brecht; BĂźhnenbilder: Heinrich Kilger; Musikalische Leitung: Heinz Hartig; Musik: Paul Dessau; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Brechts Mutter Courage und ihre Kinder, 1982, S. 71ff.
cite-note-5959. â Journale 2, S. 286, Eintrag vom 10. Dezember 1948
cite-note-6060. â Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln, Bd. 2, S. 32.
cite-note-6161. â Manfred Wekwerth: Politisches Theater und Philosophie der Praxis oder Wie Brecht Theater machte 23. November 2005 (Memento vom 19. Februar 2011 im Internet Archive)
cite-note-6262. â vgl. Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln, Bd. 2, S. 326f.
cite-note-6363. â Paul Rilla: Gegen den deutschen Kriegmythos: Bert Brechts âMutter Courageâ im Deutschen Theater. Berliner Zeitung, 13. Januar 1949, zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 75.
cite-note-p-r-lla1-6464. â Paul RĂźlla: Gegen den deutschen Kriegmythos: Bert Brechts âMutter Courageâ im Deutschen Theater. Berliner Zeitung, 13. Januar 1949, zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 77.
cite-note-6565. â Paul Rilla: Gegen den deutschen Kriegmythos: Bert Brechts âMutter Courageâ im Deutschen Theater. Berliner Zeitung, 13. Januar 1949, zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 76f.
cite-note-6666. â Paul Rilla: Gegen den deutschen Kriegmythos: Bert Brechts âMutter Courageâ im Deutschen Theater. Berliner Zeitung, 13. Januar 1949, zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 78.
cite-note-6767. â bpb.de: Sabine Kebir: Brecht und die politischen Systeme â Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 23-24/2006), S. 28; Abruf am 9. Januar 2011.
cite-note-6868. â Fritz Erpenbeck: Einige Bemerkungen zu Brechts âMutter Courageâ. In: Die WeltbĂźhne, Hrsg. von M. v. Ossietzky und H. Leonhard 1949, S. 101â103; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. suhrkamp materialien, 1982, S. 83.
cite-note-6969. â Hans Wilfert: Das Leiden am Krieg. Neue Zeit, 13. Januar 1949; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 296.
cite-note-7070. â Karl-Heinz Ludwig: Bertolt Brecht: Tätigkeit und Rezeption von der RĂźckkehr aus dem Exil bis zur GrĂźndung der DDR. Kronberg im Taunus 1976; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 298.
cite-note-7171. â Karl-Heinz Ludwig: Bertolt Brecht: Tätigkeit und Rezeption von der RĂźckkehr aus dem Exil bis zur GrĂźndung der DDR. Kronberg im Taunus 1976; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 297.
cite-note-7272. â Karl-Heinz Ludwig: Bertolt Brecht: Tätigkeit und Rezeption von der RĂźckkehr aus dem Exil bis zur GrĂźndung der DDR. Kronberg im Taunus 1976; zitiert nach: Klaus-Detlef MĂźller (Hrsg.): Mutter Courage und ihre Kinder. 1982, S. 300f.
cite-note-7373. â Edgar Hein: Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. MĂźnchen 1994, S. 88.
cite-note-7474. â John Fuegi: Brecht & Co: Biographie. Autorisierte erweiterte und berichtigte deutsche Fassung von Sebastian Wohlfeil, 1997, ISBN 3-434-50067-7, S. 731.
cite-note-7575. â John Fuegi: Brecht & Co. 1997, S. 733.
cite-note-7676. â im Original Deutsch; Eric Bentley: Bentley on Brecht. Northwestern University Press, Evanston, Ill. 2008, S. 429.
cite-note-7777. â vgl. Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 519.
cite-note-7878. â Gerhard Ebert: Bertolt Brechts âMutter Courage und ihre Kinderâ. Premiere vor 50 Jahren im Deutschen Theater Berlin. In: Neues Deutschland. 11. Januar 1999.
cite-note-7979. â Roland Barthes: ThÊâtre capital. France Observateur, 8. Juli 1954; auf Deutsch in: Roland Barthes (Autor), Jean-Loup Rivière (Hrsg.): Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin. Schriften zum Theater. Alexander Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89581-068-1, S. 102f.
cite-note-8080. â Farshid Motahari: Brecht und Peymann in Teheran. KĂślner Stadtanzeiger online, 13. Februar 2008.
cite-note-8181. â Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 516f.
cite-note-8282. â Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 517f.
cite-note-8383. â vgl. Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 517.
cite-note-8484. â zur Rolle Peter Hoenselaers am Dortmunder Theater vgl.: Mathias Bigge: Kulturpolitik im Ruhrgebiet. In: Rainer Bovermann, Stefan Goch, Heinz-JĂźrgen Priamus (Hrsg.): Das Ruhrgebiet â Ein starkes StĂźck Nordrhein-Westfalen. Politik in der Region 1946â1996. Essen 1996, ISBN 3-88474-524-7, S. 513.
cite-note-8585. â zitiert nach: Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 523.
cite-note-8686. â vgl. Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 518.
cite-note-8787. â Couragemodell 1949, Anhang: Die Benutzung des Modells, in: Bertolt Brecht, BFA, Schriften 5, Bd. 25, S. 394.
cite-note-8888. â Berliner Ensemble, Helene Weigel (Hrsg.): Theaterarbeit. 6 AuffĂźhrungen des Berliner Ensembles. Dresden 1952.
cite-note-8989. â vgl. Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 519f.
cite-note-9090. â vgl. Anmerkungen zum Couragemodell, in: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 520.
cite-note-9191. â Der Vater und sein Erbe welt.de, 16. Oktober 2010, Abruf am 9. Januar 2011.
cite-note-9292. â Matthias Matussek: Erben: Tortenschlacht um Brecht. In: Der Spiegel. Nr. 15, 1997, S. 179 (online â 7. April 1997).
cite-note-9393. â vgl. Matthias Matussek: Erben. 1997, S. 179f.
cite-note-9494. â vgl. Matthias Matussek: Erben. 1997, S. 180f.
cite-note-9595. â vgl. 100 Jahre Volkstheater. Theater. Zeit. Geschichte. Jugend und Volk, Wien/MĂźnchen 1989, ISBN 3-224-10713-8; vgl. Kurt Palm: Vom Boykott zur Anerkennung: Brecht und Ăsterreich. LĂścker, 1984, S. 196 und: Peter Thomson, Vivien Gardner: Brecht: Mother Courage and her children. Cambridge University Press, 1997, S. 120.
cite-note-9696. â Brecht-Courage. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1963, S. 13 (online â 9. Januar 1963). Wien: Brecht in die Burg. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1966, S. 170â173 (online â 31. Oktober 1966).
cite-note-9797. â Stephan Buchloh: âPervers, jugendgefährdend, staatsfeindlichâ: Zensur in der Ăra Adenauer als Spiegel des gesellschaftlichen Klimas. Campus-Verlag, Frankfurt/Main [u. a.] 2002, S. 141.
cite-note-9898. â Stephan Buchloh: âPervers, jugendgefährdend, staatsfeindlichâ. 2002, S. 162.
cite-note-9999. â vgl. Stephan Buchloh: âPervers, jugendgefährdend, staatsfeindlichâ. 2002, S. 162f.
cite-note-100100. â vgl. Stephan Buchloh: âPervers, jugendgefährdend, staatsfeindlichâ. 2002, S. 165f.
cite-note-dessau122-101101. â Paul Dessau: Zur Courage-Musik. S. 122.
cite-note-102102. â vgl. Bertolt Brecht: Journale 2, BFA, Band 27, S. 307, 14. Oktober 1949.
cite-note-103103. â Bertolt Brecht: Prosa 5, GBA Band 20, S. 582â587.
cite-note-spiegel1960-49-104104. â Brecht: Braun eingefärbt. In: Der Spiegel. Nr. 4, 1960, S. 49 (online â 20. Januar 1960).
cite-note-jlang4-105105. â vgl. Joachim Lang: Episches Theater als Film: BĂźhnenstĂźcke Bertolt Brechts in den audiovisuellen Medien. 2006, S. 247.
cite-note-106106. â Hervorhebung von Jan Knopf; Jan Knopf: Brecht-Handbuch Theater. 1986, S. 185.
cite-note-107107. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch Theater. 1986, S. 185.
cite-note-knopf186-108108. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch Theater. 1986, S. 186.
cite-note-109109. â Friedrich Schiller: Geschichte des DreiĂigjährigen Kriegs. Zitiert nach: Ingo Breuer: Theatralität und Gedächtnis. 2004, S. 112.
cite-note-110110. â Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder, 6. Szene. In: GBA Bd. 6, S. 60f.
cite-note-111111. â vgl. Couragemodell 1949, S. 216
cite-note-112112. â Mutter Courage, 6. Szene, S. 61
cite-note-113113. â vgl. Fowlers Zusammenstellung der Grausamkeiten des Krieges im Kapitel âThe Hyenaâ in: ders.: The Mother of all Wars, S. 1ff.
cite-note-114114. â Mutter Courage, 9. Szene, S. 73
cite-note-115115. â Fowler: The Mother of all Wars, S. 3 (âThis is the tale of war told by Mutter Courage und ihre Kinder. It is a story of cruelty, barbarism, and unfreedom, of a crime against humanity perpetrated that one ruler can take from another. It is that story which Hobbes told us in his classic description of war, where no benefit is had from human industry, but all live in continual danger and fear of violent death, and âthe life of man (is) solitary, poor, nasty, brutish, and shortâ.â).
cite-note-brecht49-214-116116. â vgl. Courage Modell 1949, S. 214
cite-note-mutter-courage-6-szene-s-54-117117. â Mutter Courage, 6. Szene, S. 54
cite-note-118118. â Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. In: GBA Bd. 6, S. 9.
cite-note-119119. â Ingo Breuer: Theatralität und Gedächtnis. 2004, S. 115.
cite-note-120120. â Mutter Courage, S. 20
cite-note-121121. â Mutter Courage, S. 69f.
cite-note-122122. â Mutter Courage, Szene 11, S. 82
cite-note-123123. â Mutter Courage, S. 62
cite-note-124124. â Mutter Courage, S. 22
cite-note-125125. â Mutter Courage, S. 60
cite-note-126126. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 246ff.
cite-note-127127. â Joseph Goebbels: Goebbels-Reden. Hrsg. von Helmut Heiber, DĂźsseldorf 1970, S. 47; zitiert nach: Fowler, S. 255
cite-note-128128. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. Kapitel âHonourâ, S. 255ff.
cite-note-129129. â vgl. Mutter Courage, S. 9 (Szene 1)
cite-note-130130. â Mutter Courage, S. 9 (Szene 1)
cite-note-131131. â Mutter Courage, S. 82 (Szene 11)
cite-note-132132. â zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 264.
cite-note-133133. â Mutter Courage, S. 23 (Szene 2)
cite-note-134134. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 264f.
cite-note-135135. â Mutter Courage, S. 53 (Szene 6)
cite-note-136136. â Brecht bei der Probe vom 26. August 1954; zitiert nach: John Fuegi: Brecht & Co. 1997, S. 815.
cite-note-137137. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. XXf.
cite-note-138138. â Die Courage lernt nichts. In: Bertolt Brecht: Texte zu StĂźcken. Schriften 4. In: GBA Bd. 24, Anmerkungen, S. 537.
cite-note-139139. â Bertolt Brecht: Anmerkung zur Mutter Courage. In: BGA, Schriften 4, S. 284.
cite-note-140140. â (âagainst the rulers and their agents in the military and the clergy, and, on the symbolic level, against the domination of the patriarchy and capitalismâ); Fowler: The Mother of all Wars. S. 274 (Ăbersetzung: Mbdortmund).
cite-note-141141. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 278.
cite-note-142142. â vgl. Sarah Bryant-Bertail: Space and time in epic theater. 2000, S. 64.
cite-note-143143. â vgl. Sarah Bryant-Bertail: Space and time in epic theater. 2000, S. 66 ff.
cite-note-144144. â vgl. Sarah Bryant-Bertail: Space and time in epic theater. 2000, S. 69.
cite-note-145145. â vgl. Sarah Bryant-Bertail: Space and time in epic theater. 2000, S. 74.
cite-note-146146. â (âPaternity Deniedâ); vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 208 f.
cite-note-bbrecht2-147147. â Mutter Courage, 1. Szene, S. 11
cite-note-148148. â Mutter Courage, S. 61
cite-note-149149. â âA sutler who lives from war and feeds its engines, she helps to perpetuate war and its misery. A partner of war, and so of death, she well earns the epithets âcriminalâ and âhyena of the battlefieldâ. The crime itself, her business with war, cannot be denied, for her participation is there for all to see.â; Fowler: The Mother of all Wars. S. 4.
cite-note-150150. â Fowler: The Mother of all Wars. S. 4.
cite-note-151151. â Fowler beruft sich hier auf die Wahrsageszene am Anfang des StĂźcks und auf ihre Aussage zum Werber, sich dem Krieg zu sehr zu nähern, gleiche dem Gang des Lamms zur Schlachtbank.
cite-note-152152. â späte Textvariante, in der Gesamtausgabe nicht enthalten, zitiert nach Fowler, S. 6
cite-note-153153. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 12 (âInhumanity is integral to Courageâs business.â).
cite-note-154154. â Mutter Courage, S. 10
cite-note-155155. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 14: âCourageâs criminality, her preference for war over peace, death over life, extends even to her own children. Each time that war closes on them she is absent on business, that is to say, she chooses her partnership with war and death over the lives of her children â which puts the lie to her desire to bring her children through the war.â
cite-note-156156. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 25ff.
cite-note-157157. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 74 (âCourage is an expression of her historical conditionsâ).
cite-note-158158. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 77f.
cite-note-159159. â Fowler: The Mother of all Wars. S. 31.
cite-note-160160. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 33 (âToothed and clawed, she is a tigress protecting her cub.â).
cite-note-161161. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 42.
cite-note-bbrecht6-162162. â Mutter Courage, S. 10 (Szene 1)
cite-note-163163. â âCourageâs identification with the rulers is only appropriate, for as a sutler, as a businesswoman, she like the rulers, is involved in war only âfĂźr Gewinnâ.â; Fowler: The Mother of all Wars. S. 182.
cite-note-r-fow1-164164. â vgl. Kenneth R. Fowler: The Mother of all Wars. S. 183.
cite-note-165165. â Fowler: The Mother of all Wars. S. 186.
cite-note-166166. â (âCourageâs involvement with soldiers shows how she is bound â even libidinally â to war.â); Fowler: The Mother of all Wars. S. 186.
cite-note-167167. â (âThat is, Courage is not only a dramatic figure, a representation of a seventeenth-century sutler in the Thirty Years War, she is also a symbolic representation of capitalism.â); Fowler: The Mother of all Wars. S. 189.
cite-note-168168. â (ânecessarily inhumanâ); Fowler: The Mother of all Wars. S. 190.
cite-note-169169. â (âShe is the Hyena, in other words, because she represents Business as Usual.â); Fowler: The Mother of all Wars. S. 191.
cite-note-170170. â (âmaternai, nurturing creativity and her war-mongering, inhuman mercantilismâ); vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 383.
cite-note-171171. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 383ff.
cite-note-172172. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 392.
cite-note-173173. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 393.
cite-note-174174. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 394.
cite-note-175175. â Bertolt Brecht: Couragemodell 1949, S. 177; auch als Motto gedruckt auf der ersten Innenseite des Programmhefts des Berliner Ensembles unter dem leicht veränderten Titel âWas eine AuffĂźhrung von âMutter Courage und ihre Kinder heute zeigen sollââ; die Formulierung âFortfĂźhrung der Geschäfte mit anderen Mittelnâ spielt an auf ein Zitat von Carl von Clausewitz: âDer Krieg ist nichts anderes als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mittelnâ aus âVom Kriegeâ, zitiert nach: Anmerkungen zum Couragemodell. In: Bertolt Brecht, Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 5, Bd. 25, S. 523.
cite-note-bertolt-brecht-1949-176176. â Bertolt Brecht: Couragemodell 1949, S. 173.
cite-note-177177. â Bertolt Brecht: Die Geschäfte der Courage. In: BFA, Schriften 4, S. 265.
cite-note-178178. â Couragemodell 1949, S. 241f.
cite-note-brecht1949-242-179179. â Couragemodell 1949, S. 242
cite-note-180180. â Bertolt Brecht: Zu Mutter Courage und ihre Kinder. In: BGA, Schriften 4, S. 264.
cite-note-181181. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 120f. (âThroughout this work it must always be kept in mind when considering evidence that there is no criticism of fascism by Brecht which is not simultaneously a criticism of capitalism.â).
cite-note-182182. â Palitzsch, Hubalek (Redaktion und Gestaltung), Berlin 1951.
cite-note-183183. â Die Blockade eines Zugs mit MilitärgĂźtern durch Raymonde Dien war im Kalten Krieg eine viel diskutierte Aktion gegen den Indochinakrieg, aus amerikanischer Sicht eine Propagandaaktion der kommunistischen Partei, vgl. etwa den polemischen Artikel aus Time
cite-note-184184. â Bergstedt: Das dialektische Darstellungsprinzip. S. 141; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 84.
cite-note-185185. â Bergstedt: Das dialektische Darstellungsprinzip. S. 287; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 84.
cite-note-186186. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 84f.
cite-note-187187. â Mutter Courage, 9. Szene, S. 76
cite-note-188188. â Helmut Jendreiek: Bertolt Brecht: Drama der Veränderung. Bagel, DĂźsseldorf 1969, S. 86; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 84.
cite-note-189189. â Helmut Jendreiek: Bertolt Brecht. 1969, S. 192.
cite-note-190190. â Jendreiek 1969, S. 172
cite-note-191191. â Walter Hinck: Mutter Courage und ihre Kinder: Ein kritisches VolksstĂźck. In: ders.: Brechts Dramen, S. 166f.; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 93.
cite-note-192192. â Bernard Fenn: Characterization of Women in the Plays of Bertolt Brecht. European University Studies, Peter Lang, 1982, ISBN 3-8204-6865-X.
cite-note-frank-thomsen-2006-193193. â Frank Thomsen, Hans-Harald MĂźller, Tom Kindt: Ungeheuer Brecht. Eine Biographie seines Werks. Vandenhoeck & Ruprecht, 2006, ISBN 978-3-525-20846-5, S. 238.
cite-note-ungeheuer-brecht-s-238-194194. â Ungeheuer Brecht. S. 238
cite-note-195195. â Ungeheuer Brecht. S. 244
cite-note-196196. â Ungeheuer Brecht. S. 246
cite-note-197197. â (âearly stage of the historical dialecticâ); John Milfull: From Baal to Keuner: The ÂŤSecond OptimismÂť of Bertolt Brecht. Reihe: Australisch-Neuseeländische Studien zur deutschen Sprache und Literatur. Bern / Frankfurt am Main 1974, ISBN 978-3-261-01015-5, S. 130; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 102f.
cite-note-198198. â (âtimelessness and universalityâ); John Milfull: From Baal to Keuner. 1974, S. 134; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 103.
cite-note-199199. â vgl. John Milfull: From Baal to Keuner. 1974, S. 132ff.; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 103.
cite-note-200200. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 104f.
cite-note-201201. â Theodor W. Adorno: Engagement. Noten zur Literatur III. Frankfurt am Main 1965, S. 123.
cite-note-202202. â Adorno: Engagement. 1965, S. 122f.
cite-note-203203. â Adorno: Engagement. 1965, S. 122.
cite-note-204204. â Adorno: Engagement. 1965, S. 123.
cite-note-205205. â Bertolt Brecht: Gespräch mit einem jungen Zuschauer. In: BFA, Schriften 4, Bd. 24, S. 272.
cite-note-206206. â (âThe world which the drama seems to represent, for example, is not capitalistic, but feudal. Its rulers are not the bourgeoisie, but kings, emperors, and popes. Its producers are not industrial workers, but peasants. Its order is not based on the notions of a social contract and legality, that is, the rulers do not make contracts with the producers such as exists more or less between the capitalist and the worker, but in effect take what they desire at the point of the sword.â); Fowler: The Mother of all Wars. S. 126f.
cite-note-207207. â Fowler: The Mother of all Wars. S. 136f.
cite-note-208208. â (âit is typical of Brechtâs work that exploitation should appear as theftâ); Fowler: The Mother of all Wars. S. 139f.
cite-note-209209. â JĂźrgen Kreft: Realismusprobleme bei Brecht oder: Wie realistisch ist Brechts Realismus? (Memento vom 20. März 2013 im Internet Archive) S. 6â10 (PDF-Datei; 276 kB).
cite-note-210210. â Franz Norbert Mennemeier: Modernes Deutsches Drama. Kritiken und Charakteristiken. Band 2, 1933 bis zur Gegenwart. MĂźnchen 1975; 2. verb. u. erw. Aufl., Berlin 2006, S. 395; zitiert nach: Fowler: The Mother of all Wars. S. 107.
cite-note-211211. â Franz Norbert Mennemeier: Modernes Deutsches Drama. 2006, S. 108.
cite-note-212212. â Benno von Wiese: Zwischen Utopie und Wirklichkeit: Studien zur deutschen Literatur. Bagel, DĂźsseldorf 1963, S. 266.
cite-note-213213. â vgl. GĂźnter Thimm: Das Chaos war nicht aufgebraucht. Ein adolszenter Konflikt als Strukturprinzip von Brechts StĂźcken. 2002, S. 126ff.
cite-note-214214. â vgl. GĂźnter Thimm 2002, S. 127
cite-note-215215. â GĂźnter Thimm 2002, S. 128
cite-note-216216. â âFeldhauptmann: In dir steckt ein junger Cäsarâ; Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder, 2. Szene, S. 23.
cite-note-217217. â Edgar Hein: Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. MĂźnchen 1994, S. 58.
cite-note-218218. â Marie Luise Kaschnitz: Mutter Courage. Zwischen immer und nie: Gestalten und Themen der Dichtung. Insel, Frankfurt am Main 1971, S. 198; Fowler bestreitet dies und fĂźhrt Kaschnitzâ Deutung auf die Interpretation der Giehse in MĂźnchen zurĂźck. âOf course, Kaschnitz may base her interpretation on the performance by Giehse in Munich, in which Giehse as Courage did show that Courage loved Schweizerkas less.â; Fowler, S. 34
cite-note-219219. â Edgar Hein: Mutter Courage und ihre Kinder, S. 60.
cite-note-brecht-1949-220220. â Couragemodell 1949, S. 192
cite-note-bbrecht8-221221. â Couragemodell 1949, S. 223
cite-note-222222. â beide Mutter Courage, 1. Szene, S. 75
cite-note-mutter-courage-3-szene-s-27-223223. â Mutter Courage, 3. Szene, S. 27
cite-note-224224. â Mutter Courage, 3. Szene, S. 35
cite-note-225225. â Mutter Courage, 3. Szene, S. 39
cite-note-edgar-hein-1994-226226. â Edgar Hein 1994, S. 62
cite-note-bbrecht10-227227. â vgl. Couragemodell 1949, S. 201
cite-note-228228. â vgl. Couragemodell 1949, S. 202
cite-note-229229. â Mutter Courage, S. 52
cite-note-230230. â Edgar Hein 1994, S. 55
cite-note-bbrecht9-231231. â Couragemodell 1949, S. 211
cite-note-232232. â Couragemodell 1949, S. 210
cite-note-233233. â Couragemodell 1949, S. 216
cite-note-234234. â Mutter Courage, S. 74
cite-note-235235. â vgl. Mutter Courage, S. 76
cite-note-236236. â Bertolt Brecht: Couragemodell 1949, S. 226
cite-note-237237. â Irmela von der LĂźhe, Claus-Dieter Krohn: Fremdes Heimatland: Remigration und literarisches Leben nach 1945. GĂśttingen 2005.
cite-note-238238. â Edgar Hein: Bertolt Brecht, S. 58.
cite-note-239239. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 379.
cite-note-240240. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 380.
cite-note-241241. â (âan exemplary moment of the transcendence of an asocial worldâ; âa revolt of the little peopleâ); vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 381.
cite-note-242242. â Mutter Courage, S. 68
cite-note-243243. â Mutter Courage, S. 75f.
cite-note-244244. â (âWith this the cook initiates a criticism of the war and, by focusing on its destruction and misery, gives priority to the material over the âideaâ (the faith).â); Fowler: The Mother of all Wars. S. 226.
cite-note-245245. â Mutter Courage, S. 64 (Szene 8)
cite-note-246246. â Mutter Courage, S. 50 (3. Szene)
cite-note-247247. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 213f.
cite-note-mutter-courage-s-58-6-szene-248248. â Mutter Courage, S. 58 (6. Szene)
cite-note-249249. â (âCourageâs personal interest in the cook is represented by the pipe in her pocket, and this interest is underlined when the chaplain later exclaims that she has not only kept it, but âdraus geraucht!ââ); Fowler: The Mother of all Wars. S. 214 (Ăbersetzung: Mbdortmund).
cite-note-250250. â Mutter Courage, S. 71 (8. Szene)
cite-note-251251. â Mutter Courage, S. 77
cite-note-252252. â Mutter Courage, S. 67
cite-note-253253. â (âThe essential similarity between the cook and the worker, who both produce for another without enjoying the fruits of their labours, is expressed when the chaplain censures the cook for his criticism of war and ruler: âSchlieĂlich essen Sie sein Brotâ (that is, the bread of the king). The cook points out the reality to the ideologue: âIch eĂ nicht sein Brot, sondern ich backs ihm.ââ); Fowler: The Mother of all Wars. S. 234 (Ăbersetzung: Mbdortmund).
cite-note-254254. â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 234ff.
cite-note-255255. â Fowler verweist als Beleg auf Brechts Gedicht âDie Bolschewiki entdecken im Sommer 1917 in Smolny, wo das Volk vertreten war: In der KĂźcheâ (Gedichte Bd. 1, S. 179) und eine Keuner-Geschichte, in der Keuner erklärt, warum er die Stadt B der Stadt A vorzog: âIn der Stadt A bat man mich an den Tisch, aber in der Stadt B bat man mich in die KĂźche.â vgl. Fowler: The Mother of all Wars. S. 242.
cite-note-256256. â (âby cooking up, not only food, but also rebellionâ); Fowler: The Mother of all Wars. S. 242f.
cite-note-257257. â alle Couragemodell 1949, S. 192
cite-note-258258. â Couragemodell 1949, S. 195
cite-note-259259. â (âCourage condemns this hostility to material life when she answers: âŚâ); Fowler: The Mother of all Wars. S. 217 (Ăbersetzung Mbdortmund).
cite-note-260260. â Mutter Courage, 3. Szene, S. 26
cite-note-261261. â Mutter Courage, 3. Szene, S. 33
cite-note-262262. â Mutter Courage, 3. Szene, S. 41
cite-note-ehein1-263263. â Edgar Hein: Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. S. 69.
cite-note-264264. â Mutter Courage, 8. Szene, S. 67
cite-note-bbrecht11-265265. â Mutter Courage, 8. Szene, S. 68
cite-note-266266. â Couragemodell 1949, S. 222
cite-note-267267. â (âAs we saw in the previous section, the prostitute represents the worker who must sell her very self, for all she has to trade on the market is her âlabour powerâ; she is the commodity, the incarnation of labour alienated from itself.â) Fowler: The Mother of all Wars. S. 171.
cite-note-268268. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 191.
cite-note-269269. â alle Couragemodell 1949, S. 176
cite-note-270270. â alle Couragemodell 1949, S. 186
cite-note-271271. â Couragemodell 1949, S. 198.
cite-note-272272. â Mutter Courage, S. 49.
cite-note-b207-273273. â Couragemodell 1949, S. 207.
cite-note-274274. â Couragemodell 1949, S. 206.
cite-note-275275. â Couragemodell 1949, S. 231.
cite-note-276276. â Couragemodell 1949, S. 232.
cite-note-277277. â vgl. Edgar Hein: Mutter Courage und ihre Kinder, S. 39.
cite-note-278278. â Couragemodell 1949, S. 233.
cite-note-279279. â vgl. Edgar Hein: Mutter Courage und ihre Kinder, S. 39 ff.
cite-note-280280. â Original von Thomas von Kempen: âHomo proponit, sed deus disponit.â
cite-note-281281. â Mutter Courage, S. 49; siehe auch: Wolfgang Mieder: Der Mensch denkt: Gott lenkt â keine Red davon! SprichwĂśrtliche Verfremdungen im Werk Bertolt Brechts. Peter Lang, Bern, ISBN 978-3-906761-53-4.
cite-note-282282. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 192.
cite-note-283283. â Edgar Hein: Mutter Courage und ihre Kinder, S. 27 f.
cite-note-284284. â vgl. Edgar Hein 1994, S. 28
cite-note-285285. â Edgar Hein 1994, S. 26
cite-note-286286. â Edgar Hein: Mutter Courage und ihre Kinder, S. 28.
cite-note-287287. â Helmut Jendreiek: Bertolt Brecht: Drama der Veränderung. 1969, S. 198.
cite-note-288288. â Helmut Jendreiek: Bertolt Brecht: Drama der Veränderung. 1969, S. 199.
cite-note-henning-rischbieter-1966-289289. â vgl. Henning Rischbieter: Brecht II. Friedrichs Dramatiker des Welttheaters, Band 14. Velbert 1966, S. 23f.
cite-note-290290. â Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 191.
cite-note-291291. â vgl. Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater. 1986, S. 192.